Lukas Kwasniok ist nicht länger Trainer beim 1. FC Köln. Sieben Spieltage vor Saisonende zog der FC die Reißleine. Sechs Gründe, wieso es dazu gekommen ist.
Viel Verwirrung, wenig EinsichtDie Gründe für Kwasnioks Scheitern
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Er hatte nach dem wilden 3:3 im Derby gegen Borussia Mönchengladbach noch so sehr um seinen Job gekämpft. Während Thomas Kessler ihn mit seinen Aussagen in den Katakomben quasi schon abgesägt hatte, hielt sich Lukas Kwasniok immer noch für den „richtigen Mann“.
Am Tag darauf war er seinen Job los, auch da dachte er vormittags noch: „Heute passiert nicht viel.“ Er lag daneben. Das für die Mehrheit im FC-Umfeld wenig überraschende Aus nach nur zwei Siegen aus den vergangenen 18 Spielen hat diverse Gründe, Kwasnioks Mängelliste ist lang.
Die Gründe für Lukas Kwasnioks Scheitern beim 1. FC Köln
Ergebnisse: In allererster Linie ist Fußball ein Ergebnissport. Und auch wenn die Leistungen in den vergangenen Wochen und Monaten insgesamt in Ordnung waren, wurden viel zu wenige Punkte eingefahren. In Kwasnioks Augen immer erklärbar: Mal war es der Schiedsrichter, mal war es Pech, mal war es beides auf einmal. Hätte, wenn und aber hilft im Kampf um den Klassenerhalt leider nicht. Eine Szene, auf der Kwasniok bis zuletzt rumritt, war der späte Ausgleich gegen Pauli. Er ist davon überzeugt, wäre Schwäbe dort nicht weggerutscht, würde der FC heute nicht so in der Klemme stecken. Alles hypothetisch, was zählt, sind die nackten Zahlen und die sind erschreckend. In den vergangenen 18 Spielen hatte Kwasniok einen Punkteschnitt von 0,6, insgesamt einen von 0,9 Zähler pro Spiel. Viel zu wenig für die FC-Ambitionen.
Aufstellungen: Jede Woche aufs Neue verblüffte er das FC-Umfeld mit seinen Aufstellungen. Selbst intern wurden Kwasnioks Experimente zunehmend kritisch gesehen. „Wie hat er heute gewürfelt?“, fragten selbst Mitarbeiter im Presseraum an Spieltagen. Häufig waren seine Gedankengänge nicht nachzuvollziehen. Wenn sie wenigstens erfolgreich gewesen wären, hätte er die Argumente auf seiner Seite gehabt. So aber blieben häufig Fragezeichen. Gegen Hoffenheim standen vier Innenverteidiger auf dem Platz, in Stuttgart plötzlich kein einziger mehr. Man hatte zunehmend das Gefühl, dass es immer noch eine Idee mehr sein musste, bis er sich irgendwann selbst in seinem Taktik-Wust verloren hat. Mit seiner Akribie stand er sich oft selbst im Weg.
Umgang mit Spielern: Wenn man alle seine Aussagen in dieser Saison zu einzelnen Spielern nebeneinanderlegen würde, wäre selbst die Verwirrung verwirrt. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele. Luca Waldschmidt war neben Said El Mala einst Teil eines „kongenialen Duos“, um dann doch völlig vergessen zu werden. Ragnar Ache musste sich im Trainingslager anhören, dass der erst 18-Jährige Fynn Schenten eigentlich der viel bessere Stürmer ist, ehe er wenig später zum „König der Lüfte“ gekrönt wurde. Schenten spielte danach gar keine Rolle mehr, Ache hielt die FC-Offensive am Leben.
Cenk Özkacar war einst ein „Ganzkörperkrampf“, bis er zum stabilsten FC-Verteidiger avancierte. Jakub Kaminski schob er so oft hin und her, dass dieser irgendwann gar nicht mehr wusste, wo oben und unten ist. Und auch im Umgang mit Said El Mala stellte er sich lange Zeit unglücklich an. Erst ganz spät begriff er, dass so ein Ausnahmekönner immer auf den Platz gehört. Bis zu diesem Zeitpunkt war schon viel Porzellan zerbrochen. Vor allem der Spruch, dass die Kollegen die „Drecksarbeit“ für den „Künstler“ machen, störte den Youngster gewaltig. Mit diesem sprunghaften und oft nicht nachvollziehbaren Verhalten bekam Kwasniok die Mannschaft nie hinter sich. Nur die wenigsten wussten bis zum Schluss, woran sie bei ihm waren. Das uneingeschränkte Vertrauen stellte sich auf beiden Seiten nie ganz ein.
Kommunikation: Eines seiner größten Mankos abseits des Sportlichen war seine Kommunikation. Kwasniok eckte zu oft mit seinen Aussagen an, überspannte den Bogen oder verlor sich in teils widersprüchlichen Monologen. Nicht wenige hätten sich daher ab und an mal einen Maulkorb gewünscht. Denn häufig zeigte er sich beratungsresistent, gleich mehrfach in dieser Saison widersetzte er sich Vorgaben der Medienabteilung. Zuletzt noch in der Causa El Mala. Dort bekam er die klare Vorgabe, den Spieler rein sportlich zu bewerten und bei allem anderen auf Thomas Kessler zu verweisen. Stattdessen verhedderte er sich in einer kontroversen Brandrede. Auch seine markigen Sprüche und die wilden Vergleiche („Es steht 0:1 im dritten Satz“) nutzten sich mit der Zeit ab. Am Anfang kam er mit seiner „Frei-Schnauze-Art“ noch gut an, am Ende waren die meisten nur noch genervt. Da bildete die Kabine keine Ausnahme.
Verletzungen: Erst als Kessler von seinem Trainer nach dem Derby abrückte, gab er endlich zu, dass der FC ein „Muskel-Problem“ hat. Die vielen Faserrisse in dieser Saison waren dann eben doch kein Zufall, sondern das Ergebnis von schlechter Trainingssteuerung. Vor allem die Folgeverletzungen, von zum Beispiel Joel Schmied oder Dominique Heintz, hätten niemals passieren dürfen. Aufgrund der vielen Verletzungen lief der FC in weiten Teilen der Saison auf der letzten Felge. Doch einige Probleme waren eben hausgemacht und hätten verhindert werden können. Auch dort zeigte sich Kwasniok beratungsresistent, die medizinische Abteilung kam zum Schluss nicht mehr an den Cheftrainer ran.
Image: Es war von vorneherein ein gewisses Wagnis, Kwasniok zu holen. Das wusste auch Geschäftsführer Thomas Kessler. In der Analyse hieß es: Sportlich sei er in der Bewertung über die meisten Zweifel erhaben, aber abseits des Platzes habe er „so seine Themen“. Das bewahrheitete sich auch in der Köln-Zeit, der Anhang war von Anfang an misstrauisch. Kwasniok hatte von Beginn an einen schweren Stand, viele lauerten seit Tag eins auf den ersten Fehltritt des Trainers. Die „Mallorca-Affäre“ schwebte vom ersten Tag an wie ein Damoklesschwert über ihm. Das Image des Lebemanns wurde er nie los, tat aber auch nicht sonderlich viel dafür, es abzuschütteln.



