„Zynisch und verlogen“ Lanz: Luisa Neubauer prangert Politiker nach Flut-Katastrophe an 

Luisa Neubauer war am 21. Juli zu Gast in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer war am 21. Juli zu Gast in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“. Dort kritisierte sie die Reaktionen der Politiker nach der Flut-Katastrophe scharf. 

Das Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sorgt für dramatische Szenen. Fridays-for-Future-Gesicht Luisa Neubauer warnt, solche Ereignisse würden durch die Klimakrise häufiger und heftiger auftreten. Die Klimaaktivistin erhob bei „Markus Lanz“ schwere Vorwürfe an die Politik.

Köln. Das verheerende Hochwasser in Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat das Thema Klimaschutz zumindest vorübergehend ins Zentrum der öffentlichen Diskussion gerückt. Auch bei „Markus Lanz“ wurde am Mittwochabend (21. Juli) erneut über die mittelbaren und unmittelbaren Auswirkungen der Klimakrise debattiert.

Für Luisa Neubauer, Repräsentantin der Fridays-for-Future-Bewegung, besteht angesichts der Katastrophenbilder aus dem Westen Deutschlands nicht nur ein klarer Zusammenhang zur Klimakrise, sondern auch zur Politik dieses Landes. „Was ich so erschreckend finde und was auch so traurig macht an den Hochwassern in Deutschland, ist, dass es eben nicht nur ein großes Unglück und ein dummer Zufall ist“, erklärt die Aktivistin, „sondern auch Konsequenz von einer politischen Weigerung, wissenschaftliche Warnungen ernstzunehmen“.

Andernfalls hätte man laut Neubauer zwar die Flut nicht verhindern können, sehr wohl aber viele Schäden. Der Zusammenhang zur Klimakrise sei klar. „Was wir wissen: Je wärmer es wird auf der Welt, umso mehr Feuchtigkeit kann die Luft halten.“ In Zukunft sei eine Häufung dieser Umweltkatastrophen wahrscheinlich.

„Wir müssen bei einer zunehmenden Klimakrise mit mehr von diesen Starkregenereignissen rechnen.“ Fluten würden grundsätzlich aufreten, doch aufgrund der Klimakrise würden sie sowohl häufiger also heftiger auftreten. De facto, so Neubauer, eskaliere die Klimarkise noch immer „unbegrenzt“.

„Nicht nur ökologisch katastrophal, sondern auch eine politische Katastrophe“

Die 25-Jährige erhebt in diesem Zusammenhang schwere Vorwürfe gegen die Politik. „Was wir jetzt vor Ort erleben, ist sozusagen ein zweifaches Versagen: Und das ist nicht nur ökologisch katastrophal, sondern auch eine politische Katastrophe.“ Zum einen seien die Menschen nicht gewarnt worden und es gäbe keinen ausreichenden Schutz für die Infrastruktur. Landwirtschaft und Städteplanung seien auf solche Ereignisse nicht vorbereitet.

„Dahinter steht aber auch, dass wir wissen: Langfristig ist die Regierung Teil des Projekts Klimakrise.“ Sie würde nicht tun, was getan werden müsste, um solche Fluten in Zukunft zu verhindern. Deshalb gelte es, zweigleisig zu fahren: Kurzfristiger Hilfe müsse genauso erfolgen wie die Ausarbeitung eines langfristigen politischen Plans.

Luisa Neubauer: Reaktion der Politiker „zynisch und verlogen“ 

Die Klimaaktivistin erklärt, sie finde es „zynisch und verlogen, wenn man sich jetzt hinstellt und sagt ‚Wir tun alles, damit es euch besser geht‘, und dann zurück an den Schreibtisch im Berliner Regierungsviertel geht und weiterhin darauf hinwirkt, dass wir mehr von diesen Katastrophen erfahren müssen.“

Es würde teils immer noch so getan, als könne uns die Klimakrise in Deutschland nichts anhaben, als sei „Klimaschutz ein Freizeitprogramm, das jetzt irgendwie von Kindern mitgetragen wird und das kann man mal machen, wenn man Zeit und Geld hat, aber eigentlich gibt's wichtigere Themen“.

Nicht verstehen kann die Studentin, dass bei der Thematik Klimaschutz immer mit dem Bewahren von Wohlstand argumentiert werde. Schließlich habe man durch die jüngste Katastrophe erlebt, dass innerhalb von wenigen Stunden Wohlstand, der über Jahrzehnte aufgebaut worden sei, komplett zerstört würde. Neubauer machte sich in den Hochwassergebieten selbst ein Bild und half mit. Es brauche nun eine Politik, die Klartext spreche und das Problem nicht abtue.

Neubauer: Klimaschutz kann sozial sein 

Gegen Ende der Diskussion kam die Runde noch mal auf die soziale Frage in Verbindung mit dem Klimaschutz zu sprechen. Luisa Neubauer bezeichnete es als „im Kern verlogen“, dass dieser Aspekt häufig von Menschen vorgebracht werde, die jahrelang unsoziale Politik in diesem Land gemacht haben: Der Mindestlohn sei unter EU-Durchschnitt, Mieten würden steigen. „Das heißt nicht, dass Klimaschutz nicht sozial sein kann“, hält die Aktivistin fest. Es gäbe dementsprechende Angebote zum Ausgleich.

Doch unter dem Strich wäre, keinen Klimaschutz zuzulassen, das Teuerste überhaupt und etwas „das Menschen letztlich sozial benachteiligt“. Neubauer schlug noch einmal den Bogen zu den Opfern der Flut in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. „Wen trifft das am meisten?“, fragte sie rhetorisch und lieferte die Antwort gleich mit: „Natürlich die Menschen, die eh schon wenig haben.“ Ihr Fazit: „Mehr Klimakrise heißt mehr soziale Ungerechtigkeit.“ (tsch)

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