In der abgelaufenen Saison gab es in den deutschen Fußballstadien immer wieder Proteste gegen die Politik, weil diese verschärfte Sicherheitsmaßnahmen forderte. Das Thema Stadionverbote kocht jetzt nochmals hoch.
Thema StadionverboteFC-Vize über neue DFB-Regelung: „Sehe einiges kritisch“

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Das Präsidium des DFB hat Ende Mai 2026 neue Regelungen für Stadionverbote beschlossen. Herzstück der Neuerung ist eine zentrale Einrichtung direkt beim Verband. Diese neue Institution mit der sperrigen Bezeichnung „Zentrale Aufsichts- und Überprüfungsstelle Stadionverbote“ (ZAÜS) hat ab dem 1. Juli die Aufgabe, für gleiche Standards bis runter zur vierten Spielklasse zu sorgen.
Das geplante Vorgehen sorgt für Bedenken und Kritik bei zahlreichen Vereinen. Die Befürchtung: Die neue Instanz könnte die Klubs übergehen, sollten diese sich gegen ein Stadionverbot entscheiden.
1. FC Köln will über Stadionverbote selbst entscheiden
Von politischer Seite wurde in den vergangenen Monaten massiver Druck auf DFB und DFL ausgeübt. Bei einem Sicherheitsgipfel Ende 2024 bemängelten Innenpolitiker, dass manche Vereine bei Verboten zu nachlässig agieren. Statistiken der DFL aus dem Dezember 2025 zeigten, dass sieben Vereine aus den beiden höchsten Spielklassen zu diesem Stichtag kein einziges wirksames Stadionverbot verhängt hatten. Zwischenzeitlich wurde auch über personalisierte Tickets diskutiert, um den Stadionbesuch sicherer zu machen. Viele Fans und Klubs sehen das allerdings anders: Der Besuch eines Fußballspiels sei kein Sicherheitsrisiko!
Jörg Alvermann, Vizepräsident des 1. FC Köln, lobte zwar, dass der DFB in den Verhandlungen mit der Politik einige noch weitreichendere und „unangemessene Forderungen“ wie personalisierte Tickets abwenden konnte, äußert aber gleichzeitig Kritik.
Er sagt gegenüber EXPRESS.de: „Wir sehen einige Punkte der neuen Richtlinien kritisch. Für den 1. FC Köln ist entscheidend, dass die Entscheidungskompetenz und das Ermessen weiterhin zwingend bei der lokalen Stadionverbotskommission vor Ort liegen müssen. Ein Stadionverbot ist für Fußballfans ein massiver Einschnitt. Daher darf es keine pauschalen Kollektivstrafen geben. Jeder Fall muss individuell und mit Augenmaß geprüft werden. Ein Eingreifen der neu geschaffenen zentralen Fachaufsicht darf in der Praxis wirklich nur die absolute Ultima Ratio sein.“
Der Vorwurf aus der Politik: Vereine würden zu lasch mit ihrem Hausrecht umgehen und kaum oder gar keine Stadionverbote gegen ihre Anhänger aussprechen. Dem widerspricht man beim FC energisch. „Für unseren Standort in Köln erwarten wir durch die Neuregelungen keine grundlegende Verschärfung der bisherigen Praxis, da wir mit dem sensiblen Instrument der Stadionverbote bereits in der Vergangenheit sehr verantwortungsvoll umgegangen sind“, sagt Kevin Brandenburg.
Der Bereichsleiter Fußball- und Fankultur beim FC übt auch Kritik an den neuen Richtlinien. Er sagt: „Es gibt Vorgaben in der neuen Richtlinie, die aus Fan-Sicht deutlich übers Ziel hinausschießen. Dass beispielsweise ein Stadionverbot auf Bewährung nur noch für Jugendliche und Heranwachsende als Ausnahmeregelung möglich sein soll, nimmt uns als Klub wichtige pädagogische Handlungsspielräume. Unser Anspruch bleibt es, Sicherheit, Verhältnismäßigkeit und Akzeptanz bei diesem Thema gleichermaßen im Blick zu behalten.“

