US-Präsident Trump nutzte einen privaten Spaziergang durch Pekings historischen Zhongnanhai-Garten, um Xi Jinping eine ungewöhnliche Frage zu stellen.
Mikrofon zeichnet alles aufTrump stellt Xi ungewöhnliche Frage

Copyright: AFP
US-Präsident Donald Trump (r.) neben Xi Jinping im Zhongnanhai-Garten.

Aktualisiert:
Was für eine Ehre! Am letzten Tag seines Staatsbesuchs in Peking durfte US-Präsident Donald Trump (79) den Zhongnanhai-Garten besuchen – ein historisches Gelände nahe der Verbotenen Stadt, das für ausländische Staatsgäste normalerweise geschlossen bleibt. Es ist ein streng überwachter Führungskomplex der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh).
Während die beiden Staatschefs nebeneinander durch die Anlage schlenderten, zeichnete ein Mikrofon das Gespräch zwischen den beiden Staatsoberhäuptern auf, wie verschiedene US-Medien berichten.
Zu hören war demnach unter anderem, wie sich Trump mit gesenkter Stimme an den Dolmetscher wandte: „Fragen Sie den Präsidenten: Wenn andere Leute aus anderen Ländern gekommen sind, Präsidenten und Premierminister, bringt er die auch hierher?“
Xi Jinping (72) schüttelte den Kopf. Das sei äußerst selten der Fall, antwortete er. „Putin war beispielsweise schon einmal hier.“
Rosen und Freundschaftsbekundungen
Neben politischer Eitelkeit stand auch Gartenbau auf dem Programm. Xi schenkte Trump Rosensamen aus den Zhongnanhai-Gärten – eine nicht ganz unironische Geste, nachdem Trump im vergangenen Jahr den Rosengarten des Weißen Hauses hatte überpflastern lassen.
Trump zeigte sich begeistert: „Das sind die schönsten Rosen, die irgendjemand je gesehen hat.“ Und weiter: „Ich habe den Präsidenten gefragt, ob er mir welche für den Rosengarten besorgen kann, und er hat ja gesagt. Ich habe noch nie so große Rosen gesehen!“
Xi bestätigte das Versprechen beim anschließenden Tee: „Ich habe zugestimmt, dem Präsidenten Samen dieser Rosen als Geschenk zu schicken.“
Trump brachte auch seine Überraschung darüber zum Ausdruck, dass einige der Bäume im Garten viele Jahre alt sind. „Ich sage Ihnen, alle Bäume auf dieser Seite sind über 200 bis 300 Jahre alt“, sagte Xi und deutete auf einige hoch aufragende Stämme. „Dort drüben gibt es einige, die über 400 Jahre alt sind.“ Trump antwortete verdutzt: „Leben die so lange?“ Xi: „Es gibt auch an anderen Orten 1000 Jahre alte Bäume.“
„Wie für Hollywood gemacht“
In einem Interview mit Fox-News-Moderator Sean Hannity, das noch vor dem Gartenspaziergang aufgezeichnet und am Donnerstagabend ausgestrahlt wurde, schwärmte Trump in höchsten Tönen von Xi: „Ich glaube, er ist eigentlich ein warmherziger Mensch, aber er ist durch und durch Geschäftsmann. Kein Smalltalk, kein ,Schau mal, wie schön das Wetter ist' – nein, er ist ganz Geschäftsmann, und das mag ich. Das ist eine gute Eigenschaft.“
Dann griff Trump zu einem für ihn typischen Vergleich: „Wenn man nach Hollywood ginge und einen Schauspieler für die Rolle des chinesischen Staatschefs suchte, man würde keinen wie ihn finden.“ Und weiter: „Sogar seine äußeren Merkmale – er ist groß, sehr groß, besonders für dieses Land, weil die Menschen dort eher etwas kleiner sind.“
Iran und ein langer Abschied
Trump erklärte, die beiden hätten nicht nur über Rosen und Bäume, sondern auch über Politik gesprochen, unter anderem über den Iran-Konflikt. „Wir wollen nicht, dass sie eine Atomwaffe bekommen. Wir wollen, dass die Meerenge offenbleibt. Wir wollen, dass das endet, denn es ist eine verrückte Sache dort, ein bisschen verrückt. Und das ist nicht gut, das darf nicht passieren.“ Auf die Frage, ob Xi seiner Einschätzung teile, antwortete Trump: „Ich glaube, das tut er.“
Es war Trumps erster China-Besuch seit 2017. Beim Abschied auf dem Pekinger Hauptstadtflughafen wurde er mit einem zeremoniellen Empfang verabschiedet – Dutzende Menschen schwenkten amerikanische und chinesische Fahnen. Oben an der Gangway von Air Force One drehte sich Trump noch einmal um und reckte die Faust in die Höhe. (mg)
