Verkehrs-KollapsBonner Nordbrücke für Jahre dicht – Köln zittert vor den Folgen

Die Friedrich-Ebert-Brücke (Rheinbrücke Nord), eine wichtige Ost-West-Autobahnbrücke, bleibt für mindestens zwei Jahre für den Autoverkehr dicht.

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Die Friedrich-Ebert-Brücke (Rheinbrücke Nord), eine wichtige Ost-West-Autobahnbrücke, bleibt für mindestens zwei Jahre für den Autoverkehr dicht.

Die Bonner Nordbrücke ist für mehr als zwei Jahre komplett zu. Eine Katastrophe für Pendler und die gesamte Region mit heftigen Konsequenzen.

Die Nachricht am Freitag war erwartet worden, aber sie trifft die Region hart: Die Mängel an der Bonner Nordbrücke sind so heftig, dass jetzt das endgültige Aus beschlossen wurde. Die Vorbereitungen für den Abriss laufen an.

Bonns Oberbürgermeister Guido Déus (CDU) nannte es eine „schlimme Botschaft für Bonn und die Region“. Ein kleiner Trost: Für Radfahrer und Fußgänger soll die Brücke wohl ab dem Spätsommer wieder passierbar sein.

Was tut die Stadt Bonn gegen den Verkehrs-Infarkt?

 Sichtlich betroffen zeigte sich auch NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne). Der Grund: Die Autobahn GmbH kann nicht mehr garantieren, dass Teile der Vorlandbrücke halten.

Der Ausfall dieser zentralen Verkehrsachse für über zwei Jahre wird eine enorme Belastung für die Gegend sein. Der umgehende Beginn des Abrisses sei jedoch „ein klares Signal an die Region, dass hier gehandelt wird und nicht lange diskutiert wird“.

„Wir geben alles, um die Mobilität in unserer Stadt halbwegs aufrechtzuerhalten“, verspricht Oberbürgermeister Guido Déus (CDU). Seit der Sperrung hat die Stadt sofort gehandelt: Neue P+R-Plätze mit Shuttle-Bussen wurden eingerichtet, der Nahverkehr war bis Ende Juni gratis und auf den Straßen wurde Platz für Busse und Bahnen geschaffen. Die ersten Ergebnisse sind bereits sichtbar. „Inzwischen haben sich viele auf die neue Situation eingestellt. Wir zählen sehr viel mehr Radfahrende. Pendler nutzen vermehrt die P+R-Plätze, viele steigen auf den ÖPNV um.“

Ein krasses Beispiel: An der Kennedybrücke, die weiter südlich liegt, kletterte die Zahl der Radler von 8000 auf 19.000 täglich. Das Gratis-Ticket für den Nahverkehr wird es aber nach Juni nicht mehr geben – der Stadt fehlt das Geld.

ADAC warnt: „Worst-Case“ mit Schaden in Millionenhöhe

„Der Worst-Case ist eingetreten. Die temporäre Sperrung für Lkw und Pkw wird zum Dauerzustand für mindestens die nächsten zwei Jahre. 100.000 Fahrzeuge, die bisher täglich über die Nordbrücke gefahren sind, müssen sich jetzt im Großraum Bonn auf das restliche Straßennetz verteilen“, erklärt Roman Suthold, Verkehrsexperte vom ADAC Nordrhein.

Er rechnet vor: „Autofahrer müssen nach unserer Modellstudie pro Jahr Umwege von 50 Millionen Kilometern in Kauf nehmen, Lkw von 5,5 Millionen Kilometern. Der volkswirtschaftliche Schaden beträgt jährlich mehr als 170 Millionen Euro.“

Welche Auswege haben Pendlerinnen und Pendler?

Eine einfache Lösung gibt es nicht, vor allem weil auch die Bahnverbindungen zwischen Köln und Bonn oft von Ausfällen betroffen sind. „Einpendler nach Bonn sollten prüfen, ob sie P&R-Anlagen am Stadtrand nutzen und auf den ÖPNV umsteigen können. Pendler, die flexible Arbeitszeitmodelle nutzen können, sollten antizyklisch fahren und die Stoßzeiten meiden“, rät ADAC-Verkehrsexperte Suthold.

Sein Tipp: „Wir empfehlen, wo es möglich ist, Home-Office-Tage zu nutzen und diese verstärkt auf den Mittwoch oder Donnerstag zu legen, da an diesen Wochentagen die Staugefahr am größten ist.“

Lkw-Chaos auf der A4: Köln zittert schon

Frank Rock (CDU), Landrat im Rhein-Erft-Kreis, befürchtet eine Lkw-Lawine. Er rechnet damit, dass ein Drittel des Schwerlastverkehrs von der Nordbrücke auf die A4 ausweichen wird. Diese Einschätzung gab er bei einem Termin an der Anschlussstelle Klettenberg ab.

Er fordert eine bessere Planung der Umleitungen. Das betrifft nicht nur die weiträumigen Routen, sondern auch die Laster, die sich zwischen Klettenberg und Eifeltor über die Luxemburger Straße und den Militärring quälen.

A4-Brücke Eifeltor: Warum wird der Neubau nicht vorgezogen?

„Bisher gibt es die Vorgabe, dass wir uns mit dem Austausch der Brücke an den Sperrungen der Deutschen Bahn orientieren müssen“, erklärte Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD). Doch damit ist jetzt Schluss: „Das kann jetzt nicht mehr das Argument sein. Wir müssen die Planungen harmonisieren, weil das die Verkehrssituation nicht mehr zulässt.“

Zusammen mit Landrat Frank Rock appelliert Burmester an den Bund: Der Krisenstab für den Verkehr im Bonner Norden müsse sich auch um die Umleitungen kümmern, die durch Köln rollen. „Wir müssen einbezogen werden, weil diese Verkehre zum Großteil auch bei uns landen“, so Burmester.

Droht jetzt ein Lkw-Verbot auf der A4?

Für Kölns OB ist das Maß voll: Nachdem innerhalb von sechs Tagen über 3700 Lkw das Fahrverbot für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen an der Eifeltor-Brücke ignorierten, verlangt er großräumige Umleitungen. Diese sollen ähnlich wie damals bei der Sperrung der Leverkusener Rheinbrücke für Lkw aussehen.

Konkret könnte das ein totales Fahrverbot für schwere Laster auf der A4 zwischen dem Heumarer Dreieck und dem Kreuz Köln-West nach sich ziehen. „Wir müssen die Interessen der Region gegenüber dem Bund gemeinsam vertreten“, betonte Burmester.

Was bedeutet das auf lange Sicht für die Region?

Kölns Oberbürgermeister nimmt auch die Autobahn GmbH in die Pflicht: „Die Autobahn GmbH muss außerdem die Arbeiten auf dem Kölner Autobahnring insgesamt beschleunigen, um für eine deutliche Entlastung der Verkehrsinfrastruktur zu sorgen, damit der Verkehr im Drehkreuz des Westens wieder richtig fließen kann“.

Er zählt die Dauerbaustellen auf: „Die Rodenkirchener Brücke ist seit Jahren eine Baustelle, am Heumarer Dreieck ist kein Ende in Sicht, am Kreuz Köln-West wird seit Jahren gearbeitet. Bund und Land müssen mehr in die Erhaltung der Infrastruktur investieren, damit die Verkehrstüchtigkeit des Kölner Autobahnrings gesichert wird.“

Was steckt hinter dem „Sofortprogramm“?

Gemeinsam haben die Stadt Köln und der Rhein-Erft-Kreis einen Fünf-Punkte-Katalog erarbeitet. Die Forderungen umfassen: temporäre Verkehrsrouten zur Entlastung der Luxemburger Straße, optimierte Ampelphasen auf den Ausweichstrecken, smarte Verkehrsleitsysteme, mehr P&R-Parkflächen sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse. (red)

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