Nach Neuer- und Müller-AusJetzt muss Kimmich Flicks Anführer beim „Torfestival“ sein

Joshua Kimmich beantwortet Fragen bei der Pressekonferenz der Nationalmannschaft.

Joshua Kimmich bei der Pressekonferenz vor dem Liechtenstein-Spiel am 1. September 2021 in Stuttgart.

65 Tage nach dem EM-Aus mit Joachim Löw steht das erste Länderspiel für Hansi Flick als Bundestrainer an. Gegen Liechtenstein wird Joshua Kimmich Deutschland als Kapitän aufs Feld führen.

von Marcel Schwamborn (msw)

Stuttgart. Als Hansi Flick (56) am Mittwoch (1. September 2021) nach dem Training im Waldhotel unter der Dusche stand, fiel ihm ein Problem ein, was er noch vor seinem ersten Länderspiel als Bundestrainer lösen muss. Wer führt Deutschland am Donnerstag in St. Gallen gegen Liechtenstein (20.45 Uhr, RTL) in der WM-Qualifikation als Kapitän aufs Feld? Manuel Neuer (35), der etatmäßige Spielführer, fällt aus. Thomas Müller (31) als möglicher Ersatz ist abgereist.

Mit 59 absolvierten Länderspielen ist Joshua Kimmich (26) der Spieler mit den meisten DFB-Einsätzen. Da liegt es nahe, dass Flick seinen „Aggressive Leader“, den er schon gut aus Münchner Zeiten kennt, zum Spielführer ernennt.  Als dieser vor knapp zwei Jahren gegen Argentinien (2:2) zum ersten Mal als DFB-Spielführer aufs Feld ging, rutschte die schwarz-rot-goldene Binde ihm ständig vom Arm. „Damals musste ich eine Büroklammer reinstecken. Mal sehen, ob der Bizeps gewachsen ist“, scherzte Kimmich.

Beim Blick durch den holzvertäfelten Saal des SSB-Veranstaltungszentrums im Stuttgarter Waldaupark kamen Erinnerungen bei Kimmich hoch. „Genau hier hatte ich vor acht Jahren meinen Abi-Ball“, sagte der Bayern-Profi. Inzwischen ist aus dem Abiturient und VfB-Jugendspieler ein gestandener Führungsspieler der Nationalmannschaft geworden. „Beim Confed-Cup 2017 habe ich auch die Kapitänsbinde getragen“, erinnert er sich. „Das war schon eine riesengroße Ehre.“

Hansi Flick: Joshua Kimmich wird definitiv als Sechser spielen

Flick traut seinem ehemaligen Schützling den nächsten Sprung in der Team-Hierarchie durchaus zu. „Er pusht die Mannschaft positiv. Das sind Elemente, die man auf dem Spielfeld sehen will. Nun muss er den nächsten Schritt machen und auf dem Feld der Leader sein, den die Mannschaft braucht“, sagte der neue Bundestrainer. Im Gegensatz zu Vorgänger Joachim Löw (61) wird dieser Kimmich „definitiv“ wieder auf der Sechser-Position einsetzen.

Dass Kimmich immer in jeder Partie 100 Prozent Einsatz bringt, weiß auch Flick. Nach dem Achtelfinal-Aus bei der EM gegen England vergoss der Münchner auf dem Platz bittere Tränen. „Es geht immer um Chancen im Leben. Wir haben leider schon zwei in den Sand gesetzt“, sagte er mit Blick auf den nächsten Anlauf bei der WM 2022. „Und aktuell sieht die Tabelle in der WM-Quali auch nicht so prickelnd aus. Aber wie Manuel Neuer schon gesagt hat: „Das Ziel muss es sein, Weltmeister zu werden. Wir haben die Erwartungshaltung an uns selbst, dieses Turnier zu gewinnen.“

65 Tage nach dem EM-Aus wartet auf Deutschland aber zunächst mit Liechtenstein die Nummer 189 der FIFA-Weltrangliste. Da erwartet nicht nur Kimmich „ein Torfestival“, denn „das Land guckt auf uns“, mahnte er. „Ich hätte gerne, dass es nach 15 Minuten 3:0 steht, auch, wenn man dann außer Atem ist. Wir dürfen nicht lange fackeln“.

Der erfolgreiche Offensiv-Fußball, für den Flick beim FC Bayern stand, soll nun auch im Nationalteam zu sehen sein. „Wir haben in zwei Saisons unter Hansi jeweils rund 100 Tore geschossen“, erinnert sich Kimmich. So soll es nun auch beim DFB weitergehen – mit Flick und Anführer Kimmich.