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Lattek-Interview Teil 2 „Maradona war der Beste!“

Udo Lattek war zu Gast beim EXPRESS – und schwärmte über den jungen Maradona, den er bei Barça trainierte.

Udo Lattek war zu Gast beim EXPRESS – und schwärmte über den jungen Maradona, den er bei Barça trainierte.

Köln – Udo Lattek – der erfolgreichste deutsche Trainer (8 Meistertitel) stand jahrzehntelang unter Strom.

Jetzt sieht man den 74-Jährigen jeden Sonntag im DSF-Doppelpass. Im zweiten Teil des EXPRESS-Interviews plaudert Lattek über Maradona, Leverkusen und Schuster.

Herr Lattek, sie haben sich aus dem aktiven Fußballgeschäft zurückgezogen. Sonntags unterhalten Sie uns als DSF-Experte. Wie sieht Ihr Alltag inzwischen aus?

Der Sonntag ist der unnormalste Tag. Da bin ich abends total platt. Um sechs Uhr früh stehe ich auf. Dann geht es nach Düsseldorf. Von dort fliege ich nach München. Ab in die Maske.

Ich werde für den Doppelpass hübsch gemacht. Zwei Stunden Sendung, danach geht’s nach Hause. Um 17.30 Uhr schaue ich Bundesliga. Um 20 Uhr bin ich so platt, dass ich ins Bett falle.

Den Rest der Woche haben Sie frei?

Denken Sie! Ich schaue alle Sportsendungen, ich lese täglich Zeitungen, auch den EXPRESS. Ich will für die Sendung top vorbereitet sein.

Kommt da der Ehrgeiz hoch, der Sie auch als Trainer ausgezeichnet hat?

Ich wollte nie Trainer werden. Aber irgendwann hat mich Franz Beckenbauer bei den Bayern vorgeschlagen. Dann ging der ganze Mist los.

Meine Frau hat mal zu mir gesagt: Wenn ich vorher gewusst hätte, du wirst Trainer, hätte ich dich nicht geheiratet.

Warum denn das?

Wenn ich verloren hatte und nach Hause kam, flüchteten meine Kinder auf ihr Zimmer.

Ich bin dann in die Sauna und habe Dampf abgelassen. Danach war alles wieder gut.

Sie wohnen in Köln-Lövenich. gehen Sie auch zum FC ins Stadion?

Selten. Ich habe meine Südkurve im Wohnzimmer. Da schaue ich mir die Bundesligakonferenz an.

Ein Podolski-Tor bekamen Sie da auch lange nicht mehr zu sehen…

Ich höre immer, dass er noch Zeit braucht. Aber jetzt ist Dezember, die Zeit ist vorbei.

Es kann nicht sein, dass Podolski nur dann guten Fußball spielt, wenn er die Stadtgrenzen verlässt und das Nationaltrikot anzieht – und wenn er wieder da ist, ist alles weg!

Poldi ist beim FC der Star. Wer war Ihr größter Star?

Diego Maradona beim FC Barcelona war der Beste. Ein begnadeter Fußballer.

Während ich mit ihm sprach, hat er mit dem Ball unglaubliche Dinge angestellt.

Sie hatten es aber auch nicht leicht mit ihm…

Richtig. Einmal saß die Mannschaft im Bus. Wir wollten pünktlich um 19 Uhr losfahren. Diego war nicht da. Was sollte ich machen? Warten?

Dann hätten die Spieler gesagt, der Maradona tanzt Lattek auf der Nase rum. Ohne ihn fahren? Einen Maradona kannst du nicht sitzen lassen.

Was haben Sie gemacht?
Wir fuhren los – ich bekam Applaus vom Team. Diego kam mit dem Taxi nach.

Eine Woche später ging er zum Präsidenten und sagte: Der Lattek kann mich nicht mehr motivieren. Weg war ich.

Er hat Sie rasiert?

Ja. Trotzdem: Diego ist ein unglaublich netter Mensch. Leider hatte er die falschen Leute um sich. Er musste Barcelona verlassen, weil er finanziell platt war.

Ein Drama, was aus ihm zeitweise wurde.

Neben Maradona spielte mit Bernd Schuster ein weiterer exzentrischer Star bei Barça. Wie kamen Sie mit ihm zurecht?

Bernd war eine Ich-AG. Er kam eine Minute vor dem Training, ging eine Minute nach dem Training. Er hat sich aber gewandelt.

Ich staune, wie er jetzt als Trainer ist. Er redet. Viel sogar. Er ist ein offener Mensch geworden.

Sind Sie überrascht, wie gelassen Jupp Heynckes bei Bayer arbeitet?

Ich freue mich für Jupp, dass er so erfolgreich ist. So gelassen, wie er sich gibt, ist er aber nicht.

Das hat man beim 0:0 gegen Hannover gemerkt. Der Jupp war stinksauer.

Bricht Bayer wieder ein?

Dass sie immer einbrechen, ist ja fast eine Krankheit. Immer dieses Vizekusen. Ich bin gespannt, wie sie in diesem Jahr mit dem Druck zurechtkommen.

Sie können Meister werden. Ich gönne es Ihnen sogar – ich bin dort Mitglied.

Wie sehen jetzt Ihre Pläne aus?
Mein Ehrgeiz ist befriedigt. Ich werde im Januar 75. Mein Vertrag beim DSF läuft aus, ich weiß noch nicht, ob wir ihn verlängern.

Andererseits: Die Sendung hält mich geistig fit, ich könnte nicht wie andere frühere Trainer nur Golf spielen.

Lattek: Meine Frau ist bekennender FC-Fan. Wenn ich ein schlechtes Wort über den Klub sage, gibt es sofort einen Ehekrach.

Lattek lacht: Es kommt noch schlimmer: Auch meine Tochter ist mit dem FC-Virus infiziert. Wenn Sie sich ein Spiel anschaut und der FC auf der Verliererstraße ist, hat sie schlechte Laune. Dann schleudert sie mir mal schon ein „Hau bloß ab“ entgegen. Sie sehen: Ich lebe in einem FC-infizierten Haus.

Man hat das Gefühl: Irgendwie schreit die Situation beim FC geradezu nach einem Urknall.

Man hat den Eindruck, die Mannschaft besteht aus lauter Ich-AGs. Zum Beispiel Novakovic und Podolski. Sie müssen endlich aufeinander zu gehen statt sich ständig zu bekriegen. Die musst du für eine halbe Stunde in einen dunklen Raum einsperren, damit sie das mal unter Männern klären.

Man hat den Eindruck, dass Novakovic sauer auf Poldi ist, weil der mehr Geld verdient.

Ist er denn Häuptling? Dazu musst du erst einmal Leistung zeigen. Podolski hat erkannt, dass er in der Mannschaft nicht als Führungsspieler anerkannt wird. Einige seiner Kollegen wollen nicht mit ihm spielen, sie schneiden ihn, so scheint es.

Ich hatte diese Situation im Frühjahr 2000, als ich mit Matthias Sammer Borussia Dortmund übernahm, um sie vor dem Abstieg zu retten. Die Mannschaft war ebenfalls heillos zerstritten.

Ich habe eine halbe Stunde geredet.

Dass ich jeden persönlich in den Hintern treten und öffentlich an die Wand nageln werde, wenn sie sich nicht ab sofort 100 Prozent für den Klub aufopfern würden. Und dann könnten sie nicht mehr einfach mal zum Bäcker gehen.

Das ist sehr schwer. Auch ein Christoph Daum hatte große Probleme mit der Mannschaft.

Ich mag den Menschen Soldo, wirklich. Das ist ein feiner Typ. Aber mit lieben Menschen, so sagt man, gewinnt man keinen Krieg. Du musst als Trainer auch mal eine harte Sau sein.

Ja. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe, wie der FC Fußball spielt. Jeder Spieler ist doch froh, wenn er den Ball nicht bekommt. Genau das Gegenteil muss doch der Fall sein. Jeder Spieler muss doch geil darauf sein, die Kugel zu kriegen, um mit seinem Mitspieler zusammen zu spielen.

Auch. Petit und Maniche haben ihren Zenit überschritten. Ich frage mich ernsthaft: Reißen die sich den Hintern auf, wenn es nicht mehr läuft? Geben die alles für diesen Klub? Haben die Spaß an ihrem Job in Köln? Stattdessen sehen die Fans, wie sie mit dicken Autos zum Training kommen. Maradona hat das früher bei Barcelona auch gemacht – mal mit Ferrari, mal mit Maserati. Aber die Fans haben ihn geliebt, weil er alles für den Klub gegeben hat. Die haben gesagt: der darf das.

Der FC ist in einer schwierigen Situation. Die Mannschaft hat große menschliche Probleme. Es gibt nur eine Lösung: Die Mannschaft muss sich zusammenraufen.

Wenn ich helfen kann, werde ich das tun. Aber ich glaube nicht, dass Wolfgang Overath mich als Berater braucht und möchte. Er hat seine Vertrauten um sich rum, und ich habe eine sehr klare Vorstellung. Aber: Wo Reibung ist, da entsteht auch Leistung.

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