Ellyes Skhiri ist als absoluter Wunschspieler von René Wagner zum 1. FC Köln zurückgekehrt. Im Interview mit EXPRESS.de spricht der Abräumer über seine Rolle, unschöne Momente in Frankfurt und die Ziele mit dem FC.
Skhiri im GefühlschaosErst weggemobbt, jetzt Führungsspieler

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Ellyes Skhiri soll diese Saison eine Führungsrolle beim 1. FC Köln übernehmen.
Er ist der, „der zu Köln gehört“. Ellyes Skhiri (31) ist zurück beim 1. FC Köln. Nach drei Jahren in Frankfurt soll der Tunesier im System von René Wagner eine zentrale Rolle einnehmen.
Nach einer enttäuschenden WM und einer harten Vorbereitung ohne Mannschaftstraining in Frankfurt kommt der Abräumer so langsam wieder in Tritt. Im Interview mit EXPRESS.de spricht Skhiri über sein bitteres Ende in Frankfurt, die Gründe für seine Rückkehr nach Köln und das anstehende Derby.
Skhiri zum zweiten Mal im Papa-Glück
Ellyes, mit einigen Tagen Abstand: Wie sehr wirkt die Niederlage in Hamburg noch nach?
Ellyes Skhiri: Das Gefühl ist immer noch nicht gut, wir wollten definitiv mehr. Wir haben viele Sachen gut gemacht, aber wenn man so ein einfaches Standard-Gegentor bekommt, wird man um seinen Lohn gebracht. Wir müssen das dringend abstellen, denn es geht jede Woche um wichtige Punkte für uns. Klar, jetzt wollen wir im Derby eine Reaktion zeigen.
Nun haben Sie erst mal einige Tage frei. Ein neues Gefühl für Sie, bisher waren Sie immer mit der Nationalmannschaft unterwegs. Warum sind Sie zurückgetreten?
Skhiri: Es war keine einfache Entscheidung, aber ich hatte jetzt einfach das Gefühl, es ist die Zeit gekommen, das Kapitel zu schließen. Die Mannschaft befindet sich im Umbruch, die nächste Generation ist dran. Ich habe viel investiert in den vergangenen Jahren und hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr die gleiche Energie einbringen kann. Ich will mich in Zukunft auf den FC und meine Familie konzentrieren. Ich werde in den kommenden Monaten zum zweiten Mal Vater. Daher genieße ich jetzt auch mal ein paar freie Tage mit der Familie. Ich finde es wichtig, auch mal abzuschalten. Es ist ohnehin nur eine Pause für den Kopf, wir haben für die freien Tage einen strikten Laufplan bekommen.
Hat die enttäuschende WM auch Auswirkungen auf Ihre Entscheidung gehabt?
Skhiri: Es hat natürlich auch eine Rolle gespielt. Wir brauchen nichts zu romantisieren, wir haben leider keine gute WM gespielt – so ehrlich muss man sein. Dennoch habe ich den Entschluss schon vor dem Turnier gefasst. Es war jetzt einfach Zeit, das Kapitel zu beenden.
Sie hatten einen schweren Sommer: keine gute WM und dann wurden Sie in Frankfurt aussortiert. Wie haben Sie das erlebt?
Skhiri: Wenn ich ehrlich bin, waren es komplizierte Wochen für mich. Ich habe nach der WM mit Markus Krösche gesprochen und er hat mir früh mitgeteilt, dass sie auf meiner Position nicht mehr mit mir planen und ich mir einen neuen Verein suchen soll. Dafür hatte ich volles Verständnis. Was danach passiert ist, war aber nicht einfach für mich.
Können Sie das konkretisieren?
Skhiri: Als ich nach der WM zurückgekehrt bin, hat man mir wenige Minuten vor dem Training mitgeteilt, dass ich nicht auf den Platz darf. Ich wurde auch erst sehr spät darüber informiert, dass ich nicht mit ins Trainingslager reisen darf. Danach hat man mich weiter vom Training ausgeschlossen und ich musste mich selbst darum kümmern, dass ich bei der U21 mittrainieren kann. Das war schon kein schönes Gefühl. Aber ich habe nie Ärger gemacht, mich nie beschwert und die sportliche Entscheidung vollends akzeptiert.
Würden Sie trotz des unschönen Endes sagen, dass es damals der richtige Schritt war, den FC zu verlassen und nach Frankfurt zu gehen?
Skhiri: Ja, Frankfurt ist ein super Verein. Wir haben viel erreicht in meiner Zeit, ich konnte jedes Jahr international spielen. Ich habe mir dort auch meinen Traum von der Champions League erfüllt. Das empfinde ich als großes Glück. Ich blicke sehr zufrieden auf diese Zeit zurück, weil ich das Gefühl habe, dass ich meinen Teil zu diesen Erfolgen beigetragen habe. Es war zum damaligen Zeitpunkt aus meiner Sicht also der richtige Schritt.
Nun sind Sie wieder zurück in Köln. Was hat den Ausschlag für den Wechsel im Sommer gegeben?
Skhiri: Im Sommer habe ich sehr viele Gespräche über meine Zukunft geführt und ich hatte auch einige andere Angebote. Aber in den vielen Gesprächen mit Thomas Kessler und René Wagner habe ich sofort dieses Vertrauen gespürt, das ich zuletzt nicht mehr gespürt habe. Wie intensiv sie sich um mich bemüht haben, das hat mir imponiert. Für mich war es auch wichtig, dass ich in ihren sportlichen Planungen eine zentrale Rolle einnehmen soll. Außerdem weiß ich aus meiner ersten Zeit in Köln, was ich am Verein, den Fans und der Stadt habe. Ich habe das Gefühl, es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.
Welche Rolle haben die Fans gespielt? Sie waren früher unumstrittener Publikumsliebling.
Skhiri: Sie haben eine große Rolle gespielt. Wir haben in meinen ersten vier Jahren hier so viele unglaubliche Momente erlebt. Ich habe den Respekt und die Liebe der Fans immer gespürt. Dafür werde ich ewig dankbar sein. Nun bin ich hochmotiviert, all dies mit Leistungen zurückzuzahlen. Ich weiß, dass die Erwartungen an mich sehr hoch sind. Ich versuche, sie zu erfüllen, und werde alles dafür geben.
Was unterscheidet den Ellyes Skhiri von heute von Ellyes Skhiri von vor drei Jahren?
Skhiri: Ich bin immer noch der gleiche Mensch und der gleiche Spieler wie früher. Ich habe in den vergangenen Jahren aber noch mehr Erfahrung gesammelt, konnte mich international mit den Besten messen und daran noch weiter wachsen. Über die Jahre habe ich auch meinen Körper noch besser kennengelernt und kann dadurch gezielter arbeiten. Meine Ambitionen, meine Ziele und meine Motivation sind aber nach wie vor die gleichen. Ich will alles für den FC geben, damit wir unsere Ziele gemeinsam erreichen können.
Sie kennen René Wagner noch als Co-Trainer unter Steffen Baumgart. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?
Skhiri: Wir haben im Sommer viel gesprochen und hatten viel Kontakt. Durch die gemeinsamen Jahre herrschte sofort wieder gegenseitiges Vertrauen. Ich habe auch mitbekommen, dass ich sein absoluter Wunschspieler war. Insofern hat er eine große Rolle für meinen Wechsel gespielt. Jetzt ist es mein Ziel, dass ich diese Rolle zur Zufriedenheit aller ausfüllen und übernehmen kann.
Wie zufrieden sind Sie mit Ihren ersten Wochen hier?
Skhiri: Ich brauche natürlich noch etwas Zeit nach dieser komplizierten Vorbereitung, aber ich habe aktuell ein gutes Gefühl. Die zweimal 90 Minuten gegen Bremen und Hamburg haben mir sehr gutgetan, um weiter in den Rhythmus zu kommen. Ich würde sagen, ich bin fast wieder bei 100 Prozent. Es fehlt nur noch etwas Dynamik und die Abstimmung mit meinen Mitspielern wird sicher auch noch besser.
Wussten Sie, dass sie mit 97,5 Prozent aktuell die beste Passquote der Liga haben?
Skhiri: Nein, das wusste ich nicht (lacht). Das ist aber schön zu hören, denn das zeigt, dass das Zusammenspiel mit meinen Teamkollegen schon gut funktioniert. Ich bin auch glücklich über meine Leistungen und hoffe, dass ich mich in den nächsten Wochen noch weiterentwickeln kann.
Sie sind nicht nur passsicher, sondern gewohnt fleißig. Zuletzt sind Sie jeweils über 13 Kilometer im Spiel gelaufen. Der FC rangiert allerdings als Team nur auf Rang 14 der Liga. Muss der FC mehr laufen, um erfolgreich(er) zu sein?
Skhiri: Wir sind uns bewusst, dass wir nicht die Qualität von Bayern München haben, daher lebt unser Spiel von der Intensität. Dazu gehört auch viel zu laufen. Doch jedes Spiel hat auch seine eigene Geschichte. In Hamburg gab es kaum Platz für uns und wenig Möglichkeiten, entsprechende Läufe zu machen. Gelaufene Kilometer alleine sind daher kein Schlüssel für den Erfolg, aber klar: Wir als FC müssen insgesamt schon über die Intensität kommen.
Ist Ellyes Skhiri der richtige Sechser für den FC?
Ellyes Skhiri kehrt zum 1. FC Köln zurück. Ist das die richtige Entscheidung aus FC-Sicht?
Nun kommt das Derby. Sie haben schon einige Spiele gegen den Erzrivalen bestritten. Ist Ihnen ein besonderer Derby-Moment in Erinnerung geblieben?
Skhiri: Ich weiß um den Stellenwert dieser Spiele für den Verein, die Stadt und die Fans. Es ist immer etwas ganz Besonderes. Ich erinnere mich dabei an schöne Derby-Siege, wie das Corona-Spiel, als Elvis (Anm. d. Red.: Rexhbecaj) einen Doppelpack erzielt hat. Oder einen 3:1-Sieg, als Mark Uth ein Tor erzielt hat. Es war das erste Spiel, in dem wieder Zuschauer erlaubt waren. Das sind alles Momente, die vergisst man nicht. Demnach freue ich mich darauf, neue Erinnerungen zu schaffen. Wir wissen, was auf uns zukommt, und werden darauf vorbereitet sein.
Derbys sind immer wichtig. Aber wie wichtig ist dieses Spiel in der jetzigen Phase für Mannschaft und Trainer?
Skhiri: Ungemein wichtig, aber nicht nur für uns. Wir haben vier Punkte auf dem Konto, Gladbach noch keinen einzigen. Deshalb ist es für beide Mannschaften ein wichtiges Spiel. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass wir vor allem zu Hause alles in unserer Hand haben. Wir haben die Qualität, um zu gewinnen. Wir müssen es nur auf den Platz bringen.

