„Aus der Geschichte lernen“ Kölner Südstadt-Pfarrer feiert Veedels-Votum gegen die AfD

Hans Mörtter bei einer Veranstaltung

Südstadt-Pfarrer Hans Mörtter, hier ein undatiertes Foto, engagiert sich gegen Rechts und feiert das Wahlergebnis im Veedel. 

Ein Riss geht durch die Republik. Im Osten fährt sie zweistellige Zahlen ein, in einem Kölner Stadtteil ging die AfD geradezu unter. Für ihren erbitterten Gegner Hans Mörtter ist das keine Überraschung.

Köln. Es ist ein Ausrufezeichen gegen Rechts, das kaum stärker sein kann. Im Wahlbezirk II Neustadt-Süd kassierte die AfD (nach Münster) mit lausigen 2,9 Prozent das zweitniedrigste Ergebnis deutschlandweit.

Kein Vergleich zu den Hochburgen der Rechtspopulisten im Osten, wo sie in Sachsen und Thüringen am Sonntag sogar Spitze wurden.

Kölner Südstadt: Hans Mörtter über das Wahlergebnis am Sonntag

Der Südstadt-Pfarrer Hans Mörtter, der sich seit Jahren gegen Rechts engagiert, sieht sich durch das Resultat in seinem Veedel in seiner Arbeit und die Mentalität der Menschen in der Südstadt, der oft Toleranz und Weltoffenheit nachgesagt wird, bestätigt.

Für EXPRESS.de schildert der Geistliche der Lutherkirche, der erst vor kurzem an der Südbrücke ein Konzert mit namhaften Kölner Bands für die Flüchtlingshilfe organisierte, seine Deutung des Wahlergebnisses.

„Ja, ich bin stolz auf die Menschen der Südstadt mit dem niedrigsten Wahlergebnis in ganz Deutschland für die AfD“, so Mörtter über das Wahlergebnis, „Dumpfe menschenverachtende und rassistische Parolen wirken hier nicht. Damit sind wir zum Vorbild geworden. 2025 wird die AfD nicht mehr im Bundestag vertreten sein!“

Eine freilich mutige These, wenn man sich die aktuellen Ergebnisse des Votums in Sachsen und Thüringen vor Augen hält. Mörtter fragt mit Bezug auf Köln daher selbst: „Wie das geht? Die Nachbar:innen müssen im Hahnwald sehr ernsthaft miteinander reden, wo 4 Prozent AfD gewählt haben.“

Der Geistliche vermutet: „Diese 4 Prozent sind wahrscheinlich schon längst aus unseren beiden Kirchen ausgetreten, weil das AfD-Programm und Christentum unvereinbar sind. Falls nicht, sollten sie sofort austreten!“

AfD-Funktionärin Alice Weidel am Abend der Bundestagswahl 2021

Alice Weidel von der AfD am Abend der Bundestagswahl (26.9.2021)

Hans Mörtter sieht zudem einen Zusammenhang zwischen Lebensqualität und Wahlverhalten evident und aktuell erneut bestätigt. Die Abgehängten der Gesellschaft würden seiner Meinung nach demnach radikal(er) wählen: „In Kölner benachteiligten Stadtgebieten, wo die vergessenen Menschen in ihrer Not leben, lagen die Ergebnisse bei bis zu 12 Prozent. Ihre Aussichtslosigkeit treibt sie in die Arme der AfD. Allerdings lesen sie nicht ihr Programm, das voller Verachtung für sie ist.“

Hans Mörtter kritisiert die AfD: „Geschichte wiederholt sich, wenn wir nicht daraus lernen“

Mörtter findet: „Ihr Votum ist ein Hilfeschrei an Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik. Wenn sie ernstgenommen werden und eine Chance auf Perspektive bekommen, wird die AfD untergehen. Geschichte wiederholt sich, wenn wir nicht daraus lernen. Also lernen wir!“

Nicht nur aus der Südstadt wünsche der Südstadt-Pfarrer sich Paten und Patinnen, die an die Seite von benachteiligten Kindern treten, damit sie eine Zukunft bekommen, die ihnen zusteht. Es sei Zeit, wie er sagt, „Wirklichkeit neu zu gestalten – das geht nur zusammen im Bündnis von uns Bürger:innen und einer Politik, die sich mutig neu aufstellt.“

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