Uli Hoeneß Ex-Bayern-Macher mit krasser Enthüllung über Dusch-Erfahrung während Knast-Zeit

Uli Hoeneß sitzt im Sessel und spricht

Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß, hier bei einer Veranstaltung in Köln am 8. September 2021, hat vor seinem 70. Geburtstag in einem großen Interview über seine Zeit in Haft, den FC Bayern München und die heftige Katar-Kritik gesprochen.

Uli Hoeneß hat den FC Bayern München geprägt wie kein Zweiter. Doch der Ex-Präsident erlebte nach seiner Steuer-Affäre auch die dunkelste Zeit seines Lebens. Nun blickt er im Interview zurück.

Der Rückzug vor zwei Jahren fiel ihm schwerer als gedacht, doch mittlerweile hat Uli Hoeneß erkannt, dass er beim FC Bayern nicht mehr ständig präsent sein muss. Dennoch hat er weiter eine klare Meinung zu den Themen, die den Klub bewegen.

Am Mittwoch (5. Januar 2022) wird Hoeneß 70 Jahre alt, im Interview spricht er nicht nur über Privates, sondern auch über das Thema Katar, Julian Nagelsmann (34) und Erling Haaland (21).

Uli Hoeneß wird 70: Er prägte den FC Bayern München wie kein Zweiter

Herr Hoeneß, wie geht es Ihnen?

Uli Hoeneß: Gut, gesundheitlich ist es okay. Meinem Knie könnte es besser gehen, ansonsten bin ich zufrieden. Ich spiele Golf, fahre Rad, sitze auf dem Hometrainer – nur joggen geht nicht mehr, und das fehlt mir. Ein Freund bekommt jetzt ein künstliches Kniegelenk, er wird von einem Roboter operiert. Wenn das gut geht, muss ich mir das auch mal überlegen.

Haben Sie inzwischen mehr Zeit für die Familie?

Hoeneß: Ja, klar. Früher bin ich immer um halb acht, acht aus dem Haus und spät zurückgekommen. Das hat sich schon geändert. Aber Corona hält ja leider nicht vor der Familie an. Über Weihnachten waren alle da – meine Tochter und ihr Mann mit den zwei Kindern aus Ottobrunn, mein Sohn mit seiner Frau und ihren zwei Kindern aus Nürnberg. Aber sonst ist es im Moment schwierig, sich zu treffen. Solange das so ist, werden wir uns weiter sehr zurückhalten. Wir waren auch seit zwei Jahren nicht mehr im Urlaub oder in unserer Wohnung in der Schweiz.

Hat Ihnen Corona ein Stück weit den Ruhestand verdorben?

Hoeneß: Das ist zu hart. Ich brauche mich nicht zu beklagen, es gibt wesentlich schlimmere Schicksale als meines. Und ich hoffe sehr und glaube auch, dass wir in der Pandemie langsam auf der Zielgeraden sind.

Uli Hoeneß spricht über turbulente Jahreshauptversammlung

Das letzte öffentliche Bild von Ihnen ist das von der Jahreshauptversammlung der Bayern im November. Warum haben Sie am Ende doch auf Ihren Redebeitrag verzichtet?

Hoeneß: Als es zum Schluss so turbulent wurde, wie es dem FC Bayern nicht gut zu Gesicht steht, habe ich mir überlegt: Jetzt gehe ich da hoch. Aber das Mikrofon war schon ausgeschaltet. Es hätte ein, zwei Minuten gedauert, um den Saft wieder aufzudrehen. In dieser Zeit habe ich mir dann gedacht: Wenn ich jetzt etwas sage, wird das in diesem Ambiente eher kontraproduktiv. Und dann habe ich mir gesagt: Nein, das passt heute nicht rein. Ich bin froh, dass ich nichts mehr gesagt habe.

Weil Sie die eigenen Fans noch mehr gegen den Verein aufgebracht hätten?

Hoeneß: Nein, ich hätte ja schon versucht, zu Gemeinsamkeit aufzurufen. Ich hätte gesagt, dass man sicher kritisch sein und unterschiedliche Meinungen austauschen kann, aber dass die Art und Weise an diesem Abend nicht gut war. Das hat mich an Zustände erinnert, die ich beim FC Bayern nie für möglich gehalten hätte. Man darf verschiedene Meinungen haben, aber ein gewisser Stil ist wichtig.

Hat diesen Stil auch die Klubführung vermissen lassen?

Hoeneß: Wir sind uns alle einig, dass die Veranstaltung nicht gut gelaufen ist. Vielleicht hätte man im Vorfeld versuchen sollen, die kritischen Punkte klarer anzusprechen. Man hatte aber eine juristische Grundlage, dass das Landgericht den Katar-Antrag nicht akzeptiert hatte. Allerdings war ein großer Teil der Mitglieder an diesem Abend nur deshalb gekommen, um das zu thematisieren. Dass wir am Anfang der Versammlung Erfolge und Zahlen präsentiert haben, von denen gerade in der Corona-Zeit andere Vereine nicht einmal träumen können, hat niemanden interessiert. Da habe ich mir schon auch gedacht: Was ist denn hier los? Es ist sicher nicht alles schlecht am FC Bayern. Ganz im Gegenteil.

Uli Hoeneß spricht über Katar-Kritik der Bayern-Mitglieder

Inzwischen gibt es einen Dialog. Begleiten Sie den?

Hoeneß: Nein. Herbert Hainer hat das übernommen und er hat das völlig richtig angepackt, indem er nach der Veranstaltung schnell den Kontakt aufgenommen hat. Der Verein wird dieses Thema nun mit den Mitgliedern intensiver besprechen. Das ist eine sehr gute Sache.

Wie denken Sie über den Anlass des Konflikts, den Sponsoring-Vertrag mit Qatar Airways?

Hoeneß: Ich persönlich wäre dafür, den Vertrag zu verlängern. Allerdings nur, wenn wir das Gefühl haben, dass wir einen Beitrag leisten, dass sich die Dinge vor Ort verbessern. Meiner Meinung nach verbessert sich nichts, wenn man solche Kooperationen einstellt.

Wie bitte?

Hoeneß: Wenn der FC Bayern nicht mehr nach Katar fährt, wenn dort die Fußball- und Handball-WM und kein Tennisturnier mehr stattfinden, steht das Land nicht so im Fokus. Ich war in Katar – anders als die meisten Kritiker. Und ich habe den Eindruck, dass man uns dort zuhört. Die Gespräche, die wir dort führen, sind kontrovers und kritisch – und konstruktiv. Dass die Bedingungen dort noch nicht so gut sind, wie sich das viele vorstellen, weiß ich auch.

Welche Argumente haben Sie noch?

Hoeneß: Katar ist an vielen großen deutschen Wirtschaftsunternehmen beteiligt. Wir haben vor dieser Partnerschaft mit der Bundesregierung gesprochen, die zu Beziehungen zu Katar aufgerufen hat. Neulich habe ich eine Studie von einem der größten deutschen Wirtschaftsbosse vorgelegt bekommen, laut der nur sieben Prozent der Länder Menschenrechte haben, wie es sich die meisten vorstellen. Wenn man mit Katar nicht mehr zusammenarbeiten kann, träfe das auf 93 Prozent der Länder zu. Dann hast du gegen Manchester City, Paris und demnächst Newcastle keine Chance mehr. Dann brauchen wir international nicht mehr mitzuspielen.

Also gilt: Geld stinkt nicht?

Hoeneß: Das Allerwichtigste ist, dass man den Fans glaubhaft versichert, dass man nicht bloß versucht, möglichst viel Geld zu verdienen – sondern auch bereit ist, mit den Menschen vor Ort in den kritischen Dialog zu kommen.

Niels Tune-Hansen im Duell mit Uli Hoeneß

Uli Hoeneß (r.), hier am 13. August 1977 gegen St. Paulis Niels Tune-Hansen, absolvierte in seiner aktiven Karriere insgesamt 339 Spiele für den FC Bayern.

Den Dialog mit der eigenen Basis hat der FC Bayern lange verweigert.

Hoeneß: Das bei der Mitgliederversammlung zu hören, hat mich betroffen gemacht. Deshalb ist es jetzt umso wichtiger, sich zusammenzusetzen. Und das geht der FC Bayern ja auch bereits an, denn das muss verbessert werden. Man muss zuhören. Bei Herbert Hainer ist diese Geschichte jetzt in guten Händen, und er ist da in engem Austausch mit Oliver Kahn. Und wenn die beiden Unterstützung brauchen würden, stünde ich jederzeit gerne zur Verfügung.

Uli Hoeneß will beim FC Bayern München weniger präsent sein

Weil es Ihnen, anders als Ihrem Freund Karl-Heinz Rummenigge, noch nicht gelungen ist, den FC Bayern wirklich loszulassen?

Hoeneß: Ich habe vielleicht am Anfang den Fehler gemacht zu glauben, dass ich noch präsent sein und helfen muss. Es gab zwischenzeitlich etwa unsägliche Angriffe auf Hasan Salihamidzic, da kannst du nicht nur vom Tegernsee aus unterstützen. Auch Herbert Hainer fragt mich um meine Meinung – ich war ja hauptverantwortlich, ihn zu überzeugen, das Amt des Präsidenten zu übernehmen. Aber im Laufe der inzwischen über zwei Jahre habe ich auch gelernt, dass es besser ist, weniger präsent zu sein – und das konsequent umgesetzt. Karl-Heinz hat das schneller als ich hinbekommen.

Wie beurteilen Sie denn die Arbeit Ihrer Erben Hainer, Salihamidzic und Oliver Kahn?

Hoeneß: Fußball ist ja auch eine Sache der Ergebnisse. Wenn Sie Herbstmeister mit neun Punkten Vorsprung plus Torverhältnis sind, die Vorrunde der Champions League mit sechs Siegen beenden und ein wirtschaftliches Ergebnis hinlegen, das a la bonheur ist, kann man mit der Arbeit sehr zufrieden sein.

Wird der Weihnachtsmann auch der Osterhase sein?

Hoeneß: Davon gehe ich aus. Ich habe ja gesehen, mit welcher Begeisterung und Dominanz unsere Spieler Fußball zelebrieren, die hören nach dem 2:0 oder 3:0 nicht auf, die wollen das vierte, fünfte und sechste Tor schießen. Das setzt in der Bundesliga Maßstäbe. Wenn aber in der Champions League Real Madrid kommt oder Paris, Manchester City, Liverpool und Chelsea – dann wird’s schwieriger. Angst habe ich allerdings vor keinem von ihnen. Wenn wir an der Leistungsgrenze spielen, können wir jeden schlagen.

Das liegt auch am Trainer?

Hoeneß: In einem großen Maße, ja. Wir hatten bereits mit Hansi Flick große Erfolge und einen sehr guten Trainer. Aber Julian legt hier trotz seines jungen Alters eine ausgezeichnete Performance hin. Das hätte man in der kurzen Zeit nicht unbedingt erwarten können. Es sieht fast so aus, als wäre er schon zehn Jahre bei uns. Er hat viele Spieler noch verbessert. Was ich ihm sehr hoch anrechne: Das gilt vor allem für viele junge Spieler, denen er das Gefühl gibt, dazuzugehören. Früher wurde mir teilweise zu früh nach neuen Spielern gerufen. Das habe ich bei Julian noch nie gehört. Das tut dem FC Bayern sehr gut.

Gefällt er Ihnen auch als Außenminister?

Hoeneß: Ja. Da waren viele überrascht, dass er in der Lage ist, auf jedem Parkett zu tanzen. Das hat auch mir Spaß gemacht vom Tegernsee aus zu beobachten, dass man ihn nicht in Verlegenheit bringen kann.

Uli Hoeneß über City & Co.: „Sind sportlich in der Lage, mitzuhalten“

Ist die internationale Konkurrenz trotzdem schon enteilt?

Hoeneß: Ich kann mich nicht erinnern, dass Paris oder Manchester City jemals die Champions League gewonnen hätten – der FC Bayern durchaus. Wir respektieren deren tolle Leistung – Pep Guardiola macht bei City einen super Job, Paris spielt sehr guten Fußball – aber wir sind sportlich absolut in der Lage, mitzuhalten. Ich weiß allerdings nicht, wie das in ein paar Jahren aussieht. Das hängt unter anderem auch stark von der Pandemie ab.

Und davon, ob der FC Bayern Erling Haaland verpflichtet?

Hoeneß: Also eines ist sicher: dass Erling Haaland jeder Mannschaft der Welt gut zu Gesicht stünde. Das ist gar keine Frage. Und wenn wir Robert Lewandowski nicht hätten, Gott sei Dank haben wir ihn, müsste sich der FC Bayern sicher mit Haaland beschäftigen. Aber Robert wird mindestens noch drei, vier Jahre auf so hohem Niveau spielen können. Und da wäre der FC Bayern ja mit dem Klingelbeutel geschlagen, wenn er Robert fortschicken und um jeden Preis Erling Haaland holen würde. Ich kann nur voll unterstützen, wenn unsere Verantwortlichen sagen, dass sie auf Robert setzen. Das hat aber nichts damit zu tun, dass man Haaland höchste Wertschätzung entgegenbringen darf.

Der dann vermutlich in England oder bei Real Madrid spielen wird, wenn der FC Bayern einen Lewandowski-Nachfolger braucht.

Hoeneß: Das mag sein. Aber da wird dann ja irgendwo auf der Welt auch noch ein anderer Fußballspieler sein, der die Nummer neun bei Bayern München tragen kann. Da mache ich mir keine Sorgen.

Uli Hoeneß übergibt Karl-Heinz Rummenigge den Preis fürs Lebenswerk

Uli Hoeneß (r.) übergibt seinem langjährigen Weggefährten Karl-Heinz Rummenigge beim Bayerischen Sportpreis am 6. November 2021 den Preis für sein sportliches Lebenswerk.

Sie selbst trugen einst die Zehn, mussten Ihre Karriere aber bereits mit 27 Jahren beenden. Einer der größten Brüche in Ihrem Leben?

Hoeneß: Das Schönste im Sport ist immer das Selber-Spielen. Wenn ich morgen in einen Jungbrunnen fallen könnte und da rauskäme als junger Siegfried, als Uli Hoeneß, der die 100 Meter in 11 Sekunden läuft und auch noch kicken kann – ich würde es machen.

Das Zweitschönste …

Hoeneß: Das Zweitschönste ist, Manager zu sein. Das Drittschönste Präsident. Damit ist meine Karriere beschrieben. Ich habe alles erreicht. Ich habe als Spieler alles gewonnen, auch als Manager und Präsident, mehr als 60 Titel. Aber ich bin überhaupt kein Statistiker. Bei mir zu Hause finden Sie keinen Hinweis auf meine Karriere. Da gibt es ein Foto von Pep und mir: Lieber Uli, für immer dein Freund, Pep. In der Küche, das ist alles.

Es gibt also Wichtigeres als Titel?

Hoeneß: Ja. Was mich mit großem Stolz erfüllt: Wenn ich daran denke, wie ich den Verein mit 27 Jahren übernommen habe. Elf Millionen Mark Umsatz, sieben Millionen Schulden, 8000 Mitglieder, ein Olympiastadion, wo es um diese Jahreszeit unangenehm war, auf der Gegentribüne zu sitzen. Jetzt haben wir mehr als 300.000 Mitglieder und die Allianz-Arena, demnächst den SAP-Garden für unsere Basketballer. Da habe ich einen großen Beitrag geleistet, schwierige Dinge umgesetzt. Da gab es richtige Kämpfe, mit OB Christian Ude und auch mit Edmund Stoiber, mit dem ich ja eigentlich gut befreundet bin. Es ging damals um die Frage, ob das Olympiastadion umgebaut oder die Allianz-Arena gebaut wird – da musste ich ihm leider sagen: Vergiss nicht, der FC Bayern hat mehr Fans als die CSU Wähler – und die wollen alle unbedingt ein echtes Fußballstadion haben!

Also: Alles gut?

Hoeneß: Das Lebenswerk ist vollbracht, ich bin da sehr zufrieden. Wir, ich bin da immer Teamplayer, haben aus dem Verein etwas gemacht, was die Menschen bewegt, emotional berührt. Mia san mia – das ist ja keine hohle Phrase, da steckt viel Familie und Leidenschaft drin. Wir haben aus dem Fußballverein FC Bayern eine gesellschaftliche Veranstaltung gemacht – mit einem großen sozialen Hintergrund.

Einen Klub, der sich kümmert?

Hoeneß: Wenn es irgendwo auf der Welt Probleme gab, haben wir immer auf kurzem Wege geholfen. Ohne ewige Diskussionen. Wir waren da. Wie beim legendären Retterspiel in St. Pauli. Es gibt kaum einen Bundesligisten, dem wir nicht mal in irgendeiner Form irgendwann geholfen haben.

Dabei galt der Manager Hoeneß als harter Hund.

Hoeneß: Ich war als junger Manager nicht Everybody' Darling, ich habe meine Ellbogen schon ausgefahren. Helmut Grashoff, Gott hab ihn selig, hat darüber oft lamentiert, wenn wir da wieder mal einmarschiert sind, oder Willi Lemke. Aber am Ende mussten sie doch zugeben: Ganz so üble Kerle sind die vom FC Bayern doch nicht. Unser Verhältnis zu vielen Vereinen ist so gut, weil sie wissen: Mit uns kann man reden.

Auch aus der Politik gibt es Lob.

Hoeneß: Markus Söder hat mal gesagt: Wenn es dem FC Bayern gut geht, geht es dem Land Bayern gut. Das ist ein sehr schöner Satz – zumal von einem Nürnberg-Fan. Oder Heinrich von Pierer, der frühere Siemens-Chef und ein guter Freund, der hat mal erzählt, dass er in China beim Ministerpräsidenten war und ihm ein Geschenk machen wollte. Bringen Sie uns den FC Bayern nach Peking, hat der gesagt. Das sind Geschichten, die einen stolz machen.

Uli Hoeneß: „Macht mich glücklich, anderen helfen zu können“

Dieses Kümmern, von dem wir eben sprachen – wie wichtig ist Ihnen das heute?

Hoeneß: Das ist einer meiner neuen Lebensinhalte. Es macht mich glücklich, anderen helfen zu können. Wenn ich einen Vortrag halte, Einnahmen habe aus der Werbung oder irgendwo zu Gast bin, spende ich mein Honorar. Ich bediene fünf, sechs Stiftungen und habe so viel Spaß dabei, wenn ich Leuten etwas Gutes tun kann.

Die Öffentlichkeit hatte ein ganz anderes Bild von Ihnen, als Sie wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis mussten, der zweite große Bruch in Ihrem Leben. Wie denken Sie heute darüber?

Hoeneß: Ich habe einen Riesenfehler gemacht, zu dem ich stehe. Ich bin damals nach diesem Urteil nach einer langen Nacht der Diskussionen mit meiner Familie bewusst nicht in die Revision gegangen und habe mich dann im Gefängnis nach Ansicht der zuständigen Leute vorbildlich verhalten und dadurch die Halbstrafe bekommen. Das wäre nie der Fall gewesen, wenn ich mir auch nur die kleinste Kleinigkeit hätte zuschulden kommen lassen, wenn das Blatt nicht blütenweiß gewesen wäre – die Halbstrafe kriegen in Bayern nur drei Prozent der Häftlinge. Ich war eindreiviertel Jahre weg und habe für meinen Fehler gebüßt.

Werfen Sie sich trotzdem etwas vor?

Hoeneß: Ich hätte das Ganze nicht machen dürfen, keine Frage. Aber ich habe danach versucht, mich so korrekt wie nur irgendmöglich zu verhalten, angefangen von der Selbstanzeige über den Verzicht auf eine Revision bis zu den Schritten der Resozialisierung.

Inwieweit hat die Haft Ihr Leben verändert?

Hoeneß: Ich habe in dieser Zeit ein paar wenige Freunde verloren, aber auch viele neue gewonnen. Ich habe etwa 5000 Briefe in meine Zelle bekommen, teilweise von Leuten, von denen ich das nicht erwartet hätte, auch von unglaublich vielen fremden Menschen. Was hat das mit mir gemacht? Ich habe große Demut darüber empfunden, wie das Leben so sein kann. Ich habe gelernt, mich über Kleinigkeiten zu freuen, mit ganz Wenigem Glücksmomente zu erleben. Ein Vollzugsbeamter hat mir mal eine Butterbrezn geschenkt, das war ein Luxusgut.

Uli Hoeneß spricht über Erfahrungen im Gefängnis

Hatten Sie im Gefängnis auch Angst?

Hoeneß: Angst hatte ich vorher, weil man ja hört, dass im Gefängnis immer mal was passiert, dass es Auseinandersetzungen gibt. Aber ich wurde sehr korrekt behandelt.

Aber?

Hoeneß: Ich hatte auch schwierige Zeiten, da wurden Kugelschreiber eingeschleust, die eine Kamera drin hatten, um mich zu fotografieren. Einer der Gefangenen hat mich nackt unter der Dusche fotografiert und versucht, das Material an Zeitungen zu verkaufen.

Gab es auch positive Sozialkontakte?

Hoeneß: Ja. Ich habe dort Geld verdient, 2,21 Euro die Stunde, und hatte damit etwa 100 Euro pro Monat Geld zum Einkaufen. Die anderen, die nicht gearbeitet haben, hatten weniger. Wenn sie ein Olivenöl gebraucht haben für ihren Tomatensalat, habe ich ihnen aushelfen können. Meine 100 Euro waren immer weg, obwohl ich selbst nicht mal die Hälfte gebraucht habe.

Sind diese Verbindungen geblieben?

Hoeneß: Das soll man nicht machen. Das ein oder andere hätte ich gerne aufrechterhalten, aber von sowas wird einem abgeraten.

Wenn Sie Bilanz ziehen: Steht noch eine große Aussprache an?

Hoeneß: Das ist jetzt nicht auf meiner Agenda. Die großen Konflikte waren mit Christoph Daum, Willi Lemke und zuletzt mit Paul (Breitner). Die sind alle ausgeräumt, das freut mich sehr. Auch mit Karl-Heinz Rummenigge – das war ja keine große Problematik, aber solange wir hier zusammengearbeitet haben, gab es die eine oder andere Reiberei. Da ist alles in Ordnung.

Uli Hoeneß hat alle Konflikte ausgeräumt

Müssen Sie noch jemandem Danke sagen?

Hoeneß: Danke sagen muss ich meiner Familie. Ohne meine Frau und die Kinder hätte ich alles, was ich erlebt habe – und das war relativ viel –, nicht geschafft. Wenn ich als Freigänger mal ein Wochenende freihatte, waren sie alle da. Sie haben wie eine Glucke den Sicherheitsschirm über mich gehalten. Und ich hatte das Gefühl: Es ist warm.

Deshalb feiern Sie auch Ihren 70. mit der Familie?

Hoeneß: Nur. Wir machen zu Hause ein schönes Essen. Ich hatte vor, ein Fest mit 100, 150 Leuten mit der Kabarettistin Monika Gruber zu machen, weil ich den Gästen was zu lachen bieten wollte – auch wenn die aus dem Rheinland oder Hamburg bei Monika nicht immer alles verstehen würden. Aber das ist wegen Corona leider nicht möglich. Ich hoffe, dass wir im Juni, wenn meine Frau auch 70 wird, ein großes Fest machen können.

Und das Catering übernimmt dann Timo Hildebrand?

Hoeneß: (lacht) Mit Timo Hildebrand habe ich telefoniert, ich werde ihn auf jeden Fall in Stuttgart in seinem Restaurant besuchen, er hat meine feste Zusage. Ich habe ja auch gar kein Problem mit vegetarischem oder veganem Essen. Jeder soll seine Wurst essen – und mir meine lassen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass die vegetarische nicht unbedingt so gesund ist, wie viele tun. Und ich möchte, dass alle, die anders denken, mir meine Meinung lassen. Das muss in einer Demokratie möglich sein. An der Querdenkerszene stört mich zum Beispiel auch, dass diese Leute nicht bereit sind, andere Meinungen zu akzeptieren, das aber von den anderen erwarten. Ich lasse anderen ihre Meinung. (sid)

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