Vor dem Derby gegen Gladbach stellt FC-Trainer René Wagner klar: Er will keinen geschenkten Kredit und fordert Zählbares – auch für seine eigene Position.
FC-Trainer selbstkritischWagner: „Bekomme vielleicht nicht 15 Chancen“
Knapp 200 Tage hat René Wagner (38) inzwischen als Trainer beim 1. FC Köln auf dem Buckel. Kurz vor dem brisanten Duell mit Borussia Mönchengladbach am 11. Oktober hat sich der Trainer in einem Interview jetzt deutlich zu seiner Position beim FC geäußert.
Trotz eines soliden Saisonstarts ist ihm klar, dass auch auf lange Sicht nur die Ergebnisse zählen. Wagner sagte dazu im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Umso mehr ärgern mich die Spiele in Hamburg und gegen Bremen. Wir hatten das Potenzial, mehr mitzunehmen.“ Seine klare Ansage lautet daher: „Wir können nicht 34 Spieltage über einen guten Weg sprechen, ohne Punkte zu holen.“
Aufstieg zum FC-Chefcoach: So hat sich Wagners Job verändert
Die Beförderung vom Assistenten zum Hauptverantwortlichen hat sein tägliches Leben auf den Kopf gestellt. In seiner früheren Position war es nicht sein Job, „mich vor die Mannschaft zu stellen und sie zu motivieren“. Inzwischen muss er eine Vielzahl kleinerer Entschlüsse fassen, von der Gestaltung des Trainings bis hin zur Betreuung von Spielern mit Blessuren.
Eine Aufgabe, die er mit Leidenschaft ausfüllt: „Ich bin Fußballtrainer geworden, weil ich das Spiel liebe, weil ich hier in Köln auch den FC liebe, weil ich diese Herausforderung mag und weil der Job des Cheftrainers unheimlich komplex ist.“
Dabei ist ihm eine transparente und gerechte Kommunikation von großer Bedeutung. Ihm ist bewusst, wie herausfordernd es sein kann, wenn 22 Akteure seine Ansagen hören, diese aber unterschiedlich interpretieren – vor allem jene, die auf der Bank sitzen.
„Die wichtigste Währung eines Fußballers ist Spielzeit“, erklärt der Coach. „Wenn einer der Jungs zu wenig oder keine Minuten bekommt, fühlt sich das für ihn zunächst schlecht an.“
Der Trainer kennt seine Situation genau. Ansehen und Glaubwürdigkeit möchte er sich durch seine Leistung verdienen, nicht durch Vorschusslorbeeren. „Ich will keine Lobby geschenkt bekommen. Ich will auch nicht einfach Kredit geschenkt bekommen, weil ich der junge Co-Trainer bin und sich alle wünschen: ,Es wäre so geil, wenn jetzt einer aus dem Verein kommt und das mal schafft.‘“
Er ist sich seiner Vita bewusst und weiß, dass er „keine 200 Bundesligaspiele“ hat und „vielleicht nicht 15 Chancen“ erhalten wird. Zwar fühlt er die komplette Unterstützung des Klubs, aber die Geduld ist nicht endlos. Die Bedenken und die Skepsis im Umfeld kann er nachvollziehen, reagiert darauf mit maximalem Einsatz: „Gleichzeitig bin ich nicht zum Spaß jeden Tag um halb sechs hier.“
Wagner will Derby-Heimsieg mit dem FC
Vor allem die Anfälligkeit in der Abwehr bei Standardsituationen steht im Fokus. Die Forderung von Wagner dazu ist unmissverständlich: „Bei Standards müssen wir uns verbessern. Punkt.“ Die Konzentration gilt jetzt vollständig dem anstehenden Derby. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen das Derby zu Hause gewinnen.“
Der Trainer freut sich in der Zwischenzeit über die Berufung von FC-Talent Said El Mala in die Nationalelf. Die von Jürgen Klopp verlangte „Arbeitermentalität“ werde ihm helfen.
Wagner ist überzeugt: „Dort ist er einer von vielen Spielern mit Ausnahmequalitäten – Said kann sich sicher noch einiges abschauen und lernen, wie andere mit dieser Rolle umgehen.“ Er wünscht sich, dass El Mala mit viel Selbstvertrauen wieder nach Köln kommt.
Die Spekulationen um einen Wechsel im Sommer hat El Mala laut seinem Trainer gut verarbeitet. Wagner stellt unmissverständlich fest: „Ich hatte nie das Gefühl, dass er sich in eine Situation bringen wollte, in der er den Verein verlassen kann.“
