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Kölnerin tödlich verunglückt Lost-Places-Trend in NRW: Experte mit Warnung

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Geisterhaus Villa Oppenheim in Fühlingen

Köln – In unserer Kindheit nannten wir es „Mutprobe“. Wer traut sich, das verlassene Haus zu betreten, in dem es der Legende nach spuken soll? Heute ist es ein Trend. Fotos werden unter dem Hashtag „Lost Places“ (verlassene Orte) millionenfach auf Instagram, TikTok oder YouTube geklickt.

Was treibt „Urban Explorers“ (kurz: Urbexer) an, oft illegal alte Industriehallen oder verwaiste Krankenhäuser zu erkunden? Wir haben mit einem Urbexer aus Aachen gesprochen.

Lost Places: Nichts zerstören, nur Zeitgeschichte einfangen

Rostiger Stahl, gigantische Hallen, kleine Werkstätten. Ein Geruch von Öl und Metall, von Holz, das schwarz vor Dreck und Schimmel ist. „Zu anderen Zeiten wäre ich vielleicht Bergmann geworden, tief unter der Erde, oder ein Fabrikarbeiter. Zu anderen Zeiten. Heute zählen einstige Industrie-Orte alle nichts mehr, sind vergessen worden und zum Stillstand verdammt“, ärgert sich Sascha Faber (35).

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Rettungsassistent Sascha Farber aus Aachen sucht seit Jahren Lost Places.

Er ist Rettungsassistent in Aachen, aber in seiner Freizeit wird er zum Urbexer – liebt es, an verbotenen Orten Staub aufzuwirbeln. Nein, er macht dort keine Partys, würde nie eine Nackte durchs Bild rennen lassen. Urbexer haben einen Ehrenkodex: Nichts zerstören, nur Zeitgeschichte für die Nachwelt einfangen.

Betreten von Lost Places: Sicherheit geht vor

„Lebensraum zurückerobern“, zumindest mit seinen überaus ästhetischen Fotos, das will er. Und dafür investiert er seine Freizeit, sucht über Google-Maps verrottete Schornsteine, zerfallene Dächer, die Hinweise auf Industriebauten geben können, die noch kein anderer Urbexer abgelichtet hat. Manchmal bekomme er auch Tipps von Patienten, die er als Rettungssanitäter in seinem Job versorge, schmunzelt der Jäger der verwunschenen Orte.

Dass er sich beim Betreten mancher dieser Orte in einer rechtlichen Grauzone bewegt, Hausfriedensbruch begeht, weiß Faber. Aber bisher sei es noch nie zu einer Anzeige gekommen, selbst wenn der Fotograf ertappt wurde. Und: Sicherheit geht bei ihm vor. Auf wackeligen Balken wird man ihn bestimmt nicht herumturnen sehen.

Lost Places auf YouTube zu sehen

Gut so! Die Feuerwehr warnt nach dem jüngsten Unfall in einer Industrieanlage in Bochum mit einer Videobotschaft vor sogenannten „Lost Places“, also verlassenen Gebäuden und Co.: Nicht nur die marode Bausubstanz sei gefährlich, sondern auch die Atemgifte.

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Die Fotografin Jeannette Fiedler zeigt eines ihrer Fotos. Die 49-Jährige aus der Nähe von Kronach reist seit rund fünf Jahren regelmäßig an verlassene Orte und fotografiert sie.

Auf „Lost Places“ spezialisierte YouTuber gehen übrigens oft noch einen Schritt weiter, dokumentieren nicht nur ihre Eindrücke, sondern konstruieren spannende Geschichte um die verfallenen Orte.

Angebliche Gräueltaten und Suizide sind besonders gefragt. „Nennen Sie bloß nicht unseren Standort“, bittet uns deshalb der Sprecher eines Lost-Place-Hotspots in NRW, der im Zweiten Weltkrieges als Euthanasie-Einrichtung für Kinder und Jugendliche missbraucht wurde. 2015 habe man fast 600 Sensationslustige anzeigen müssen. Seitdem wird das Haus rund um die Uhr bewacht. Es gibt offizielle Fototermine – aber die reizen einen echten Urbexer nicht wirklich.

Lost Places: Ungefährlich ist das nicht!

Vor drei Wochen ist eine 22-Jährige aus Köln in einem absturzgefährdeten Schacht in einer Industrie-Ruine in Bochum zusammengebrochen. Es dauerte mehrere Stunden, sie zu bergen. Die Frau starb im Krankenhaus. Kein Einzelfall übrigens...

Im Juni stürzte ein 18-Jähriger in der Ruine eines Gutshofs in Unterfranken durch eine marode Betondecke drei Meter in die Tiefe. Ein 34-Jähriger landete im Februar in Erfurt nach einem Sturz auf einer Metallplatte mit herausstehenden Schrauben. Er wurde schwer verletzt.

In Leipzig musste Mann (30) knapp zwölf Stunden schwer verletzt bei Minusgraden in einem Schacht ausharren, weil er ein Loch in einer seit über zwanzig Jahren leerstehenden Bowlinghalle übersehen hatte. Vor drei Jahren stürzte ein 16-Jähriger aus Dormagen bei einer verbotenen Tour durch die stillgelegte Hermes-Papierfabrik acht Meter in die Tiefe, erlitt schwere Kopfverletzungen. Dieser Lost Place ist mittlerweile abgerissen.

Bahnhäuschen in Niehl

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Dieses verfallene Bahnhäuschen in Niehl inspirierte Köln-Krimi-Autor Christoph Gottwald als Schauplatz für seinen Thriller "Melatenblond".

Das verfallene Stellwerkhäuschen in Niehl sieht kein Zugreisender, denn auf den Gleisen rattern nur Frachtzüge vorbei. Als der Kölner Krimiautor Christoph Gottwald im Ford-Tennisclub zu Gast war, sah er es und es machte sofort „Klick“. Die Ruine inspirierte ihn zu seinem Krimi „Melatenblond“. Die Protagonistin wird in diesem „Verlies“ gefangengehalten.

Spukhaus Fühlingen

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Ein gellender Schrei ertönt aus dem ersten Stock, als Sonntag-EXPRESS sich diese Woche der „Spukvilla“ in Fühlingen nähert. Fünf Jugendliche lieben den Gruselfaktor, der vom Herrenhaus des Bankiers Eduard Freiherr von Oppenheim (1831-1909) ausgeht, erzählen sich dort die Schauergeschichten, die sich um das Gebäude ranken: Während der NS-Zeit soll im Keller ein Schlaflager für Zwangsarbeiter eingerichtet worden sein.

Einer der Zwangsarbeiter bandelte mit der Tochter des Gutsbesitzers an – und wurde erhängt. Bis heute soll der Geist des Toten auf dem Gelände umherirren und die Geliebte suchen. Nach dem Krieg erhängte sich angeblich der ehemalige NS-Richter Gerhard von K. im Spukhaus.

Kein Wunder, dass Investoren das Gebäude am liebsten abreißen würden. Immer wieder gibt es Pläne, dort eine Luxusresidenz entstehen zu lassen. Noch vor zwei Jahren hieß es: „Wohnen, wo andere Urlaub machen.“ Wie auch immer das gemeint war... Passiert ist übrigens bislang nichts.

Tribüne in Weidenpesch

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Im Weidenpescher Park befand sich neben der Galopprennbahn eines der größten deutschen Fußballstadien seiner Zeit.

Irgendwie paradox: Der Kölner Rennverein ließ sogar einen Eisenzaun mit Stacheldraht um das ehemalige Stadion des VfL Köln 1899 im Weidenpescher Park ziehen, um die älteste Fußballtribüne Deutschlands vor Vandalen zu schützen.

Doch um die Tribüne kümmert sich keiner. Der Schandfleck mit zerborstenen Scheiben verschwindet mehr und mehr hinter dichtem Grün. „Kurzfristig ist keine Instandsetzung geplant“, sagt Renn-Verein Geschäftsführer Philipp Hein.

Spätestens, wenn das Dach durchkracht, dürfte das Thema Denkmalschutz erledigt sein. Das ist wohl der Hauptgrund, warum solche Objekte einfach verrotten.

Haus Sohl in Düsseldorf

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Man ahnt beim Anblick des verwitterten Wohnzimmers in der Villa Sohl immer noch, welch Luxusleben der nazifreundliche Thyssenchef geführt haben muss.

Der Mann war wohl etwas ängstlich. Hans-Günter Sohl, einst Generaldirektor bei
Thyssen, baute für sich und seine Familie einen Atombunker mit 1,5 Meter dicken Stahlbetonwänden im Keller. Und bequem war er offensichtlich auch, denn ein Fahrstuhl führte direkt vom Swimmingpool ins Schlafzimmer der Villa Sohl.

Er starb 1989, seine Witwe knapp zehn Jahr später. Seitdem verfällt das schöne Haus mit den prunkvollen Vorhängen im Wohnzimmer (großes Foto). Auch der riesige Park leidet. Vor vier Jahren hat ein Bonner Bauunternehmen das 40.000 Quadratmeter große Grundstück erworben und will bauen.

Dumm nur, dass der Landschaftsverband Rheinland den Park am liebsten zum Naturdenkmal erklären würde. Sprich: Da darf kein Stein vermauert werden. Der Investor klagt, das Projekt liegt erst einmal auf Eis – und das Haus im Dornröschenschlaf.

Villa Amalia in Wuppertal

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In der Villa Amalia in Wuppertal wurde schon der dritten Teil Babylon Berlin gedreht.

Prunkvolle Wandmalereien, elegante Treppengeländer, Schachbrettfliesen, wuchtige Marmorsäulen und riesige Panoramafenster machen echt was her. Kein Wunder, dass die Villa Amalia für Dreharbeiten zur dritten Staffel von „Babylon Berlin“ (im Herbst im TV) gebucht wurde, denn nach dem Konkurs einer Pflegeeinrichtung im Jahr 2012 steht das Haus leer.

Seit 1986 ist das pompöse Haus in der Denkmalliste der Stadt Wuppertal eingetragen. Eigentümer ist nun eine Immobiliengesellschaft, die sich das entsprechende Klientel als Käufer wünscht. Eine Baugenehmigung liegt mittlerweile vor, die Tage als „Lost Place“ dürften also gezählt sein.

Kirche in Limburg

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Die Limburger Kirche St. George

Einsam steht die Figur von Rochus von Montpellier auf Trümmern der Limburger Kirche St. George. Ein tolles Fotomotiv für Urbexer wie Sascha Faber und seinen MadMan-Blog. Der Aachener kennt viele Lost Places in Belgien. In die Kirche ist er übrigens nicht eingebrochen, sondern der Einladung eines Fotografen gefolgt, der den Verwalter kannte...

Ex-Nerzfarm an der Grenze

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Eine ehemalige Nerzfarm an der deutsch holländischen Grenze

Die Nerzfarm an der deutsch-niederländischen Grenze ist seit 2011 nicht mehr im Betrieb. Faber und ein Kumpel schlichen sich ein, um Fotos von der Farm und den engen Käfigen zu schießen. Sie wurden von zwei Männern mit Hunden an der Leine ertappt, hatten mächtig Bammel. Aber es gab keinen Ärger.

Hier lesen Sie mehr: Geisterstädte, Horrorgefängnis – 10 Orte in Europa mit gruseliger Geschichte

Panzerfriedhof Stolberg

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Der Panzerfriedhof in Stolberg

Kein klassischer Lost Place, denn die alten Panzer befinden sich als „aktive“ Hartziele auf einem Truppenübungsplatz im Naturschutzgebiet „Brander Wald“ zwischen Aachen und Stolberg. Deshalb sollte man immer Ausschau nach einer roten Fahne (Übung!) halten.

Leichenhalle in Brandenburg

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Eine Leichenaufbewahrungshalle in Brandenburg, in der Verstorbene gewaschen und angezogen wurden.

Schaurig: Die Leichenaufbewahrungshalle in Brandenburg, in der Verstorbene gewaschen und angezogen wurden, wäre die ideale Kulisse für einen Mystery-Thriller. Aber wo sie genau liegt, verraten Urbexer wie Jeannette Fiedler nicht. Sie wollen ja keine Vandalen oder Partygäste anlocken.

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