Der 1. FC Köln arbeitet seit Jahren daran, die Früchte aus der herausragenden Nachwuchsarbeit zu ernten. Dabei ist die zweite Mannschaft ein wichtiges Sprungbrett. Wie geht es weiter am Geißbockheim?
Sprungbrett oder Sackgasse?1. FC Köln beantragt Lizenz für die 3. Liga

Am 2. Januar 2026 zogen sie stolz ihre Koffer durch den Schnee am Geißbockheim und machten sich auf den Weg mit den Profis ins Trainingslager nach Spanien.
Unter Ex-Trainer Lukas Kwasniok (45) durften fünf Talente aus der FC-Akademie mitfahren: Torhüter Mikolaj Marutzki (19), die Verteidiger Yannick Mausehund (20) und Cenny Neumann (19) sowie die beiden Stürmer Fynn Schenten (18) und Bernie Lennemann (23).
1. FC Köln: Talente sollen sich bei den Profis durchsetzen
Während Neumann und Schenten in der Folge zu einigen Einsätzen bei den Profis kamen, konnten sich andere noch nicht durchsetzen. Nachdem sein Vertrag ausgelaufen war, hat Lennemann den FC mittlerweile Richtung Hansa Rostock verlassen. Er will beim Drittligisten den nächsten Schritt gehen.
Die zweite Mannschaft des 1. FC Köln spielt „nur“ in der Regionalliga West. Eine Frage wird im Umfeld des Klubs, bei potenziellen Zugängen oder Eigengewächsen immer wieder diskutiert: Ist das ein gutes Sprungbrett oder eine Sackgasse?
Beim FC ist man überzeugt davon, dass die U21 in der Regionalliga das wichtigste Sprungbrett für die jungen Spieler ist. Doch auch einen Aufstieg in die 3. Liga würde man natürlich gerne mitnehmen.
Lukas Berg, Technischer Direktor beim FC, sagt auf Nachfrage von EXPRESS.de: „Wir legen in der U21 das höchstmögliche Ambitionslevel im Bereich der Spielerentwicklung an den Tag. Das ist unsere Priorität. Wenn die Entwicklung unserer Spieler einen sportlichen Erfolg mit sich bringt, der einen Aufstieg ermöglicht, verwehren wir uns dem nicht. Deswegen haben wir auch in den vergangenen Jahren bereits immer die Lizenz für die 3. Liga beantragt.“
Doch um zu den Aufstiegsfavoriten zu zählen, müsste der FC finanziell mehr investieren, um Trainer Evangelos Sbonias (43) eine entsprechende Mannschaft zusammenzustellen. Die Frage ist auch, was für Talente wertvoller ist: in der Regionalliga im oberen Drittel mitzuspielen oder in der 3. Liga gegen den Abstieg zu kämpfen?
Dass man sich mit der Zweitvertretung grundsätzlich in der Regionalliga West wohlfühlt, liegt auch an der Konkurrenz: Mit Schalke II, Paderborn II, Borussia Dortmund II, Borussia Mönchengladbach II oder auch VfL Bochum II sind zahlreiche zweite Mannschaften von Topvereinen in der Liga vertreten. In den Partien treffen die FC-Talente also auch auf starke Nachwuchsspieler anderer Klubs.
Mit Verteidiger Niklas Hoffmann (29) wurde jetzt ein Führungsspieler von Waldhof Mannheim aus der 3. Liga verpflichtet. Er soll die FC-Talente beflügeln.
Beim FC weiß man, dass Titel wie eine A-Jugendmeisterschaft oder ein Pokalfinale der U19 zwar sensationell sind, aber viel wichtiger ist die Durchlässigkeit zu den Profis. Und da will man in Zukunft noch besser werden.
Neue Nachwuchsliga der DFL am Geißbockheim nicht darstellbar
So sollen in der Vorbereitung erneut einige Nachwuchsspieler bei den Profis mittrainieren. Wen genau der neue Cheftrainer René Wagner (37) im Blick hat, steht bisher nicht abschließend fest. Kandidaten gibt es zahlreiche: Etienne Borie (20), Fayssal Harchaoui (20), Patrik Kristal (18), Yannick Mausehund (20), Cenny Neumann (19) oder auch Malek El Mala (21), wenn er nicht mit seinem Bruder den Verein im Sommer verlässt.
Ein DFL-Angebot bezüglich Nachwuchsförderung kann der FC aufgrund der Gegebenheiten am Geißbockheim nicht wahrnehmen. Zur Saison 2026/27 wurde ein zusätzlicher U21-Wettbewerb für die Klubs der 1. und 2. Liga eingeführt. Die neue U21-Liga ist ein freiwilliges Zusatzangebot.
Am Geißbockheim gibt es nicht genügend Platzkapazitäten, um den zusätzlichen Wettbewerb anzunehmen. Neben den Regionalligaspielen müssen nicht nur die eigenen U21-Spiele in der neuen Nachwuchsliga ausgetragen werden, sondern auch die von gegnerischen Mannschaften. Der FC müsste auch andere Teams im Franz-Kremer-Stadion spielen lassen, damit diese Reisekosten sparen. Frankfurt oder Bremen könnten sich dann in der Mitte treffen, um in Köln zu spielen.
Da das Franz-Kremer-Stadion schon von zahlreichen U-Mannschaften, den FC-Frauen und bei ausgewählten Einheiten von den Profis genutzt wird, ist der Rasen ohnehin bereits überstrapaziert.

