WM 2022 Lukas Podolski fordert Titelambitionen von der deutschen Mannschaft: „Es gibt keine Ausreden“

Lukas Podolski blickt in die Kamera.

Der frühere Fußall-Nationalspieler Lukas Podolski lächelt bei einem Termin im Januar 2019 in Gummersbach.

Am Sonntag startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Lukas Podolski verfolgt das Turnier aus der Ferne. Vor dem Start sprach er mit EXPRESS.de über die Umstände und das DFB-Team.

Während in Katar die Fußball-Weltmeisterschaft am Sonntag (20. November 2022) beginnt, trainiert Lukas Podolski (37) weiter bei Gornik Zarbze. Sein Vertrag in Polen läuft im Sommer aus, doch nach den Vorstellungen zuletzt mit dem Traumtor im Pokal könnte es sein, dass der Weltmeister von 2014 noch eine Saison dranhängt.

Vor dem WM-Auftakt sprach EXPRESS.de mit dem Kölner Fußball-Idol über das Turnier in Katar, die Aussichten der deutschen Mannschaft und sein eigenes Verhältnis zur Winter-WM.

Lukas Podolski: „Konnte kein WM-Fieber aufbauen“

Lukas Podolski, wie werden Sie die Weltmeisterschaft verfolgen?

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Lukas Podolski: Es fühlt sich immer noch etwas unwirklich an. Letzte Woche haben wir noch gespielt und nun soll schon Weltmeisterschaft sein. Früher gab es wochenlange Vorbereitung, jetzt konnte man gar kein WM-Fieber aufbauen. Ich werde die Spiele verfolgen, wenn ich die Gelegenheit dazu habe. Aber meinen Terminkalender richte ich nicht danach aus. Ob ich noch hinfliegen werde, weiß ich nicht. Ich habe einige Anfragen, vielleicht ergibt sich ja was.

Wird das für die Spieler ähnlich schwierig?

Lukas Podolski: Natürlich ist das anders, als wenn du in Südtirol erstmal in Ruhe zu einer Mannschaft zusammenwächst. Aber sobald du im Bus auf dem Weg zum Stadion bist, weißt du spätestens, worum es geht. Das ist eine Weltmeisterschaft, das größte Sportereignis der Welt und du bist als Spieler dabei. Da willst du automatisch alles geben und dich für den Adler auf der Brust zerreißen.

Lukas Podolski: „Deutsche Mannschaft muss um Titel mitspielen“

Was erwarten Sie von der deutschen Mannschaft?

Lukas Podolski: Egal was vorher war, welche Ergebnisse eingefahren wurden, welche Probleme es gibt: Eine deutsche Mannschaft muss immer mit dem Anspruch zu einer Weltmeisterschaft fahren, dass man um den Titel mitspielt. Alle haben die gleichen Voraussetzungen, alle die gleiche Vorbereitung, es gibt also keine Ausreden.

Wer kann der Star des deutschen Teams werden?

Lukas Podolski: Von allen Anlagen her: Jamal Musiala. Er ist wirklich ein außergewöhnliches Talent, so einen hatten wir lange nicht mehr. Es ist aber gut, dass neben den jungen Spielern auch noch einige erfahrene Profis wie Thomas Müller oder Manuel Neuer dabei sind. Die haben schon alles erlebt und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Allerdings wird schon die Gruppe kein Selbstläufer, die Auftaktpartie gegen Japan gleich richtungsweisend. Der Star aber muss – und das war bei allen erfolgreichen Turnieren so – die Mannschaft sein.

Niclas Füllkrug? „Das Sturmproblem ist nicht neu“

Was sagt es über den deutschen Kader aus, dass jetzt Niclas Füllkrug im Sturm der Hoffnungsträger ist?

Lukas Podolski: Naja, das Sturmproblem ist ja nicht neu. Seit Miro Klose und Mario Gomez weg sind, suchen wir ja einen Nachfolger. Aber die Thematik haben wir nicht exklusiv: In England gibt es auch nur Harry Kane, in Frankreich sind Olivier Giroud (36) und Karim Benzema (34) immer noch dabei. Du kannst natürlich an der Ausbildung mäkeln, aber es braucht auch immer noch das Glück, dass du einen findest, der das kann.

Sie haben lange mit Hansi Flick zusammengearbeitet. Der richtige Bundestrainer?

Lukas Podolski: Absolut. Er hat sehr viel Erfahrung im Nationalteam, auch bei Turnieren. Mit den Bayern hat er die Champions League geholt – unter schwierigen Voraussetzungen. Seine taktischen und menschlichen Qualitäten sind ein Riesenplus.  Er kann Deutschland zum Titel führen.

Sie leben in Polen, wie erleben sie die WM-Stimmung dort?

Lukas Podolski: Hier freut man sich, dass die Mannschaft dabei ist. Allerdings haben sie mit Argentinien und Mexiko schwere Gruppengegner erwischt. Die Kritik an Katar ist längst nicht so extrem wie in Deutschland.

Favoriten? Für Lukas Podolski die üblichen Verdächtigen

Wer sind Ihre Favoriten?

Lukas Podolski: Die üblichen Verdächtigen: Frankreich, Brasilien, Argentinien hat einen Lauf, Belgien und England werden hoch gehandelt. Vielleicht gibt es wieder ein Überraschungsteam, wie zuletzt die Kroaten.

Können Sie die Kritik verstehen?

Lukas Podolski: Auf der einen Seite schon. Allerdings waren die Fußballer, die jetzt da spielen, Kinder, als die Entscheidung getroffen wurde. Sie hatten keinen Einfluss darauf und sollten jetzt auch nicht dafür kritisiert werden. Am Ende sind jetzt alle da, es war viel heiße Luft trotz aller Dokus und Berichte, die gezeigt worden sind. Ein Boykott bringt nichts, wenn er dann nicht umgesetzt wird oder werden kann. Ich freue mich jetzt aber auf die Fußballer und den Fußball in den kommenden Wochen. Es ist die Weltmeisterschaft!

Wie geht es für Sie weiter?

Lukas Podolski: Mein Vertrag läuft aus, aber ich bin fit, fühle mich gut, da gibt es eigentlich keinen Grund, aufzuhören. Wir haben in der langen Pause jetzt genug Zeit, mit dem Klub über die Zukunft zu sprechen.

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