Abo

Interview

Stadien und PlätzeFC, Fortuna und Viktoria – es passiert jetzt einiges in Köln

Aktualisiert:

Geißbockheim, Südstadion, Sportpark Höhenberg, Trainingsplätze – die Sportstadt Köln hat einen erheblichen Sanierungsstau. Doch zeitnah soll es für den FC, Fortuna, Viktoria und den gesamten Breitensport besser werden. Interview mit dem Sportausschussvorsitzenden Oliver Seeck.  

Am 11. Juni 2026 schaut der 1. FC Köln gespannt auf Münster. Ein Urteil vor dem Oberlandesgericht dort ist wichtig für den Geißbockheim-Ausbau. Wie geht es weiter für den FC?

EXPRESS.de sprach mit Oliver Seeck (52) über das Geißbockheim, aber auch über Viktoria, Fortuna Köln und die Olympia-Bewerbung. Seeck ist als SPD-Politiker Vorsitzender des Sportausschusses der Stadt Köln und Aufsichtsratsvorsitzender der Kölner Sportstätten (KSS).

1. FC Köln soll zwei Satellitenplätze bekommen

Herr Seeck, wie wichtig wird das Urteil aus Münster für den 1. FC Köln, wenn es um den Ausbau des Geißbockheims geht?

Oliver Seeck: Es geht darum, ob der FC auf den Gleueler Wiesen drei Fußballplätze bauen darf.

Der Klub will aber auf jeden Fall Anfang 2027 mit dem Bau des Leistungszentrums am Franz-Kremer-Stadion beginnen. Obwohl noch keine Ausweichplätze vorhanden sind. Wie ist da der Stand?

Seeck: Ja, dass der FC das Leistungszentrum bauen darf, wurde vom Rat beschlossen. Dadurch fällt allerdings der Kunstrasenplatz neben dem Franz-Kremer-Stadion weg. Wir wollen direkt nach dem 11. Juni für Klarheit sorgen und dann mindestens zwei Satellitenplätze zur Verfügung stellen.

Das heißt genau?

Seeck: Am Fort VI am Decksteiner Weiher gibt es einen Platz, der zu einem Kunstrasenfeld umgebaut werden soll. Gleich in der Nähe eine Kampfbahn mit Naturrasen und ohne Flutlicht. Auch hier soll ein Kunstrasenfeld mit Flutlichtanlage entstehen. Dafür gibt es im Rat aber keine Mehrheit. Es gibt Bedenken der Grünen wegen der Versiegelung von Grünflächen und des Flutlichts. Aber es ist mittlerweile widerlegt: Ein Kunstrasenplatz kann besser Wasser aufnehmen und versickern lassen, als ein alter, oft gewalzter Naturrasen. Zudem würde das Flutlicht mit LED naturfreundlich installiert.

Bekommt die Kölner Politik nach jahrelangen und konfrontativen Auseinandersetzungen eine Lösung hin?

Seeck: Es ist Bewegung drin. Der FC fordert zu Recht, dass endlich etwas passiert. Der Wunsch von OB Torsten Burmester ist es jetzt auch, den politischen Kampf hintenanzustellen und Lösungen zu finden, die dem Sport in der Stadt helfen. Es gibt im Rat keine Bündnisse, deshalb muss ein breiter Kompromiss gefunden werden, mit dem alle leben können und mit dem sie zufrieden sind.

Südstadion in Köln bekommt Dach für die Tribüne

Fortuna Köln und Viktoria Köln spielen in der 3. Liga – wie sieht es bei den Klubs mit den Möglichkeiten in der Stadt aus?

Seeck: Bei beiden Stadien gibt es einen Sanierungsstau. Fortuna benötigt mehr Trainingsplätze im Jean-Löring-Sportpark. Teilweise müssen die Kinder weit entfernt in Bocklemünd trainieren.

Was ist in der Südstadt möglich?

Seeck: Auch hier wurde sehr konfrontativ argumentiert, was am Sporthof Süd passiert. Gibt es Grünflächen für die Allgemeinheit oder Plätze für den Sport? Ich finde, es ist die Heimat der Fortuna. Jetzt stehen wir kurz vor einer Einigung. Es ist ein bisschen wie Tetris spielen: Die Anlage soll jetzt anders aufgeteilt werden, so bekommt die Fortuna mehr Trainingsplätze und es ist auch Raum für andere Sportarten.

Und was muss passieren, damit das Südstadion tauglich für die 3. Liga wird?

Seeck: Die Fortuna errichtet auf eigene Kosten eine Überdachung der Tribüne auf der Gegengerade. Das ist genehmigt. Zudem muss die Flutlichtanlage modernisiert werden, das sind TV-Auflagen für die 3. Liga. Die KSS und der Verein suchen aktuell einen Kompromiss für die Finanzierung.

Was passiert bei der Viktoria im Sportpark Höhenberg?

Seeck: Es ist eines der Stadien mit der schönsten Lage in ganz Deutschland. Aber weil es in einem Naturschutzgebiet liegt, sind bauliche Veränderungen sehr schwierig umzusetzen. Trotzdem muss dringend etwas passieren. Auch hier ist die nicht überdachte Tribüne ein großes Thema, was gerade mit der KSS besprochen wird. Politisch darf die Viktoria nicht vergessen werden, beim Aufstiegshype um Fortuna.

Zudem läuft noch die Olympia-Bewerbung. Hamburg ist nach dem Nein der Bürgerinnen und Bürger raus. Wie ist die Lage?

Seeck: Es gibt keine Schadenfreude, denn es ist ein sportlicher Wettbewerb. Für Hamburg tut es mir leid, aber die Chancen von Köln sind dadurch gestiegen. Jetzt ist die Landesregierung gefragt. Ministerpräsident Wüst darf gerne so Gas geben, wie Söder das in Bayern für Ausrichter München tut. Köln hat erst einmal alle Voraussetzungen erfüllt.

Was erwarten sie von der Landesregierung jetzt?

Seeck: Mit dem Votum für die Ausrichtung war es das nicht! Jetzt muss die Bevölkerung weiter transparent informiert werden. Wie geht es weiter mit dem Verkehrskonzept? Wie kommen die Sportlerinnen und Sportler vom geplanten olympischen Dorf in Köln-Kreuzfeld zu den anderen Sportstätten in NRW? Man muss die Versprechen halten und transparent bleiben. Das dürfte dann auch den DOSB überzeugen, wenn das Konzept tragfähig ist und die Menschen in NRW dahinterstehen.

Am 26. September stimmt der DOSB auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung darüber ab, mit welchem nationalen Bewerber man ins Rennen geht: Berlin, KölnRheinRuhr oder München. Wie kann die NRW-Bewerbung im Vorfeld den Ausgang der Abstimmung beeinflussen?

Seeck: Jeder Verband im DOSB hat die gleiche Stimmberechtigung. Heißt: Ein großer Verband wie der DFB hat das identische Stimmrecht wie ein kleinerer Verband, etwa der Taekwondo-Verband. Wir sollten also auch auf die sogenannten Randsportarten zugehen und für unser Konzept werben, um sie von KölnRheinRuhr zu überzeugen. Denn sie stehen bei Olympia im Mittelpunkt.

Trainer René Wagner und Geschäftsführer Thomas Kessler (1. FC Köln).
FC-Transfer in der Schwebe
Kessler vor Entscheidung bei England-Juwel