Schauspieler Matthias Matschke (u. a. „Pastewka“, „heute-Show“) hat über seine lustigen und unlustigen Rollen, das Leben von Social-Media-Familien und sein Verhältnis zu Köln gesprochen.
Matthias MatschkeDer Kölner Karneval hat mich beflügelt – bis heute

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Matthias Matschke beherrscht virtuos die Klaviatur der Schauspielkunst vom komischen bis ernsthaften Fach.

Ein Mann – und so viele Leben. Matthias Matschke (57) hat vor der Kamera fast alles gespielt, was man spielen kann: Bösewichte und Lichtgestalten, Liebhaber und Betrogene, politische Witzfiguren und Helden der Weltgeschichte (die allerdings auch als Lachnummern gedacht), Durchgeknallte – aber auch ganz normale Menschen.
Und so einen zeigt er in einer kleinen, feinen Rolle (an der Seite seiner Tochter Sarah) im Thriller „Babystar“ (seit Donnerstag, 23. April 2026) im Kino). Im großen EXPRESS-Interview verrät er, was ihn antreibt.
Matthias Matschke: Geissens sind der Opel Manta von Social Media
Mal sind Sie im ernsthaften Film zu sehen wie jetzt in „Babystar“. Mal veräppeln Sie sich wichtig nehmende Menschen in der „heute show“. Mal sorgen Sie für Lacher, mal für Tränen. Immer wieder neue Projekte: Geht Ihnen da nicht manchmal die Puste aus?
Matthias Matschke: Bestimmt nicht. Das ist das Leben, das ich mir gewünscht und glücklicherweise auch bekommen habe. Dieses Zirkushafte, das immer Unterwegs-Sein, dieses und jenes tun, und immer möglichst diverse Dinge veranstalten – das ist die Verwirklichung meines Traumes. Ich wusste zu Beginn noch nicht, was ich genau wollte, aber da war immer die Ahnung, dass es das sein könnte.
In „Babystar“ geht es um eine Familie, die ihr Leben von vorn bis hinten in den sozialen Medien präsentiert, die nur für und durch die sozialen Medien lebt. Glauben Sie, dass es so etwas gibt?
Matthias Matschke: Ich halte das für absolut realistisch. Das machen uns z. B. die Kardashians in Amerika vor. Die haben ihr Leben zur Disposition gestellt und sagen, dass ihr öffentliches Leben auch ihr Privatleben ist. Alles, was sie machen, machen sie nur für außen.
So etwas kennen wir in Deutschland von den Geissens, die sich seit 15 Jahren auf RTL2 präsentieren …
Matthias Matschke: … die für mich aber nur der Opel Manta dieser Soziale-Medien-Geschichte sind. Was die Kardashians machen, sieht dagegen aus wie auf Formel 1 gezüchtet.
Haben Sie Bekannte, die so ein öffentliches Leben führen?
Matthias Matschke: Nein, aber ich habe im Urlaub auf einer griechischen Insel mal eine deutsche Influencerin bei der Arbeit erlebt. Ich kenne Dreharbeiten, das ist mein Beruf. Aber was die Influencerin vor der Kamera für Insta machte, war etwas vollkommen anderes. Bei ihr ging es darum, wann und wie sie ihr Lächeln an- und ausschaltet, wie sie richtig steht, wie der Ort inszeniert wird. Völlig abgefahren! War für mich, als würde ich im Zoo einem Pinguin bei der Fütterung zuschauen.

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Matthias Matschke mit seiner Lebensgefährtin Theresa Kronthaler auf der Berlinale 2026.
In „Babystar“ erleben wir Sie wieder gemeinsam mit Ihrer Tochter Sarah. Wie ist es, wenn Sie zusammen vor der Kamera stehen? Haben Sie sie dann schon mal zur Seite genommen und ermahnt: „Mach das anders!?“
Matthias Matschke: Um Gottes Willen, nein, das würde ich niemals machen, das wäre mir peinlich. Glücklicherweise kam ich nie in die Verlegenheit, darüber nachzudenken. Da denke ich nicht daran, dass sie meine Tochter ist. Beim Dreh ist sie meine Kollegin. Sarah stand schon mit neun vor der Kamera.
Waren Sie mit Ihrem Schauspieler-Wunsch auch schon so früh dran?
Matthias Matschke: Nein, längst noch nicht. Meine erste große Liebe war zwar die Komik, ich habe das Lustige, den Klamauk geliebt. Mein absoluter Held war Buster Keaton, über den ich später meine Diplom-Arbeit geschrieben habe. Aber ich wäre damals nie darauf gekommen, dass man so etwas als Beruf machen kann. Das ist mir in meiner damaligen bürgerlichen Umwelt nicht aufgefallen. Meine Eltern konsumierten gern Kunst, Lustigkeit gehörte bei uns zum Leben. Doch dass man auch als Kunstschaffender sein Geld verdienen kann, war ganz weit weg.
- Matthias Matschke (geb. 17.10.1968 in Marburg, wuchs in einem Dorf bei Darmstadt auf). Studierte Germanistik und Theologie, wechselte dann zum Schauspiel. Theater-Engagements, viele TV- und Spielfilme. 2003–2013: „Ladykracher“, 2005–2020: „Pastewka“. Seit 2015: „heute-Show“ und „Sketch History“. 2014-2015: „Helen Dorn“ (neben Anna Loos), 2016 -2019: „Polizeiruf 110“ (Hauptkommissar Dirk Köhler im MDR), 2017-2020: „Professor T.“
- Er hat viele Hörbücher aufgenommen und fotografiert unter dem Namen Bernadette Ypso. Er war bis 2013 mit Schauspielerin Judith Engel (56) verheiratet, lebt jetzt mit Opernsängerin Theresa Kronthaler (47) zusammen. Seine Tochter Maria Matschke Engel (25) ist auch Schauspielerin.
Wann war die Zeit des Zweifelns vorbei? Wann merkten Sie, dass Sie alles richtig gemacht haben?
Matthias Matschke: Das war ein fließender Moment. Ich hatte schon in der Schauspielschule den Eindruck, dass ich mit meiner Berufswahl richtig liege, aber ganz sicher wurde ich mir, als ich 1997 in der Berliner Volksbühne in Marthalers Inszenierung von Drei Schwestern erstmals auf der Bühne stand. Dieses Stück war Stadtgespräch. Das war die Bestätigung dessen, was ich mir erhofft hatte.
Was haben Sie da machen müssen?
Matthias Matschke: Ich musste 20 Minuten lang eine Treppe heruntersteigen und mit einer Schallplatte tanzen - das war toll, das war Komik pur. Da wurde mir endgültig klar: Da ist was Lustiges. Das will ich immer machen. Und das Lachen der anderen ist bis heute mein Antrieb geblieben. Auch wenn ich sehe, wie grausam und schlimm unsere Welt ist, und ich manchmal an dem verzweifle, was uns umgibt, ist die Komik meine große Liebe geblieben. Spaß machen ist mein Lebens-Elixier. Das ist eine Faszination, die nicht mehr weggegangen ist.
Und worüber lachen Sie?
Matthias Matschke: Gern über mich selbst – vor allem, wenn ich Scheiße gebaut habe und denke: Wie blöd kann man eigentlich sein! Und beim Streamen ist die englische Variante von LOL bei mir ganz vorn. Es ist sehr interessant, in welcher angenehmen Schamlosigkeit die Teilnehmer miteinander und mit sich selbst umgehen. Diese Art der Härte, ohne dabei verletzend zu sein, kenne ich aus Deutschland nicht.

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Im aktuellen Kinofilm „Babystar“ ist Matthias Matschke (li.) in einer kleinen, feinen Rolle zu sehen.
Sie haben mit „Ladykracher“ und „Pastewka“ begonnen, mischen lange in der „heute show“ mit. Wenn es um Komik geht, sind Sie in Köln. Ist die Stadt bei Komik wichtig für Sie?
Matthias Matschke: Ja, es ist schon verrückt. Wenn ich was Lustiges mache, und das nicht in Köln stattfindet, fühlt sich das fremd an. Ich komme mit der Bahn, meist aus Berlin, und wenn ich über dem Rhein bin, gehts los mit der Lustigkeit. Da beschönige ich nichts, das ist einfach so. Das hängt damit zusammen, dass nicht nur die heute show, sondern alle Comedy-Formate, die mein Herzblut sind, in Köln stattgefunden haben. Dazu kommt, dass in der Stadt die Comedy-Infrastruktur immer vorhanden ist.
Was heißt das?
Matthias Matschke: In Köln leben die Leute, die sich mit Lustigkeit auskennen, die Autoren und Autorinnen, die Kollegen und Kolleginnen - man muss nicht mal den Leuten im Hotel erklären, warum man da ist und was man macht. Da hilft die kölsche Karnevals-Tradition. Wenn ich in der Stadt bin, bemerke ich die Akzeptanz. Dass man jeck ist, hilft bei allem, was man im Bereich Lustigkeit macht.
Sind Sie rosenmontags auch in der Stadt?
Matthias Matschke: Da bin ich meist zu Hause in Berlin. Dann kommt in Köln meine Arbeit zum Erliegen, weil alle anderen nicht mehr zurechnungsfähig irgendwo rumrennen, singen und schunkeln. Aber ich verbinde mit Rosenmontag sehr schöne Erinnerungen.
Erzählen Sie bitte …
Matthias Matschke: Ich komme aus der Nähe von Darmstadt, und als Kind habe ich da mit meinen Eltern den Zug vorm Fernseher verfolgt. Und natürlich wollte ich auch mal dabei sein! Mein Vater, ein begeisterter Autofahrer, hat mir den Wunsch erfüllt. Wir sind nach Köln gekommen, haben den Zug gesehen. Den fand ich ganz toll. Diese Stimmung, die da herrschte! Dass ausgewachsene Menschen so ungezwungen lustig sind, war mir aus meinem Umfeld nicht bekannt. Der Karneval hat mich beflügelt. Das ist bis heute so geblieben.
