Als Kapitän und Nagelsmanns „Leader“ hat Joshua Kimmich bei der WM Großes vor und sogar einen Rekord im Visier.
Der Fahnenträger KimmichSo will der Kapitän seine miese WM-Bilanz endlich aufpolieren

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Ein typischer Joshua Kimmich beim Jubeln mit geballten Fäusten nach seiner Torvorlage für Deniz Undav.
Für Joshua Kimmich (31) gibt es selbst am trainingsfreien „Family Day“ der deutschen Auswahl keine Pause. Während der Weltmeisterschaft ist der Kapitän durchgehend im Einsatz. Er trat am Vormittag in Winston-Salem pflichtbewusst vor die Presse, um über die Gefühlslage nach dem grandiosen 7:1 über Curaçao und die erste große Herausforderung gegen die Elfenbeinküste Auskunft zu geben.
Ebenso gönnt sich Bundestrainer Julian Nagelsmann keine Ruhepause. Gemeinsam mit seinem Team widmet er sich schon der Analyse des 1:0-Sieges der Elfenbeinküste gegen Ecuador. „Die beiden Gegner, die jetzt kommen, sind schon richtig, richtig gut. Die haben eine unfassbare Körperlichkeit, viel Speed und viele Topspieler“, so die Warnung von Nagelsmann. Der Kantersieg zum Start ist Vergangenheit, die Konzentration gilt der Zukunft.
Lobeshymnen für Kimmich: „Mein Leader“
Kimmich bestreitet seine dritte WM, führt das Team aber erstmals mit der Kapitänsbinde an. Eine Aufgabe, die Sportdirektor Rudi Völler mit eindrucksvollen Worten beschreibt: „Jo Kimmich ist der Fahnenträger für uns alle.“ Jemand, der den Weg weist. „Ein Vorbild“ für die Mitspieler und, wie Nagelsmann es formuliert, „mein Leader“.

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In Houston führte Joshua Kimmich die Nationalelf erstmals als Kapitän in ein WM-Spiel.
Für Kimmich startete das Turnier in Amerika jedenfalls mit einer völlig neuen Emotion: einem Auftaktsieg. Das ist für ihn eine Neuheit nach den Turnier-Enttäuschungen 2018 in Russland (0:1 gegen Mexiko) sowie 2022 in Katar (1:2 gegen Japan). Das Erreichen der K.o.-Phase ist für den Akteur mit 111 Länderspielen nun in Reichweite.
Keine Wiedergutmachung: Kimmichs Blick nach vorn
Der Profi des FC Bayern möchte jedoch nichts von einer persönlichen Rehabilitierung hören. „Ums Ausmerzen geht es eigentlich überhaupt nicht. Wir wissen, wie die letzten Turniere waren. Ich weiß es. Es ist eine neue Chance“, stellt Kimmich klar, der als Symbolfigur dieser Niederlagen galt.
Während des entspannten Auftaktspiels gegen Curaçao war ihm die Last der Vergangenheit zunächst noch anzusehen. Sein Spiel wirkte nervös, nicht souverän. Nach dem Seitenwechsel legte er aber zu und lieferte die Vorlagen für die Treffer von Jamal Musiala und Deniz Undav. „Ich freue mich extrem, eine WM spielen zu dürfen“, hatte er bereits vor Turnierstart geäußert. „Es ist das Größte, was es gibt als Fußballer, sein Land zu vertreten.“
Krönung für die „goldene Generation“?
Die Erfolgsbilanz des Anführers jener Generation der Jahrgänge 1995/96, die einst als „golden“ galt und zu der die Confed-Cup-Gewinner von 2017 wie Leon Goretzka und Jonathan Tah zählen, ist bislang dürftig. Kimmich ist sich dessen bewusst. Er unternimmt alles, um seiner Laufbahn im Nationaltrikot einen versöhnlichen Abschluss zu verschaffen. Dafür stellt er persönliche Präferenzen zurück und agiert als Rechtsverteidiger anstelle seiner bevorzugten Position im Zentrum – weil es der Mannschaft am meisten dient.

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Zwei, die sich verstehen. Julian Nagelsmann klatscht mit Joshua Kimmich ab.
Kimmich hat Vertrauen in dieses Team, dessen Altersspanne von Routinier Manuel Neuer (40) bis zum nur halb so alten Assan Ouedraogo reicht. „Wir haben eine neue Mannschaft, wir haben neue Voraussetzungen.“ Ihm sei aber ebenso wichtig, „um die Art und Weise, wie wir auftreten. Die muss stimmen.“ Die Fans in der Heimat sollen sich erneut mit dem DFB-Team identifizieren.
Matthäus-Rekord im Visier: Kimmich will mehr
Seine letzte WM? Eher nicht. „Ich habe auf jeden Fall Bock, noch ein paar Jahre für die Nationalmannschaft zu spielen“, ließ er verlauten. Damit wäre es ihm möglich, Lothar Matthäus als deutschen Rekordnationalspieler (150 Partien) zu überholen. Eine Vorstellung, die ihn reizt: „Man jagt nicht diese 150 Länderspiele, wobei das schon eine Marke ist, die man im Kopf hat“, räumte Kimmich ein.

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Spielmacher auf der Außenbahn.
In der mannschaftsinternen Rangordnung steht er ganz oben. Daran kann auch die Wiederkehr des ehemaligen Kapitäns Manuel Neuer nichts ändern. Kimmich sei „das Sprachrohr“ des Nationaltrainers, meint Völler. „Jo hat einen sehr engen Draht zu Julian.“
Ein vielsagendes Bild bot sich in Winston-Salem: Nach der ersten Trainingseinheit am Anreisetag standen Bundestrainer und Kapitän noch lange auf dem Rasen und tauschten sich aus. „Ich bin sehr froh, dass du mein Leader auf dem Feld bist. Führ die Mannschaft voran, führ sie idealerweise zum WM-Titel“, so Nagelsmanns Auftrag an Kimmich im Video zur Nominierung. (dpa/red)
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