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Schock-Urteil in BerlinJugendtrainer missbraucht Jungs und kommt mit Bewährung davon

Richterhammer, Bildschirmgerät und Tastatur

Urteil gegen Ex-Jugendtrainer Nils H. noch nicht rechtskräftig (Symbolbild).

Er nutzte das Vertrauen von Kindern schamlos aus.

Ohne eine Miene zu verziehen, hörte sich Nils H. das Urteil an. Die Jugendschutzkammer am Landgericht Berlin verurteilte den 28-Jährigen am Mittwoch zu einer Bewährungsstrafe. Das Strafmaß: ein Jahr und sechs Monate. Ihm wird vorgeworfen, seine Rolle als Jugendcoach bei Union Berlin schändlich missbraucht zu haben. Da der Mann Berufung einlegen kann, ist die Entscheidung noch nicht endgültig. Die Anklage lautete auf mehrfachen sexuellen Kindesmissbrauch.

Bereits vor einiger Zeit legte er ein teilweises Geständnis ab. Er räumte ein, in seiner Funktion als Jugendcoach mehrfach pornografisches Material an Minderjährige verteilt zu haben. Beispielsweise verlangte H. via Snapchat von einem 12-Jährigen, ihm Fotos seines Glieds zu senden. Ein anderes Mal wies er gleich mehrere Jungs an, ihre Penisse auszumessen. Die schwerwiegendsten Anschuldigungen der Anklage bezogen sich aber auf den körperlichen Missbrauch von zwei Jungen im Alter von elf Jahren. H. wird vorgeworfen, ihnen plötzlich in den Intimbereich gegriffen zu haben, um sich selbst sexuell zu stimulieren. Das berichtet „FOCUS online“.

Die Vorwürfe sah Richterin Iris Berger-Sieg am Mittwoch als bestätigt an. Sie bezeichnete sein Handeln als methodisch. Er baute eine kumpelhafte Beziehung zu den Kindern und ihren Eltern auf, nur um dieses Vertrauen dann schändlich auszunutzen. „Die Eltern haben sich als Freunde begriffen und diese Taten niemals erwartet“, so die Richterin. Die Auswirkungen auf die Opfer sind heftig: Beide Jungen sind gezeichnet, einer ist sogar weiterhin in psychologischer Therapie.

Für die Taten und die Rechtfertigungen des Angeklagten fand die Richterin klare Worte. Seine Taten seien keineswegs spontan gewesen, anders als sein Verteidiger es weismachen wollte. Jeder habe die Verantwortung für den Umgang mit der eigenen Sexualität, meinte Berger-Sieg und unterstrich: „Und Kinder sind in sexueller Hinsicht ein absolutes Tabu“. Als H. dann meinte, die Taten seien aus „Naivität oder Unbedachtheit“ passiert, gab die Richterin knallhart zurück: „man aus Naivität heraus einem elfjährigen Kind nicht an den Penis fasst“. Der Verurteilte gab selbst an, seit zwei Jahren eine feste Partnerin zu haben, heiraten zu wollen und künftig nicht mehr mit Kindern zu arbeiten.

Aufgedeckt wurde die ganze Sache im Frühling 2023, nachdem eine Mutter die Kinderschutzbeauftragte vom 1. FC Union kontaktiert hatte. H. bot ihrem Sohn an, bei ihm zu Hause zu schlafen – angeblich für extra Trainingstipps. Die Polizei durchsuchte daraufhin seine Bleibe und analysierte sein Handy. Es zeigte sich rasch ein Muster: H. lockte die Jungs mit dem Versprechen von Einzeltraining und Eintrittskarten für Partien vom 1. FC Union. Nachdem er im Februar 2023 bei Union rausflog, war er wenig später für die Stuttgarter Kickers aktiv. Die Richterin rechtfertigte die Bewährungsstrafe mit mildernden Faktoren: Er hatte keine Vorstrafen, war geständig, die Tat sei am „unteren Rahmen“ gewesen und er stoppte, als es Gegenwehr gab. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.