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„Auf der Bank gesagt“Kölns Derby-Joker Krauß mit Gänsehaut-Ahnung

Tom Krauß für den 1. FC Köln am Ball

Copyright: Herbert Bucco

Überzeugte im Derby, als er für den verletzten Ellyes Skhiri aufs Feld kam: Tom Krauß

Aktualisiert:

Erst die unheimliche Prophezeiung, dann der große Auftritt. Tom Krauß kommt als Joker rein und wird zum Matchwinner im Derby. Eine Szene sorgt für mächtig Zündstoff.

Ein Moment, der unter die Haut ging auf der Kölner Ersatzbank! In der 39. Minute des Derbys beschlich Tom Krauß eine seltsame Ahnung. Der FC lag seit dem Treffer von Johannesson in der 26. Minute mit 1:0 in Front, doch die Atmosphäre veränderte sich.

Krauß schilderte später sein Gefühl: „Ich habe auf der Bank gesagt: Es ist leider nur eine Frage der Zeit, bis wir das 1:1 kassieren – und fünf Sekunden später fällt’s“. Eine Prophezeiung, die sich bewahrheiten sollte.

Gladbach-Trainer schäumt, FC-Coach feiert seinen Joker

Für Krauß, den Mann mit dem Instinkt für die Situation, wendete sich das Blatt durch ein Drama. Ellyes Skhiri zog sich nach einem Duell mit Florian Neuhaus eine derart schwere Verletzung am Knöchel zu, dass die Saison für ihn gelaufen sein könnte.

Für den Tunesier wurde Krauß eingewechselt – und er benötigte nur wenige Augenblicke, um dem Spiel eine völlig andere Richtung zu geben. Die spielentscheidende Aktion geschah in der 67. Minute. Said El Mala setzte zu einem Angriff auf das Tor der Gladbacher an, doch Krauß war es, der ihm den Weg ebnete.

Er stellte sich dem Verteidiger Daiki Hashioka in den Weg, ein Manöver, das für reichlich Gesprächsstoff sorgte. Krauß selbst nahm die Sache ziemlich entspannt. Auf die Szene angesprochen, meinte er zunächst: „Welcher Block jetzt nochmal?“, um dann cool nachzuschieben, er habe lediglich „den Weg freigeräumt für Said“.

Diese Aktion brachte Gladbachs Coach Alexander Blessin auf die Palme. Er untermauerte seinen Ruf als emotionaler Trainer und wetterte über den Körpereinsatz von Krauß: „Er geht aktiv rein mit voller Wucht und schmeißt ihn um mit dem Knie voraus“.

Es war nicht das erste Mal, dass Blessin sich nach einer Partie gegen die Kölner echauffierte. Schon als Übungsleiter des FC St. Pauli hatte er sich über die Balljungen und einen seiner Meinung nach ungerechtfertigten Strafstoß beschwert.

Völlig anders beurteilte die Lage FC-Trainer René Wagner, der seinen Einwechselspieler mit Lob überschüttete. „Es war unglaublich beeindruckend. Er ist ein Spieler, der unfassbar gut auf zweite Bälle geht, der einer Mannschaft Stabilität geben kann. Er hat einen super Impact gehabt“, frohlockte Wagner. Krauß würde sich „in alles reinschmeißen“ und für die Mannschaft aufopfern. Dafür sprach der Trainer ein verdientes „Sonderlob an Tom“ aus.

Doch Krauß überzeugte nicht nur im Angriff. In der hitzigen Endphase kratzte er mit einer spektakulären Kopfballabwehr einen fast unhaltbaren Ball von der Linie. Nach dem Abpfiff feierten die FC-Akteure in der Umkleide mit dem Trikot ihres verletzten Teamkameraden Ellyes Skhiri und schickten ihm so den Sieg.

Der Matchwinner selbst machte kein großes Theater um seine Leistung. Für ihn stand der mannschaftliche Erfolg im Vordergrund. „In der zweiten Halbzeit haben wir unfassbar auf das 2:1 gedrückt. Am Ende war es purer Wille, pure Leidenschaft“, analysierte Krauß und ergänzte zu seinem umstrittenen Block nur noch: „Dafür bin ich da, wir wollen Spiele gewinnen.“ (red)