Autofahrende in der Region sind angespannt. Seit Anfang Juni ist die Bonner Nordbrücke gesperrt – mit katastrophalen Auswirkungen auf den Verkehr. Experten beraten über die weitere Vorgehensweise. Gibt es eine Teilfreigabe oder droht die Katastrophe?
Entscheidung um Bonner NordbrückeHat das Verkehrs-Chaos ein Ende oder droht der Super-Gau?

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Die Autobahn A565 führt auf der Bonner Nordbrücke (Friedrich-Ebert-Brücke) über den Rhein. Seit dem 3. Juni ist sie gesperrt. Wie geht es weiter?
Die Blockade der Autobahn-Querung im Norden von Bonn hat die gesamte Region in ein massives Verkehrs-Chaos gestürzt. Mit großer Anspannung wird deshalb die Entscheidung über das Schicksal des Bauwerks erwartet, die von der Autobahn GmbH für diese Woche in Aussicht gestellt wurde.
Wird die Querung wieder befahrbar? Wer trägt die Verantwortung für die Blockade? Und könnten ähnliche Szenarien auch an anderen Orfen drohen? Was erwarten Experten? Droht der Rodenkirchener Brücke und der Wiehltalbrücke dasselbe Schicksal? Und wer hat Schuld?
Welche Entscheidung wird für die Zukunft der Bonner Nordbrücke erwartet?
Roman Suthold, Verkehrsfachmann des ADAC Nordrhein, äußert die Vermutung, dass die Brücke zumindest für Menschen zu Fuß und mit dem Rad wieder zugänglich gemacht wird. Seiner Einschätzung nach könnten auch Pkw wieder passieren, sollte die Vorlandbrücke entsprechend ertüchtigt werden.
Dies könnte sich jedoch über Monate erstrecken. „Der Neubau dürfte sich mindestens bis in die 30er Jahre hinziehen.“ Dass Lastwagen die Brücke erneut nutzen dürfen, erachtet Suthold hingegen als sehr unwahrscheinlich. Er verdeutlicht: „Ein einzelner 40-Tonner belastet eine Brücke so stark wie 60.000 Pkw“.
Ocke Hamann, der als verkehrspolitischer Sprecher für die Industrie- und Handelskammer in NRW tätig ist, zeigt sich mit einer Vorhersage zurückhaltend. Zwar bestehe die Hoffnung auf eine teilweise Öffnung. „Gleichzeitig gilt: Sicherheit geht vor.“
Untersuchungen dieser Art seien äußerst kompliziert; nur eine Handvoll Fachleute könne diese im Detail nachvollziehen. „Deswegen können wir zur Prognose aktuell nichts sagen.“ Eines sei jedoch gewiss: „Bleibt die Nordbrücke gesperrt, ist das für die Region eine Katastrophe. Auch wenn sie teilweise wieder freigegeben werden könnte, wäre der Schaden riesig.“

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Fahrzeuge stehen auf der Kennedybrücke in der Bonner Innenstadt im Stau. Nach Sperrung der Nordbrücke verdichtet sich der Verkehr in der Innenstadt.
Rodenkirchener Brücke und Wiehltalbrücke: Droht dasselbe Schicksal?
Die Fachleute betrachten die Bonner Nordbrücke nicht als isoliertes Problem. Suthold benennt als nächstes kritisches Bauwerk die Rodenkirchener Brücke im Süden von Köln, welche durch die Sperrung in Bonn einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt ist. Er meint, auch dort könnte ein Rückbau mit anschließendem Neubau die sinnvollste Lösung sein. Überdies sei die Wiehltalbrücke auf der A4 im Oberbergischen Kreis baufällig.
Das Problem habe eine weitaus größere Dimension, erklärte Hamann. In Nordrhein-Westfalen befänden sich ungefähr 2.500 Brücken in einem mangelhaften Zustand. Diese müssten in den kommenden Jahren saniert oder ausgetauscht werden – eine höhere Anzahl als in jedem anderen Bundesland. Zukünftige Sperrungen oder Nutzungsbeschränkungen seien aus diesem Grund äußerst wahrscheinlich. „Keiner weiß genau, welche es als Nächstes treffen wird. Besonders auf die Brücken über den Rhein blicken wir mit großer Sorge“, teilte Hamann der Deutschen Presse-Agentur mit.
Wer trägt die Schuld an der Brücken-Misere in NRW?
Laut Suthold wogen Lastkraftwagen zur Zeit der Planung der meisten Brücken oft nur etwa 24 Tonnen, während es heute bis zu 44 Tonnen sind. Obendrein war das heutige Verkehrsaufkommen von Lkw und Pkw damals nicht vorhersehbar. Der Verkehrsfachmann geht auch aus diesem Grund davon aus, dass die Bonner Nordbrücke wohl nicht das einzige Bauwerk mit derartigen Schwierigkeiten bleiben wird.
Zusätzlich hätten Experten schon seit der Jahrtausendwende vor baufälligen Brücken in Deutschland gewarnt. „Die Politik hat aber zu lange weggehört“, hebt Suthold hervor. Man habe erst mit dem Handeln begonnen, als die ersten bedeutenden Autobahnbrücken geschlossen werden mussten. „Jetzt rennt man mit den Sanierungen hinterher.“
Das Risiko für Situationen wie in Bonn verringert sich laut Hamann nur, wenn Planungs- und Bauprozesse auf Landes- und Bundesebene beschleunigt werden. „Die Sperrungen nehmen zu, das Tempo aber nicht – das ist nicht nachvollziehbar.“ Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz des Bundes stelle einen guten Anfang dar, laufe aber Gefahr, an Wirkung zu verlieren. „Ja, Planung ist immer auch ein Kompromiss. Aber eine Brücke an der gleichen Stelle neu zu bauen – das muss in zwei Jahren möglich sein.“ (dpa/red/jv)
