„Das war extrem spannend“ Hansi Flick wäre beinahe nicht Bundestrainer geworden

Hansi Flick sitzt in Mönchengladbach neben Hans Meyer auf der Tribüne.

Bundestrainer Hansi Flick (r.) neben Hans Meyer beim Spiel von Borussia Mönchengladbach gegen Bayern München am 13. August 2021.

Hansi Flick ist schon voll in seiner neuen Aufgabe als Bundestrainer. Er führt viele Gespräche und besucht viele Vereine. Beinahe hätte der frühere Bayern-Coach aber eine andere Aufgabe angenommen.

Frankfurt. Noch vor seinem ersten Länderspiel gibt Hansi Flick (56) mächtig Gas. Der neue Bundestrainer ist derzeit permanent auf Achse. Erst schaute er den Liga-Start in Mönchengladbach, dann saß er zweimal in Dortmund auf der Tribüne. „Ich bin beim sogenannten ‚24/7‘ immer vorsichtig, jeder Spieler, jeder Trainer, jeder Mensch braucht seine Erholungsphasen“, sagte er der „SZ“. „Aber die Liga kann sich darauf verlassen, dass ich ein präsenter Bundestrainer sein werde.“

Im Gegensatz zu Joachim Löw (61), der sich in den letzten Monaten seiner Amtszeit äußerst rar gemacht hatte, will Flick einen engen Kontakt zu Spielern und Trainern. Mit „einigen Ligatrainern“ habe er zuletzt schon digitale „Facetime- oder Zoom-Meetings“ gehabt, darauf sollen sich auch seine Nationalspieler einstellen.

Der neue Bundestrainer betonte erneut, dass die Tür zur DFB-Auswahl für alle offen stehe, die Leistung bringen. „Ich meine damit, dass die Spieler es im Grunde selbst in der Hand haben“, sagte Flick. „Ich will keine besonders junge oder besonders erfahrene Nationalmannschaft, ich will einfach die beste.“

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Hansi Flick hat Julian Draxler und Thilo Kehrer auf dem Zettel

Explizit erwähnte Flick auch die beim französischen Spitzenclub Paris Saint-Germain spielenden Julian Draxler (27) und Thilo Kehrer (24), die von Löw nicht mehr berücksichtigt worden waren. Im Zusammenhang mit der Frage, ob Thomas Müller (31), Mats Hummels (32) und Ilkay Gündogan (30) auch künftig für Deutschland spielen werden, sagte Flick auch mit Blick auf den Dortmunder Marco Reus (32), Draxler und Kehrer: „Die spielen bei Topvereinen in der Champions League, und wenn sie da zeigen, was uns wichtig ist, dann heißt es ‚herzlich willkommen‘. Warum sollte ich bei irgendjemandem eine endgültige Entscheidung treffen und ‚nein‘ sagen, wenn er uns helfen kann?“

Und wer dabei ist, mit dem will Flick in Kontakt bleiben. „Für mich sind die Spieler auch im Verein immer Nationalspieler, der Faden soll nie abreißen. Ähnlich regelmäßig möchte ich auch mit der Liga kommunizieren, mit den Trainern und Sportdirektoren. Mir macht so ein Austausch auf Augenhöhe extrem Spaß, das ist eigentlich gar keine Arbeit“, sagte Flick, der am 26. August seinen ersten Länderspiel-Kader nominieren wird.

Beinahe hätte der frühere Bayern-Coach übrigens eine andere Herausforderung angenommen. Es habe Anfragen von Klubs und Nationalmannschaften gegeben. „Mit einem sehr großen Verein hatte ich zwei Zoom-Calls, direkt mit dem Präsidenten, das war extrem spannend. Der Umgang miteinander war total respektvoll, meine sportlichen Kompetenzen wären überragend gewesen“, sagte der 56-Jährige.

Hansi Flick erhielt 600 Nachrichten nach DFB-Unterschrift

Es sei nie sein Ansinnen gewesen, beim FC Bayern rauszugehen, um dann Bundestrainer zu werden, betonte Flick. „Als ich für mich entschieden habe, die Bayern zu verlassen, stand noch gar nicht fest, dass Jogi Löw im Sommer aufhören würde. Und ich habe mich auch nicht gefreut, als Jogi seinen Abschied verkündet hat. Ich hätte ihm einen guten Abschluss bei der WM in Katar gewünscht“.

Die Unterschrift als Bundestrainer schlug dann aber sogar den Triple-Triumph mit dem FC Bayern. „Da ist mein Telefon explodiert“, erzählte Flick über den Tag der Vertragsunterzeichnung. „Ich hatte 600 Nachrichten an einem Tag. Völlig verrückt. Das waren doppelt so viele wie nach dem Sieg in der Champions League.“

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