AfD-Flyer für die Tonne St. Pauli unterstützt Sabotage-Akt des Zentrums für politische Schönheit

Auf der Brust des weißen Auswärtstrikots des FC St. Pauli ist „Kein Fußball den Faschisten“ zu lesen. Am Arm trägt die Person, deren Kopf nicht zu sehen ist, eine Binde in Regenbogenfarben.

Das Auswärtstrikot des FC St. Pauli trägt eine klare Botschaft: „Kein Fußball den Faschisten“. Aufgenommen wurde das Bild am 21. Mai 2021.

Der FC St. Pauli ist für seine klare politische Haltung bekannt. Auch beim Spiel gegen Dynamo Dresden brachte der Klub dies zum Ausdruck – allerdings ganz subtil über die Werbebande.

Hamburg. ,,Kein Fußball den Faschisten‘‘ – dieser Schriftzug prangt auf der Gegengerade des Millerntorstadions im Hamburger Stadtteil St. Pauli. In der Heimstätte des FC St. Pauli wird dieses Motto seit Jahrzehnten gelebt. Am Wochenende sorgte aber ein anderer Spruch für Wirbel.

Beim FC St. Pauli läuft es gerade. Vor Wochen hatte der Hamburger Stadtteilverein das Derby gegen den HSV gewonnen, am Sonntag (3. Oktober 2021) bezwangen die Kiezkicker Dynamo Dresden mit 3:0 und grüßen jetzt sogar von der Tabellenspitze. Beim 3:0-Erfolg grüßte der Klub allerdings auch einen ominösen Flyerservice.

„Der FC St. Pauli grüßt Flyerservice Hahn“

„Der FC St. Pauli grüßt den Flyerservice Hahn“, war auf mehreren Werbebanden im ganzen Stadion zu lesen. Auf den ersten Blick eine ziemlich unspektakuläre Werbung. Scheinbar kooperiert der Verein mit einem Unternehmen dieses Namens. Doch in Wirklichkeit verbirgt sich hinter dem Spruch eine politische Botschaft.

Alles zum Thema FC St. Pauli
  • Horn wieder für Schwäbe im Tor Diese Keeper standen schon für den FC zwischen den Pfosten – die Chronik
  • Fünf Profis isoliert Corona-Alarm: Werder Bremen sagt Trainingscamp ab – Friedl wieder infiziert
  • Nächstes neues FC-Gesicht Baumgart bekommt Zuwachs für sein Team
  • Causa Markus Anfang Ex-Werder-Coach gibt Impf-Schwindel zu – das sagt der Oberstaatsanwalt
  • BVB-Fiasko im DFB-Pokal St. Pauli steht kopf: Vollblut-Borusse schießt Dortmund ab
  • Reporterin mit Vorgeschichte BVB-Frust nach Pokal-Aus: Reus genervt von ARD-Frau
  • „Hygienekonzepte gescheitert“ Epidemiologe fürchtet das Schlimmste für Teamsport, Zverev klagt an
  • „Schlag den Star“ Frederick Lau trifft auf Bundesliga-Star – Fans gehen an die Decke
  • DFB-Pokal Viertelfinal-Auslosung: RB zu Zweitligist – Losfee Neureuther muss wegen Corona passen
  • Nach Dortmunds Pokal-Aus BVB-Trainer Marco Rose über Kritik an Kapitän Marco Reus

Doch worum handelt es sich bei diesem Flyerservice Hahn? Das Unternehmen ist eine Scheinfirma, erschaffen von dem Künstlerkollektiv ,,Zentrum für politische Schönheit‘‘. In den Wochen vor der Bundestagswahl bot Flyerservice Hahn an, Werbematerial für Parteien zu verteilen. Dazu lud auch eine professionell wirkende Homepage sein.

Die Spieler des FC St. Pauli bedanken sich bei ihren Fans in der gefüllten Südkurve.

Die Spieler des FC St. Pauli feiern am 3. Oktober 2021 gemeinsam mit ihren Fans vor der Südkurve.

Normal wird die Verteilung von Wahlflyern von den Ortgruppen der jeweiligen Partei durchgeführt, nicht so aber einige Ortsverbände der Alternative für Deutschland (AfD). Diese beauftragte den Flyerservice Hahn, um diese mühsame Arbeit durchzuführen. Ein Fehler aus Sicht der Partei – zur Freude des „Zentrums für politische Schönheit“.

72 Tonnen Werbematerial landen auf dem Müll

Denn die Mitarbeiter von Flyerservice Hahn, also die Aktivisten des Zentrums, verteilten die AfD-Flyer nicht, sondern schmissen sie in den Müll. Insgesamt zerstörten die Aktivisten so rund fünf Millionen Flyer der Partei. Gewicht: 72 Tonnen. Nach Angaben des Zentrums fielen insgesamt 85 Orts-, Kreis- und Landesverbände auf den Fake-Flyerservice herein.

Ein Mann steht in einem Müllcontainer, der mit AfD-Flyern gefüllt ist.

Alles für die Tonne: Die Flyer der AfD werden von Aktivisten des Zentrums für politische Schönheit in Containern entsorgt. Das Foto stammt vom 30. September 2021.

Mit der Bandenwerbung hat der FC St. Pauli seine Solidarität mit dem „Zentrum für politische Schönheit“ zeigen wollen, das in der Vergangenheit schon des Öfteren vergleichbare Aktionen umgesetzt hat.

Der Kampf des Zentrums für politische Schönheit

In der Vergangenheit hatte das Zentrum auch Björn Höcke (49) im Visier. Höcke ist Fraktionsvorsitzender der AfD in Thüringen, ihm werden rechtsextreme Positionen nachgesagt. Höcke bezeichnete das „Zentrum für politische Schönheit“ 2017 als „kriminelle Vereinigung“ und als „terroristische Vereinigung“, nachdem Aktivisten in der Nähe seines Hauses das Holocaust-Mahnmal aus Berlin mit Betonstelen nachgebaut hatten. Zuvor hatte Höcke das Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ betitelt.

Im Hintergrund befindet sich Björn Höckes Haus, im Vordergrund sind Betonstelen zu sehen, die an das Holocaust-Mahnmal in Berlin erinnern.

Bornhagen: Im Hintergrund befindet sich Björn Höckes Haus, im Vordergrund sind Teile des Holocaust-Denkmals von Aktivisten nachgebaut worden. Das Bild ist vom 22. November 2017.

Weil anzunehmen war, dass die AfD juristisch gegen die Zerstörung der Flyer vorgehen wird, wurden vom Zentrum bereits im Vorfeld Spenden zur Deckung der möglichen Verfahrenskosten gesammelt.

Das „Zentrum für politische Schönheit“ ist ein Kollektiv aus vielen Künstlern, das es sich zum Ziel gemacht hat, auf politische und gesellschaftliche Missstände der Gegenwart und der Zukunft in kreativer Art hinzuweisen.  Die Leitung des Zentrums hat der Philosoph und Aktionskünstler Philipp Ruch inne, er gründete das Künstlerkollektiv im Jahr 2008. (red)

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.