Irre Wende für Tilly: Moskau-Prozess wird neu aufgerollt.
„Ich nehm's eher gelassen“Revisionsprozess für Düsseldorfer Wagenbauer in Moskau angesetzt

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Der Karnevalswagenbauer Jacques Tilly ist in Moskau in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden - nun ist ein Revisionsprozess angekündigt. (Archivbild)
Zuerst die Hammer-Strafe aus Russland, nun diese unerwartete Entwicklung. Für den Düsseldorfer Karnevalskünstler Jacques Tilly beginnt eine neue Phase im Rechts-Thriller – und er erfuhr es nur durch Zufall.
Der renommierte Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly erhielt im April eine Abwesenheitsstrafe von achteinhalb Jahren Gefängnis aus Moskau. Jetzt steht vollkommen unerwartet ein Revisionsprozess bevor. Tilly teilte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit, dass das Auswärtige Amt ihn benachrichtigt habe. Demnach ist für Dienstag ein neuer Gerichtstermin geplant.
Der Satire-Künstler hat keine Ahnung, wer das Rechtsmittel eingelegt hat – die Anklage oder seine eigenen Anwälte. Die „Rheinische Post“ meldete diese Neuigkeit als Erste.
Harte Strafe für Putin-Satire beim Karneval
Ein Moskauer Gericht befand im April, dass Tillys provokative Kunstwerke beim Düsseldorfer Karnevalsumzug gesetzeswidrig waren. Ihm wird vorgeworfen, religiöse Empfindungen missachtet und Unwahrheiten über Russlands Armee verbreitet zu haben.
Wiederholt hatte Tilly mit seinen Festwagen den Machthaber im Kreml, Wladimir Putin, sowie den von ihm angezettelten Ukraine-Konflikt scharf angeprangert. Ebenso wurde Patriarch Kirill, das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Ziel seiner satirischen Darstellungen.
Tilly bleibt cool: „Das ist eingepreist“
Der Künstler selbst ist von dieser Entwicklung erstaunt. Er dachte eigentlich, die Angelegenheit wäre mit dem Schuldspruch abgeschlossen gewesen. „Ich lasse mich überraschen, was am Dienstag geschehen wird“, kommentiert der Wagenbauer. Bislang wurde er weder vom Moskauer Gericht direkt benachrichtigt, noch konnte er Kontakt zu seinem Rechtsbeistand aufnehmen.
Er müsse mit dem Urteilsspruch klarkommen, was ihm auch recht gut gelingt. Seine Einstellung dazu ist eindeutig: „Worauf ich keinen Einfluss habe, das interessiert mich nicht besonders“, äußerte Tilly. „Ich habe keine Handlungsoption.“ Heftige Gegenwehr gehöre zum Job eines Satirikers einfach dazu. Sein Resümee: „Das ist eingepreist. Ich nehm's eher gelassen - wie soll ich's sonst nehmen?“ (dpa/red)
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