US-Ökonom Stephen Moore, einst enger Vertrauter von Trump, warnt die Republikaner vor einem Wahldesaster bei den Zwischenwahlen im November – während selbst treue Wähler die Geduld verlieren.
Amerikaner verlieren die GeduldEhemaliger Berater warnt vor Albtraum für Trump

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US-Präsident Donald Trump kehrt am 15. Mai 2026 aus Peking zurück.
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Ob diese Warnung noch bei der Partei ankommt? „Die Republikaner könnten im November mit einem Wahl-Tsunami konfrontiert werden, wenn die Inflation weiterhin hoch bleibt“, sagte Stephen Moore der „New York Times“. Der Wirtschaftswissenschaftler hatte US-Präsident Donald Trump (79) im ersten Präsidentschaftswahlkampf beraten und das Buch „Trumponomics“ verfasst – ein Werk, das Trump selbst lobte. Eine spätere Nominierung Moores für einen Sitz im Direktorium der US-Notenbank Federal Reserve scheiterte jedoch.
Moore erklärte, er sei von den wirtschaftlichen Folgen von Trumps Krieg gegen den Iran nicht „überrascht“. Die Benzinpreise bezeichnete er als „den wichtigsten Gradmesser, den die Menschen nutzen, um zu beurteilen, wie es der Wirtschaft geht“ – und er schlägt derzeit steil nach oben aus. Berichten zufolge bereitet sich die Regierung bereits darauf vor, dass der nationale Durchschnittspreis für Benzin möglicherweise fünf Dollar pro Gallone erreichen könnte – rund zwei Dollar mehr als üblicherweise.
Historischer Tiefstand bei Wirtschaftswerten
Die jüngste Umfrage von CNN/SSRS zeigt, dass Trumps Zustimmungswert in Wirtschaftsfragen auf 30 Prozent gefallen ist – auf den niedrigsten je für ihn gemessenen Wert in diesem Bereich. „Es kommt eines nach dem anderen, und ich glaube, das ist der Grund, warum sich die Menschen so schlecht fühlen“, sagte Moore.
Moore machte auch deutlich, wer von der aktuellen Wirtschaftslage profitiere: ausschließlich Menschen „an der Spitze der Einkommensverteilung“. Weiter sagte er: „Es ist ziemlich schwer, Dinge zu nennen, bei denen sich die Menschen wirklich gut fühlen und die viel Optimismus wecken würden.“
Trotz wachsender Kritik scheint Trump die Dringlichkeit der Lage nicht vollständig zu erfassen. Auf die Frage eines Reporters, ob die finanzielle Situation der Amerikaner seine Iran-Verhandlungen beeinflusse, antwortete Trump jüngst: „Nicht mal ein bisschen“, und fügte hinzu: „Ich denke nicht an die finanzielle Situation der Amerikaner.“ Die Krise der Lebenshaltungskosten bezeichnete er wiederholt als „Schwindel“ – während die Lebensmittelpreise laut Daten des Bureau of Labor Statistics im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent gestiegen sind und damit ihren stärksten Anstieg seit vier Jahren verzeichnen.
Treue Wähler kehren Trump den Rücken
Der wachsende Unmut zeigt sich nicht nur in Umfragen. Beim US-Nachrichtensender C-SPAN meldete sich am Samstag ein Mann namens Thomas aus Hawaii zu Wort – und rechnete live mit Trump ab.
Thomas hatte den Präsidenten in allen drei Wahlkämpfen 2016, 2020 und 2024 gewählt. „Es fällt mir schwer, das zu sagen“, begann er. „Ich wollte lange glauben, dass Trump das Wahre ist.“ Nun bereue er seine Unterstützung: „Er ist ein Schwindler, ein Lügner, der seine Versprechen nicht hält. Er ist im Amt nur für sich selbst und versucht nicht einmal mehr, seine Korruption zu verbergen.“ Sein Urteil fiel vernichtend aus: „Er ist der schlechteste Präsident, den wir je hatten, und der korrupteste.“
Eine Umfrage der University of Massachusetts Amherst untermauert, dass Thomas kein Einzelfall ist: 17 Prozent der Trump-Wähler von 2024 äußern inzwischen Zweifel an ihrer Wahlentscheidung – im April 2025 waren es noch 8 Prozent. Trumps allgemeine Zustimmungsrate ist laut derselben Erhebung auf 33 Prozent gefallen.
Trump gleichgültig gegenüber Midterms
Laut „Wall Street Journal“ soll Trump seinen Mitarbeitern mitgeteilt haben, dass ihm der Ausgang der entscheidenden Zwischenwahlen im November gleichgültig sei – und habe stattdessen seiner Partei die Schuld für eine schlechte politische Außendarstellung gegeben.
Er soll dennoch bis zu 30-mal vor den Wahlen auf Wahlkampftour gehen, in der Hoffnung, Wähler zu mobilisieren.
Wähler in seinem Heimatstaat Florida reagierten unterdessen scharf auf seine Äußerungen zur finanziellen Lage der Amerikaner – einer von ihnen bezeichnete den Präsidenten in einem Interview als „aufgeblasenen Idioten“. (mg)
