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„Sehr aufgewühlt“FC-Profi eskaliert nach erster Schlacht im Stadion

Beim 2:1-Sieg des 1. FC Köln gegen Mainz drehten die Kölner in der zweiten Halbzeit mächtig auf. Tom Krauß ging dabei als emotionaler Anführer voran.

Wäre eine Kamera nur auf ihn gerichtet gewesen, könnten die FC-Fans jetzt ein ganz besonders Filmchen mit Genuss anschauen. Tom Krauß lieferte beim 2:1-Sieg über Mainz eine Wahnsinns-Show ab.

Der Mittelfeld-Antreiber kam erst nach der Pause rein. Zuvor waren die Kölner Profis mit Pfiffen in die Kabine geschickt worden, nachdem in den ersten 45 Minuten gar nichts zusammengelaufen war und man 0:1 hinten lag.

Krauß war für Kwasniok der „Gamechanger“ gegen Mainz

Trainer Lukas Kwasniok (44) forderte in der Kabine mehr Leidenschaft und animierte die FC-Profis dazu, mehr zu riskieren: „Den Mutigen gehört die Welt!“ Mit Krauß brachte er den perfekten Mann für diese Situation.

Der ausgerechnet aus Mainz nach Köln verliehene Mittelfeldspieler war gleich voll drin, war Antreiber, emotionaler Anführer, Ideengeber. Knapp sechs Kilometer rannte er über das Feld, gewann 67 Prozent seiner Zweikämpfe, spielte 23 Pässe, wovon 74 Prozent ankamen.

Nach zahlreichen Aktionen stachelte er das Kölner Publikum noch mehr an, forderte es zu lautstarker Unterstützung auf. So wurde eine wuchtige Welle entfacht, der Mainz nicht standhalten konnte. Doch warum brachte Kwasniok Krauß erst in der zweiten Halbzeit? Der Grund: Krauß plagt sich seit Wochen mit Hüftproblemen herum.

Kwasniok verriet: „Bis Freitagmittag stand er trotzdem noch in der Startelf. Ich habe mich dann aber entschlossen, mehr körperliche Größe aufs Feld zu bringen. Ich wollte ihn am Ende des Spiels noch auf dem Platz haben. Ich wusste nicht, ob er das gehen kann, nachdem er zweimal 90 Minuten mit seiner Hüft-Thematik gegangen war.“ Schon in Heidenheim und gegen Bayern biss Krauß auf die Zähne.

Kwasnioks Plan ging dann zum Ende der Englischen Woche auf: „Ich habe fast geahnt, dass das Spiel gegen Mainz hintenraus ein bisschen wild werden kann. Da wollte ich Krauß auf dem Feld haben und habe mich gegen einen Startelf-Einsatz entschieden. Da hatte ich das Glück auf unserer Seite.“

Mit Krauß und Doppeltorschütze Ragnar Ache wechselte der Trainer den Sieg ein. Nach dem Schlusspfiff eskalierte Krauß dann komplett, brüllte seine Freude in den Himmel, sank auf die Knie und ballte die Fäuste. Auch vor der Südkurve feierte er ausgiebig mit den Fans.

Was für eine Krauß-Show und gleichzeitig ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu seinem langfristigen FC-Verbleib: Beim Klassenerhalt greift eine im Leih-Vertrag mit Mainz verankerte Kaufpflicht über eine Summe von 3,5 Millionen Euro.

Kwasniok war stolz auf seinen Mittelfeld-Motor und freute sich über dessen erste erfolgreiche Stadion-Schalcht in Köln: „Er war definitiv in der zweiten Halbzeit der Gamechanger. Man muss sich nur seine Emotionen nach dem Spiel anschauen. Es gibt hier ein paar Spieler, die schon ein paar Schlachten im Kölner Stadion geschlagen haben. Er bisher nicht ganz so viele. Er war schon sehr aufgewühlt, weil er das Gefühl hatte, dass es ein toller Moment für ihn, für uns als Mannschaft und für den gesamten Verein war. Toll, dass er diese Energie ins Rhein-Energie-Stadion bringt.“