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FC-Zeugnis Teil IIÜberflieger sticht heraus – Neuer übertrifft Erwartungen

Jakub Kamiński, Saïd El Mala und Cenk Özkacar beim Spiel gegen Union.

Copyright: Soeren Stache/dpa

Said El Mala, hier mit Jakub Kaminski und Cenk Özkacar, hat die Offensive des 1. FC Köln in dieser Saison getragen. 

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Nach einer Saison mit vielen Auf und Abs kann der 1. FC Köln jetzt in der Sommerpause durchatmen. Zeit, zurückzublicken: das EXPRESS.de-Abschlusszeugnis für die Offensive.

Der 1. FC Köln hat sein großes Ziel erreicht. Der Aufsteiger hat bereits zwei Spieltage vor Schluss den Klassenerhalt eingetütet. Es war eine Saison mit Höhen und Tiefen. Lukas Kwasniok, der einen verheißungsvollen Start am Geißbockheim hinlegte, musste nach einer langen Sieglos-Serie seinen Hut nehmen.

Co-Trainer René Wagner übernahm und lenkte das Schiff mehr oder weniger sicher in den Hafen. Der FC schloss die Tabelle auf einem respektablen Platz 14 ab, kann aber mit der Ausbeute von lediglich 32 Punkten nicht zufrieden sein.

Diese Noten verdienten sich die Offensivkräfte des FC

Die Spielzeit ist nun rum, Zeit für das große Abschlusszeugnis! EXPRESS.de hat den Kader unter die Lupe genommen und Noten verteilt. Im zweiten Teil geht es um die Offensive.

Isak Johannesson (23)

Er galt neben Rav van den Berg als Königstransfer des Sommers. Nicht unbedingt wegen der Ablöse (5,5 Millionen Euro), sondern wegen der Erwartungen. Dass er ähnlich beeindruckende Zahlen wie in der 2. Liga auflegen würde, war nicht der Anspruch, aber dass er das Kölner Spiel lenkt, schon. Das gelang ihm allerdings zu selten. Er tat sich schwer mit dem höheren Bundesliga-Niveau, der Sprung aus der 2. Liga fiel selbst einem versierten Spieler wie ihm alles andere als leicht.

Das brachte die Verantwortlichen in die Bredouille, denn Johannesson sollte den Unterschied im Mittelfeld ausmachen. Wenn er nicht funktionierte, lag das Zentrum meistens brach. Und es war häufiger der Fall, dass sich der Isländer versteckte oder das Risiko scheute. Zeitweise wirkte er verunsichert, nur vereinzelt ließ er sein unbestritten großes Potenzial aufblitzen. Denn im Prinzip bringt der Nationalspieler alles mit, er muss es nur konstant auf den Rasen bringen. Und an seiner Fitness könnte er im Sommer arbeiten, er wirkte nicht immer vollends austrainiert.

EXPRESS.de-Note: 4

Florian Kainz (33)

Er ist der dienstälteste Profi beim 1. FC Köln. Siebeneinhalb Jahre spielte „Kainzi“ mit dem Geißbock auf der Brust, erlebte viele Höhen (Europa) und auch einige Tiefen (Abstieg). Nun sagt der Österreicher „Servus“ und hängt seine Fußballschuhe im Sommer an den Nagel. In seiner letzten Saison spielte er höchstens noch eine Nebenrolle. Kainz stand lediglich 269 Minuten auf dem Rasen, kam meist nur in den Schlussminuten zum Einsatz.

Einen Höhepunkt gab es aber doch noch: In seinem einzigen Spiel von Anfang an gegen den HSV schweißte er einen wunderschönen Freistoß in den Giebel. Es war sein insgesamt 28. und letztes Tor für den FC. Beim abschließenden Heimspiel gegen Heidenheim bereitete der Klub ihm den Abschied, den er verdient hat.

EXPRESS.de-Note: 4,5

Felipe Chavez (19)

Er kam im Winter, um die Kreativ-Krise in der Zentrale zu lösen. Chavez selbst wollte sich die Spielpraxis holen, die er im Star-Ensemble des FC Bayern nicht bekam. Doch nach fünf Monaten muss man festhalten: Das Projekt ist krachend gescheitert. Kwasniok hatte keine Verwendung für den Youngster und Wagner traute dem jungen Burschen den harten Abstiegskampf nicht zu. Selbst gegen Gegner, in denen der FC das Spiel machen musste, durfte der Peruaner nicht ran.

Wenn das Profil gebraucht wurde, setzte man lieber auf Waldschmidt. Dann stellt sich die Frage: Warum wurde der Junge überhaupt geholt? Nach der enttäuschenden 108 Minuten ist das Kapitel Chavez vorbei. Der FC wird die vereinbarte Kaufoption nicht ziehen, Chavez selbst dürfte das recht sein. Er braucht einen Klub, bei dem er ans Spielen kommt und sich entwickeln kann.

EXPRESS.de-Note: 5

Jakub Kaminski (23)

Nach eher tristen Jahren in Wolfsburg war wohl kaum ein FC-Fans aus dem Häuschen bei der Verpflichtung von Jakub Kaminski. Nach 34 Spieltagen sieht die Welt anders aus: Der Pole entpuppte sich als Volltreffer, er übertraf die Erwartungen um Längen. Der Nationalspieler begeisterte mit seinem Tempo-Spiel, seinen Dribblings und vielen gefährlichen Abschlüssen. Wann immer er am Ball war, hatte man das Gefühl, dass etwas Gefährliches passiert. Er ließ sich auch nicht davon aus der Bahn bringen, dass Kwasniok ihn auf gefühlt jeder Position aufstellte. Wenn er spielte, lieferte er ab, egal wo. Hut ab vor den Verantwortlichen, die das enorme Potenzial des Angreifers erkannten.

Kwasniok adelte ihn als „besten Spieler“ im Kader, Wagner wollte da später nicht widersprechen. Nur ganz zum Schluss ging ihm etwas die Puste aus, da fehlte irgendwann die Präzision vor dem Tor. Aber wer will es ihm nach so einer Power-Saison verdenken. Die Frage ist nun, ob die FC-Fans auch kommende Saison noch Spaß an ihm haben werden. Intern soll der Pole schon seinen Wechselwunsch hinterlegt haben. Er will den nächsten Schritt in seiner Karriere gehen und weiß, dass der Zeitpunkt nach so einer Spielzeit günstig ist. Dem FC sind die Hände gebunden, der neue Vertrag beinhaltet eine Ausstiegsklausel. Immerhin winkt dem Klub bei einem Abschied ein Transfer-Plus von über 15 Millionen Euro.

EXPRESS.de-Note: 1,5

Said El Mala (19)

Kölns neues Wunderkind hat die Liga begeistert. Letzte Saison noch 3. Liga mit Viktoria Köln, heute ein international gefeierter Star. Der Youngster hat in seinem ersten Bundesliga-Jahr sämtliche Dimensionen gesprengt. Sein Marktwert ist explodiert, von ehemals drei Millionen Euro auf 35 Millionen Euro. Die Verantwortlichen erhoffen sich daher im Sommer eine Ablöse jenseits der 50 Millionen Euro, diverse England-Klubs stehen jetzt schon Schlange.

Damit wäre El Mala der mit Abstand teuerste Transfer der Vereinsgeschichte. Apropos Rekorde: Der Angreifer knackte eine alte Tor-Bestmarkte von Lukas Podolski. El Mala ist nun der jüngste FC-Stürmer, der mindestens elf Bundesliga-Tore in einer Saison erzielen konnte. Am Ende waren es sogar satte 13 und fünf Vorlagen. Die Saison beendete er mit seinem Zauber-Solo gegen die Bayern. Es dürfte das Abschiedsgeschenk an die FC-Fans gewesen sein.

EXPRESS.de-Note: 1

Linton Maina (26)

Hat keine einfache Saison hinter sich. Erlebte anfangs eine rasante Entwicklung vom Aufstiegshelden zum unzufriedenen Bankdrücker. Kwasniok betonte zwar immer wieder, wie viel er von Maina halte, in der Spielzeit spiegelte sich das allerdings nicht wider. Meist hatte die Konkurrenz die Nase vorn.

Im Winter kämpfte er sich dann ran und hatte kurz nach dem Wiederbeginn dann seine beste Phase. Da traf er gegen die Bayern, legte gegen Freiburg einen auf und erzielte dann auch noch den eminent wichtigen Siegtreffer gegen Wolfsburg. Ausgerechnet in dieser Phase bremste ihn dann ein Rippenbruch aus, der Schwung war weg. Am Ende pendelte er wieder zwischen Startelf und Bank, aber immer jeweils mit überschaubarem Erfolg.

EXPRESS.de-Note: 4,5

Jan Thielmann (23)

Er gehört beim FC schon fast zum alten Eisen. Dabei vergisst man oft, dass Thielmann erst 23 Jahre jung ist. Und dennoch wartet man bei ihm jetzt schon länger auf den nächsten Schritt. Am Anfang dachte man noch, dass die Zeit nun reif dafür ist. Er traf gegen Freiburg (plus Assist) und Leipzig und war richtig gut drin. Doch danach kam offen gesagt nicht mehr viel. Es folgte noch ein einziges weiteres Tor (gegen Leipzig im Rückspiel), dafür aber zwei Muskelverletzungen, die ihm jeweils den Rhythmus raubten.

Wagner gab ihm am Ende sogar noch mal drei Chancen von Anfang an, nutzen konnte er sie alle nicht. Im Endspurt blieb ihm daher nur die Bank. Sein Problem bleibt: Er macht und tut und ist immer mit vollem Einsatz bei der Sache, aber Entscheidendes ist selten dabei. Der Abschluss ist weiterhin schwach, und eine Vorlage in der Saison spricht auch nicht für gefährliche Hereingaben. Für einen Offensiven ist er (bislang) zu harmlos, für einen Defensiven zu anfällig.

EXPRESS.de-Note: 4,5

Luca Waldschmidt (30)

Er hat eine absolute Jojo-Saison hinter sich, wusste unter Lukas Kwasniok zu keiner Zeit, woran er war. Der Ex-Coach fand nie den richtigen Umgang mit dem Techniker. Nach Toren saß er meistens im nächsten Spiel draußen, nach der Winterpause ließ der Coach seinen Schützling nach einem kritischen Interview komplett fallen. Dabei hatte Waldschmidt nur offen seine Ansprüche formuliert, nichts Verwerfliches.

Luca Waldschmidt jubelt gegen St. Pauli.

Copyright: Christian Charisius/dpa

Luca Waldschmidt jubelt über sein Tor gegen St. Pauli.

Kwasniok nahm ihm das persönlich und ließ es ihn spüren. Das Verhältnis war danach zerrüttet. Doch Waldschmidt ließ sich nicht hängen, saß die Fehde aus und blühte unter Wagner dann wieder auf. Vor allem als Joker machte er sich im Endspurt einen echten Namen, traf gegen Pauli und Leverkusen und bereitete gegen Union einen Treffer vor. Am Ende stehen ordentliche fünf Tore und vier Vorlagen zu Buche. Er würde gerne beim FC bleiben. Eine Entscheidung steht noch aus.

EXPRESS.de-Note: 3

Marius Bülter (33)

Er legte los wie die Feuerwehr, köpfte den Siegtreffer gegen Mainz und machte dann gegen Freiburg mit einem Tor und zwei Vorlagen sein Spiel der Saison. Danach war das Pulver für den Offensiven allerdings für lange verschossen. Bülter tauchte vollkommen ab. Spätestens seit seiner Achillessehnenverletzung Ende September war völlig der Wurm drin.

Kwasniok schob es auf mangelnden Schlaf, weil Bülter Papa geworden war. Die öffentliche Aussage schmeckte dem Routinier damals überhaupt nicht. Es dauerte einige Zeit, bis der Angreifer wieder wichtig wurde. Vor allem im Endspurt deutete er dann noch mal seine Klasse an, da traf er gegen Union und Heidenheim. Unter dem Strich muss man sagen: ein starker Start, ein gutes Ende und dazwischen ganz viel Leerlauf.

EXPRESS.de-Note: 4

Ragnar Ache (27)

Er brauchte einige Zeit, um sich an das Niveau der Bundesliga zu gewöhnen. Doch spätestens ab Winter platzte der Tor-Knoten so richtig. Während er in der Hinrunde nur einen Treffer beisteuern konnte und dabei viele große Chancen liegen ließ, überzeugte er in der Rückrunde mit sechs Toren. Es wären sicher auch noch weitere dazu gekommen, aber nach einer schweren Muskelverletzung war für ihn die Spielzeit nach dem Pauli-Spiel beendet.

Im Schlussspurt merkte man dann erst so richtig, wie wichtig Ache für die Mannschaft ist. Der wuchtige Stürmer ist der Ankerspieler in der Spitze, er machte nahezu jeden Ball fest, bescherte seinen Teamkollegen Zeit, aufzurücken und legte die Bälle dann meist klug ab. Im Kopfballspiel macht ihm in der Liga kaum jemand etwas vor. Etwas Luft nach oben hat er weiterhin noch in der Chancenverwertung, für einen Top-Stürmer muss er kaltschnäuziger werden. Insgesamt hat er aber ein spannendes Gesamtpaket, das den Fans auch kommende Saison noch viel Freude bereiten wird.

EXPRESS.de-Note: 2,5

Youssoupha Niang (20) und Fynn Schenten (18)

Die beiden Offensiv-Youngster durften erstmals Bundesliga-Luft auf der großen Bühne schnuppern. Schenten schwang sich im Winter sogar als einer der Gewinner der Vorbereitung auf, wurde dabei von Kwasniok mit Lob überschüttet. In der Praxis tat er sich dann aber noch schwer, stieß im Bundesliga-Alltag an seine Grenzen. Schenten konnte aber dennoch wertvolle Erfahrungen für die kommende Saison sammeln, in der er wieder angreifen wird.

Gleiches gilt für Niang, der nach zwei schweren Verletzungen die gesamte Hinrunde verpasste. Danach kämpfte er sich aber eindrucksvoll wieder zurück, fand den Anschluss und wurde dann hinten raus mit Spielzeit belohnt. Für beide war es ein erstes Reinschnuppern und hoffentlich nur der Beginn einer erfolgreichen FC-Zeit.

EXPRESS.de-Note: -

Zwei Fans mit Poldi-Masken auf der Tribüne.
Was für ein Abschied!
„Boss“-Choreo und Tausende Poldis auf den Rängen