„Bin in ein Loch gefallen“  Köln-Youngster Katterbach über seine erste FC-Krise

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Noah Katterbach will sich im Training seinen Stammplatz hinten links zurückholen.

Köln – Für Noah Katterbach (19) lief der Saisonstart völlig anders als erhofft. Der Gewinner der Fritz-Walter-Medaille in Gold in der Altersklasse U19 hat seinen Stammplatz beim 1. FC Köln hinten links an Jannes Horn (23) verloren.

Bei den drei Auftakt-Pleiten kam der Eifeler lediglich ein paar Minuten gegen Hoffenheim (2:3) zum Einsatz. Zu wenig für Katterbachs Ansprüche. Doch er will sich aus seinem Loch herauskämpfen!

Noah Katterbach im Interview über seine Situation beim 1. FC Köln

Im EXPRESS-Interview spricht der U20-Nationalspieler über den schwachen FC-Start, die Gründe für seine Leistungsdelle, das Fernziel Nationalmannschaft und sein Idol Lukas Podolski (35).

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Noah Katterbach, Sie haben von ihrer Reise zur U20-Nationalmannschaft Ihre zweite goldene Fritz-Walter-Medaille mitgebracht. Wie fühlt sich das an, ganz offiziell der beste Spieler seines Jahrgangs zu sein?

Die Ehre hatte ich vor zwei Jahren schon einmal und freue mich riesig darüber. Vor allem, weil ich damit bestätigt habe, was ich damals gesagt habe: Dass ich versuche, weiter an mir zu arbeiten, und mir die nächste Medaille auch zu holen.

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Noah Katterbach spricht im EXPRESS-Interview über seinen derzeit schweren Stand beim 1. FC Köln.

Kommt mit so einer Auszeichnung auch eine gewisse Erwartungshaltung oder Druck?

Klar, wenn darüber nachdenkt, dass nur Mario Götze und Matthias Ginter es geschafft haben, die Gold-Medaille zweimal zu gewinnen – und jetzt gehöre ich auch dazu. Man wird da automatisch in eine Schublade gesteckt. Ich habe aber gelernt, so eine Auszeichnung richtig einzuordnen und eben nicht zu sehr darüber nachzudenken. Ich will mir keinen unnötigen Druck machen, um irgendwelchen Erwartungen von außen gerecht zu werden, sondern versuchen, meinen Weg weiterzugehen wie bisher.

Haben die Medaillen einen besonderen Platz bei Ihnen?

Die erste hängt noch zu Hause bei meinen Eltern in der Vitrine, die neue liegt bei mir in der Wohnung. Allerdings ziehe ich Ende des Monats um. In der neuen Wohnung versuche ich dann, einen schönen Platz zu finden.

Der FC hat nach der Ehrung ein Foto von Ihnen als kleiner Junge mit Lukas Podolski gepostet. Erinnern Sie sich noch an den Moment?

Ja, damals war ich mit meiner Familie im Urlaub. Wir haben einen Zwischenstopp am Wörthersee gemacht und den FC im Trainingslager besucht. Da habe ich das Foto abgestaubt, und natürlich auch ein Autogramm. Ich hatte einen Grobi aus der Sesamstraße mit FC-Trikot als Kuscheltier – darauf hat Poldi unterschrieben. Den habe ich auch noch zu Hause.

Der Saisonstart lief für den FC und Sie persönlich anders als erhofft. Sie standen bislang nur ein paar Minuten gegen Hoffenheim auf dem Platz. Das ist sicher nicht das, was Sie sich vorgestellt haben.

Natürlich nicht, ich möchte so viel wie möglich spielen und nicht auf der Bank sitzen. Deshalb gebe ich im Training weiter hundert Prozent. Ich glaube, es ist ganz normal, dass jeder Spieler mal schwankt und so eine Delle hat – ob jung oder alt, bei jungen Spielern kommt das vielleicht sogar noch häufiger vor.

Wo sehen Sie die Gründe für diese Leistungsdelle?

Nach der Corona-Pause bin ich gefühlt in ein Loch gefallen. In Spielen und auch im Training habe ich mich nach falschen Entscheidungen zu sehr hinterfragt. Vieles war Kopfsache. Da will ich mich jetzt wieder rauskämpfen und ich finde, dass ich auf einem guten Weg bin. Wenn ich meine Einsatzzeit bekomme, will ich überzeugen.

Die Zwangspause, die leeren Stadien – geht einem jungen Spieler da die Unbekümmertheit verloren?

Die Phase, in der wir stark waren und in der es auch diesen Aufschwung der Jugend gab, wurde durch Corona definitiv unterbrochen. Auch für uns junge Spieler ist die Atmosphäre im Stadion einfach geil, die Fans pushen und reißen einen mit. Das darf kein Alibi sein, aber möglicherweise waren die Gedanken durch die neuen Umstände etwas unkontrolliert, und der Fluss oder die Unbekümmertheit haben darunter gelitten. Da muss man einfach sagen: Okay, das gehört dazu. Jetzt arbeite ich mich da raus.

Spricht der Trainer mit Ihnen über Ihre Situation?

Er sucht immer wieder den Kontakt und kommt nach dem Training auf einen zu, sagt Dinge wie: „Ich sehe, dass du wieder auf dem Weg nach oben bist, bleib da dran.“ Man bekommt Feedback, und das hilft natürlich. Bevor ich zur Nationalmannschaft gefahren bin, hat er mir gesagt, dass ich gesund zurückkommen soll und zeigen soll, was ich kann.

Dort konnten Sie auch Spielpraxis sammeln.

Ich find es super, dass ich die Möglichkeit habe, mich mit den Besten meines Jahrgangs zu messen. Wenn es beim Verein nicht so gut läuft, ist das ein gutes Mittel, um sich hochzuziehen und Selbstbewusstsein zu tanken.

An den ersten drei Spieltagen stand jeweils Jannes Horn als Linksverteidiger in der Startelf. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?

Wir sind uns beide bewusst, dass wir auf derselben Position spielen, aber man wünscht sich gegenseitig natürlich trotzdem nichts Schlechtes. Jannes ist auch noch relativ jung, wir haben viele gleiche Interessen. Deswegen ist mein Kontakt zu ihm sogar ganz gut.

Ihr direkter Vorgänger als FC-Linksverteidiger war Jonas Hector. Wussten Sie von seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft?

Ich habe auch aus den Medien davon erfahren. Meiner Meinung nach muss man so eine Entscheidung auch nicht an die große Glocke hängen. Jonas hat sicher lange darüber nachgedacht und dann seinen Entschluss gefasst.

Dann ist der Weg beim DFB ja jetzt frei für Sie…

(lacht) Das ist noch ein langer Weg, aber ich arbeite dafür. Die A-Nationalmannschaft ist einfach für jeden jungen Spieler ein langfristiges Ziel.

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Am Sonntag wartet zunächst mal Frankfurt. Drei Niederlagen in drei Spielen waren ein enttäuschender Start in die Bundesliga-Saison.

Das haben wir uns natürlich anders vorgestellt. Wir waren sehr ambitioniert, wollten in jedem Spiel punkten. Spiele wie gegen Hoffenheim oder Bielefeld hätten wir einfach konzentriert zu Ende spielen müssen. Aber Elvis hat es diese Woche schon richtig gesagt: Die Bundesliga ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir haben noch genug Möglichkeiten, uns da unten rauszukämpfen.

Was muss gegen Frankfurt besser werden?

Das Wichtigste ist, dass wir die Defensive stabil halten. Aus dieser Stabilität und Sicherheit müssen wir dann zielstrebig nach vorne spielen.

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