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Geisterstädte, Horrorgefängnis 10 Orte in Europa mit gruseliger Geschichte

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Das ehemalige Militärgefängnis Patarei in Tallinn, Estland, zieht heute viele Touristen an.

Köln – Schluss mit dem öden Strandurlaub! Wer Lust auf ein bisschen Abwechslung in der Ferienzeit hat, kann sich von einem neuen Band des alternativen Reiseführers Lonely Planet inspirieren lassen: „1000 einmalige Erlebnisse Europa" bietet Reiseziele mit gewissem Extra: Orte mit spektakulären Brücken zum Beispiel, solche mit abenteuerlichen Höhlen oder gar die geheimen Stars unter den Städten jenseits des Mainstreams. 

Ein Kapitel des Bandes entführt in die Welt sogenannter „Lost Places" (auf deutsch: Verlorene Orte), also Ruinenstädte, versunkene Dörfer oder Hotels mit schauriger Geschichte. Orte wie diese locken jedes Jahr tausende Touristen an; eben solche, die auf der Suche nach dem besonderen Nervenkitzel im Urlaub sind.

Wir stellen Ihnen eine Auswahl der faszinierendsten „Lost Places" vor:

Geisterhafte Filmkulisse: Craco, Italien

Seit 1300 Jahren thront Craco im Süden Italiens malerisch über einem grünen Tal – doch was man sieht, ist nur noch eine Geisterstadt. Denn nachdem die Bewohner in den Jahren von 1959 und 1972 durch mehrere Erdrutsche und ein Erbeben vertrieben und die Häuser zerstört wurden, baute man die Stadt im Jahr 1980 im Tal neu auf. Die märchenhaften Ruinen sind bei Touristen beliebt und dienten auch schon zahlreichen Hollywood-Filmen als Kulisse, wie etwa für den Film „Die Passion Christi“ oder den James-Bond-Streifen „Ein Quantum Trost“.

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Die Überreste der Stadt Craco in Italien.

Pest, Cholera und Malaria: Dvigrad, Kroatien

Einst war sie ein bedeutendes Handelszentrum, heute sind von der Stadt Dvigrad in Kroatien nur noch überwucherte Ruinen übrig. Seit dem Mittelalter zerstörten immer wieder Kriege die Häuser von Dvigrad, später wüteten Krankheiten wie Pest, Cholera und Malaria und dezimierten die Bevölkerung extrem. Heute erzählen nur noch die Steinreste von der bewegten Geschichte, die Bewohner zogen nach und nach in die umliegenden Städte.

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Heute sind von der Stadt Dvigrad in Kroatien nur noch überwucherte Ruinen übrig.

Das versunkene Dorf: Geamana, Rumänien

Vom Dorf Geamana in Rumänien ist heutzutage nur noch eine Kirchturmspitze zu sehen – alle anderen Häuser sind im giftigen Schlamm des Moores versunken. In den 1970er Jahren wurde das Tal auf Befehl des rumänischen Diktators Ceaușescu geflutet – mit belastetem Klärschlamm aus der nahen Kupfermine. Früher lebten in Geamana rund 400 Familien, heute hält nur noch der Kirchturm des Dorfes die Stellung im giftigen See.

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Spuren eines Verbrechens gegen die Menschen und die Natur: der Kirchturm von Geamana (Rumänien) inmitten giftigen Schlamms.

Ruinen eines Verbrechens: Oradour-Sur-Glane

Die verrottenden Hauswände und stillen Ruinen der Stadt Oradour-Sur-Glane sind die letzten Zeitzeugen eines grausamen Massakers. Während des zweiten Weltkriegs wurden fast alle Einwohner des Dorfes von der deutschen Waffen-SS getötet – nur 36 Menschen überlebten, die Häuser wurden zu großen Teilen zerstört. Heute sind die Ruinen eine Mahn- und Gedenkstätte.

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Die Ruinen des französischen Dorfes Oradour-sur-Glane zeugen von einem schrecklichen Verbrechen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Gespenstischer Zeitzeuge: Atlantikwall, Frankreich

Auch die Überreste des Atlantikwalls zeugen vom letzten großen Weltkrieg. Damals bauten Deutsche Besatzer ihn als Verteidigungslinie entlang der Küsten des Atlantiks, des Ärmelkanals und der Nordsee. Spaziergänger können noch heute große Betonklötze der einstigen Mauer am Strand entdecken und die Überbleibsel der Stützpunkte besichtigen.

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Dieses mit einer Drohne aufgenommene Foto zeigt die Pointe du Hoc, nahe Colleville-sur-Mer, Normandie. An der Pointe du Hoc, wo die alliierten Streitkräfte die Klippen erklimmen mussten, um die Geschütze der Nazis zum Schweigen zu bringen, sind die Kalkstein- und Tonklippen erodiert, aber die Überreste der befestigten Lage, Teil des deutschen Atlantikwalls, sind ein mächtiges Überbleibsel des Zweiten Weltkriegs.

Tragische Geisterstadt: Gairo Vecchio

Wunderschön und doch völlig verlassen schmiegt sich das Geisterdorf Gairo Vecchino in die hügelige Landschaft Sardiniens. Das Dorf wurde 1951 von Schlammlawinen überrollt, eine davon begrub die Hälfte des Ortes unter sich. Nach dem Unglück zogen die Bewohner in neue Siedlungen – für Touristen ist das Geisterdorf heute ein beliebtes Ausflugsziel.

Autoleichen versteckt im Wald: Autofriedhof Kyrkö Mosse, Ryd, Schweden

Mitten im Märchenwald lugt plötzlich ein Auto zwischen den Bäumen hervor – durch und durch verrostet und vermoost. Im Wald bei Ryd entstand durch den Schweden Åke Danielsson der berühmte Autofriedhof Kyrkö Mosse. Wie viele Autoleichen zwischen den Bäumen vor sich hin vegetieren, ist nicht genau bekannt, Bis 2050 steht das Gebiet noch unter Schutz, danach soll die letzte Ruhestätte für Fahrzeuge aufgelöst werden.

Verlassene Sportstätte: Olympisches Dorf, Sarajevo, Bosnien-Herzegowina

Statt lauter Jubelrufe hört man in den leeren Gassen nur noch das Pfeifen des Windes: Seit dem Ende der Olympischen Spiele im Jahr 1984 liegt das Olympische Dorf in Sarajevo brach. Moos wächst über die Bobbahn und die Schanze zerfällt nach und nach. Das könnte sich in Zukunft jedoch ändern, denn es kursieren Pläne für einen Wiederaufbau der vergessenen Sportstätte.

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Die Sprungschanze des Olympischen Dorfes in Sarajevo verwittert.

Ort des Schreckens: Militärgefängnis Patarei, Tallinn, Estland

Einst galt es als das schrecklichste Gefängnis Estlands, heute ist Patarei in Tallinn ein wahrer Touristenmagnet. Ganze 80 Jahre lang wurden Menschen hinter den grauen Mauern an der Küste Estlands gefangen gehalten, gefoltert und gequält. In den winzigen Zellen ohne Tageslicht wurden sogar noch bis 2002 Gefangene festgehalten. Seitdem sind die Gänge dieses Schreckensortes verwaist – bis auf die Touristen, denen mit einem Café sogar ein noch angenehmer Aufenthalt bereitet werden soll. Trotz solcher Tourismus-Maßnahmen bleibt Patarei auch heute noch ein Ort mit düsterer Atmosphäre und unheimlicher Aura.

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Das ehemalige Militärgefängnis Patarei in Tallinn, Estland.

Gruselhotel mitten im Wald: Schlosshotel Waldlust, Freudenstadt, Deutschland

Geniale Aussicht und wunderschöne Zimmer in einem Jugendstil-Gebäude, all das bietet das Schlosshotel Waldlust – wenn man kein Problem mit Kälte, fehlendem Strom und einer gruseligen Vorgeschichte hat. Nächtliches Babygeschrei und herumirrende Seelen sind nur einige der Phänomene, die Besucher des verfallenen Geisterhotels schon beobachtet haben wollen. Wegen seiner pompös-verkommenen Kulisse und der ohnehin schon kursierenden Spukgeschichten bot das Hotel nicht nur einem Horrorfilm (Bela Kiss – Prologue), sondern auch dem ZDF-Krimi „Und tot bist du!“ von April 2019 die perfekte Location. Für interessierte Touristen bietet der Verein „Kulturdenkmale Freudenstadt" geführte Fototouren an.

„Lonely Planets 1000 einmalige Erlebnisse Europa", Lonely Planet, 368 Seiten, 22,95 Euro

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