Die rechtsgerichtete Partei feiert einen Wahlerfolg nach dem anderen – längst nicht mehr nur in den neuen Bundesländern.
AfD-Schock trotz SkandalenExperte erklärt, warum die Partei immer stärker wird

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Die AfD erreicht auch im Westen bei Landtagswahlen inzwischen hohe Werte.
Affären? Anscheinend kein Problem! Die AfD gewinnt weiter an Zuspruch.
Anhaltende Diskussionen über Vetternwirtschaft, die Beobachtung durch den Verfassungsschutz und interne Skandale scheinen der AfD nichts anhaben zu können. Stattdessen gewinnt die Partei an Zustimmung, sogar im Westen der Republik.
In Rheinland-Pfalz erreichte die rechtsgerichtete Partei bei der Landtagswahl laut Hochrechnungen einen Wert von 20 Prozent. Damit wurde sogar die Rekordmarke von 18,8 Prozent aus Baden-Württemberg überboten. Im ZDF gab sich die Parteivorsitzende Alice Weidel siegessicher: Mit solchen Resultaten sei es auf lange Sicht unvermeidbar, die AfD an der Regierungsbildung zu beteiligen.

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Kein Halten mehr: Jan Bollinger AfD-Spitzenkandidat in Rheinland-Pfalz und Parteichefin Alice Weidel jubeln über die Prognosen nach Schließung der Wahllokale.
Proteststimme oder treue Anhänger?
Handelt es sich dabei nur um einen Denkzettel? Nicht ausschließlich, wie die dpa berichtet. Während in Baden-Württemberg laut einer Analyse, die von der Forschungsgruppe Wahlen stammt, noch 62 Prozent die AfD „als Denkzettel“ wählten, sieht die Lage inzwischen anders aus. Der Zuspruch speist sich mittlerweile aus einer Mischung von Protest, Frustration und fester Überzeugung.
Anna-Sophie Heinze, Sprecherin des Arbeitskreises für Parteienforschung (Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft) von der Uni Trier, stellt klar: „Es handelte sich längst nicht mehr um eine Protestwahl.“ Die AfD habe sich eine loyale Stammwählerschaft erarbeitet. Für diese Wählerinnen und Wähler seien die etablierten Parteien keine Alternative. „Wenn die AfD nicht mehr zur Wahl stünde, würden die meisten von ihnen gar nicht mehr wählen gehen.“
„Keine 'Ostpartei' mehr“
„Die AfD ist keine 'Ostpartei' mehr“, konstatiert ebenfalls der Politologe Marcel Lewandowsky aus Halle. In den westlichen Bundesländern ziehe sie besonders in Gebieten Wähler an, die durch tiefgreifenden Strukturwandel und Zukunftsängste geprägt sind. Die noch stärkere Unterstützung in Ostdeutschland sei auf eine schwächere Bindung an Parteien sowie ein weitverbreitetes Misstrauen gegenüber der Politik zurückzuführen.
Doch wieso prallen Affären an der Partei einfach so ab, vergleichbar mit dem Phänomen Trump? Nach Lewandowskys Einschätzung betrachten AfD-Anhänger die Anschuldigungen als entweder frei erfunden oder stark übertrieben. „Oder aber sie zweifeln die Existenz des Skandals zwar nicht an, finden in den anderen Parteien aber trotzdem keine Alternative, die ihre Position verträte.“ Das sorgt für einen echten Überraschungseffekt bei den politischen Gegnern.
Die nächsten Wahlen im Fokus
Auch die neueste Kontroverse rund um Günstlingswirtschaft hinterlässt anscheinend kaum einen Kratzer. Eine Umfrage des Instituts Ipsos von Ende Februar zeigte, dass 41 Prozent der Bundesbürger keine negativen Auswirkungen für die AfD prognostizieren. Ausgerechnet in Sachsen-Anhalt, dem Ursprungsort der Debatte im AfD-Landesverband, wird am 6. September der nächste Landtag gewählt.
Dort bewegte sich die AfD in jüngsten Umfragen zwischen 39 und 40 Prozent. Ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund strebt die absolute Mehrheit an. Ein solcher Erfolg käme einem politischen Erdstoß für Deutschland gleich.

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Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, hat als Wahlziel für den 6. September die absolute Mehrheit im Magdeburger Landtag ausgegeben.
Am 20. September könnte die AfD auch in Mecklenburg-Vorpommern als stärkste Kraft hervorgehen, wo Umfragen Werte zwischen 34 und 37 Prozent anzeigen. Mit 32,8 Prozent erreichte die Partei ihr bisheriges Rekordresultat bei der Landtagswahl 2024 in Thüringen.
Fachmann: Taktik der Konkurrenz scheiterte
Was steckt hinter diesem Erfolg? Befürworter der Linie, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vertritt, sind der Meinung, die Union sei unter Angela Merkel zu weit nach links gerückt. Probleme wie die Migration seien zu lange ignoriert worden, wodurch rechts eine Flanke offenblieb, in die die AfD vorstoßen konnte. Nun versucht man mit einem schärferen Kurs und einer raueren Sprache, der Partei wieder Wähler abzujagen.
Der Politologe Lewandowsky hat jedoch eine andere Sichtweise. Die Taktiken der übrigen Parteien hätten mitgeholfen, „dass vor allem das Migrationsthema nicht nur in der Debatte bleibt, sondern auch die Positionen der AfD legitimiert werden.“ Anstatt Stimmen zurückzuholen, wurde den Rechtspopulisten auf diese Weise wahrscheinlich sogar zusätzlicher Zulauf verschafft.
Die Politologin Heinze argumentiert in eine ähnliche Richtung: Die AfD gewinne durch die „von der zunehmenden Normalisierung von Rechtsaußenpositionen und -rhetorik in der Gesellschaft.“ Ob die Taktik von Merz letztlich erfolgreich sein wird, ist ungewiss. In bundesweiten Erhebungen hat die Union (26-28 Prozent) momentan wieder einen kleinen Vorsprung vor der AfD (23-26). (red)
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