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„Von Rotzlöffel angefahren“E-Scooter-Debatte nimmt Fahrt auf

Die Debatte um E-Scooter in Köln geht weiter. (Symbolfoto)

Copyright: Jens Büttner/dpa

Die Debatte um E-Scooter in Köln geht weiter. (Symbolfoto)

Aktualisiert:

E-Scooter gehören seit Jahren zum Kölner Stadtbild. Doch der Frust wächst. 

Die Debatte um die E-Scooter – sie nimmt erneut Fahrt auf. Nachdem eine Anwohnerin aus Vingst ihre Sorgen und Ängste öffentlich machte, haben EXPRESS.de zahlreiche Nachrichten erreicht.

Keine Frage, E-Scooter sind praktisch, um in der Stadt schnell eine Wegstrecke zurückzulegen. Doch die flinken Roller bergen auch Gefahren und sorgen bei vielen für Frust. Ob aus Leichtsinn oder Rücksichtslosigkeit.

„Man sollte die Dinger in Köln verbieten“

In Vingst, so schilderte die Anwohnerin, schießen Menschen auf Elektrorollern oder Fahrrädern ohne Vorwarnung an Passanten vorbei. Zudem liegen die Scooter überall herum. Ein Zustand, der auch in anderen Kölner Veedeln beobachtet wird.

„Es wird ja zum Teil mit drei bis vier Personen auf einem E-Roller gefahren“, so die Beobachtung eines EXPRESS.de-Lesers aus Köln-Kalk. Das sähe man täglich in der Burg-, Dillenburger-,  Passauer- oder Taunusstraße. „Man sollte die Dinger in Köln verbieten“, so seine Forderung.

EXPRESS.de-Leser Jörg M. kann den elektrobetriebenen Rollern ebenfalls wenig Positives abgewinnen. Er sagt: „Der E-Scooter-Wahnsinn wird immer schlimmer. Das kann ich durch tägliche Erfahrungen nur bestätigen.“ Häufig könne man E-Scooter sehen, die noch die alte Versicherungsplakette haben. „Man muss sich einfach mal mit der S-Bahn morgens auf den Weg machen. Oder an Schulen, wo dann bevorzugt immer zwei auf dem Scooter stehen“, so seine Beobachtungen.

Gerade an Schulen herrsche aus seiner Sicht „Chaos pur“. Dazu habe gefühlt jeder Dritte das Handy in der Hand. „Es ist eigentlich ein Wunder, dass nicht täglich schwerste Unfälle zu verzeichnen sind“, schreibt uns Jörg M. weiter. Sein Vorschlag: „Ich würde Schwerpunktkontrollen durchführen: an Schulen, in den Einkaufspassagen, an Bahnhöfen etc. Die Stadt Köln käme mit dem Eintreiben von Bußgeldern nicht hinterher.“

Für EXPRESS.de-Leser Daniel kommt erschwerend hinzu, dass sich einige E-Scooter-Fahrer rücksichtslos gegenüber anderen Verkehrsteilnehmenden verhalten. „Diese Raserei, manchmal zwei Personen auf einem Scooter, das wilde Abstellen der Fahrzeuge, welche auch oft quer auf dem Fußweg liegen, sehe ich als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Worunter auch Fußwege mit einbezogen sind“, bemängelt er.

Auch Daniel macht sich Gedanken, wie sich das Problem lösen ließe. „Als Sanktion könnte ich mir eine Überarbeitung der App vorstellen. Jedes Fahrzeug sollte ordnungsgemäß an dafür vorgesehenen Standorten abgestellt werden. Wenn dieses nicht passiert, könnte man zusätzliche Kosten über die Handyrechnung einbeziehen.“ 


E-Scooter: tolle Sache oder lebensgefährlich? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

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Das Problem, das unter anderem die Anwohnerin aus Vingst beschreibt, hat nach Ansicht von EXPRESS.de-Leser Markus einen anderen Hintergrund. „Es war und ist auch so extrem, weil es seit einiger Zeit einen neuen Anbieter gibt“, schreibt er. Dieser soll Kunden und Kundinnen ein Freifahrtkontingent zur Verfügung stellen. Er beobachtet zudem, dass immer jüngere Nutzer auf den Scootern unterwegs sind.

Ob die Roller geknackt und so illegal freigeschaltet werden, oder ob Ältere sie freischalten, ist unklar. Markus findet, es sollte auch „im Interesse der Anbieter verfolgt werden“. Seine Sorge ist, dass sich nichts tut, bis dann wirklich was passiert und Scooter-Fahrer von Autos angefahren werden, oder noch schlimmer, „ein altes Mütterchen wird mit ihrem Hund beim Gassi gehen von so einem Rotzlöffel angefahren“.

Die Stadt Köln kennt die Problematik und geht seit Jahren im Rahmen ihrer Möglichkeiten dagegen vor. „In Köln werden die ordnungswidrig abgestellten E-Scooter von den Mitarbeitenden des Verkehrsdienstes überwacht und verwarnt. Sie sind dafür zuständig, die falsch abgestellten Fahrzeuge zu dokumentieren und den jeweiligen Anbieter zu benachrichtigen“, sagte uns vor Monaten bereits Sprecher Robert Baumanns.

Welche Regeln gelten für E-Scooter?

Für die E-Scooter gelten übrigens klare Regelungen, die der ADAC zusammengefasst hat. Hier ein Überblick:

  1. E-Scooter unterliegen wie Elektroroller und Segways der Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge (EKfV)
  2. Für E-Scooter benötigt man weder eine Mofa-Prüfbescheinigung, noch einen Führerschein. Das Mindestalter liegt bei 14 Jahren.
  3. Es darf immer nur eine Person auf einem E-Scooter fahren.
  4. Für Elektroroller-Fahrer gelten dieselben Alkoholgrenzwerte wie für Autofahrende.
  5. Wer mit 0,5 bis 1,09 Promille fährt und erwischt wird, muss mit einem Bußgeldbescheid rechnen. Dieser liegt in der Regel bei 500 Euro, einem Monat Fahrverbot und zwei Punkten in Flensburg.
  6. Wer mit mindestens 1,1 Promille mit dem E-Scooter unterwegs ist, begeht eine  Straftat. Dieser liegt übrigens auch schon ab 0,3 Promille vor, sofern der Fahrende alkoholbedingte Ausfallerscheinungen zeigt.
  7. Wer jünger als 21 Jahre und/oder  Führerscheinneuling in der Probezeit ist, darf gar nicht unter Alkoholeinfluss fahren. Hier gilt die 0,0-Promille-Grenze.
  8. E-Scooter unterliegen der Versicherungspflicht
  9. Eine Helmpflicht gibt es nicht – nur eine dringende Empfehlung.
  10. E-Scooter sind auf Radwegen, Radfahrstreifen und in Fahrradstraßen erlaubt. Fehlen diese, darf man auf die Fahrbahn ausweichen.
  11. Auf dem Gehweg, in der Fußgängerzone und in Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung sind die kleinen E-Roller verboten.

Welche Bußgelder drohen bei Verstößen mit dem E-Scooter?

  1. Fahren auf dem Gehweg: 15 bis 30 €
  2. Fahren auf der Autobahn: 20 €
  3. Fahren ohne Versicherungskennzeichen: 40 €
  4. Fahren ohne Betriebserlaubnis: 70 €
  5. Nebeneinanderfahren: 15 bis 30 €
  6. Bei Rot über die Ampel fahren: 60 und 180 €
  7. Handy während der Fahrt nutzen: 100 €, 1 Punkt

Statistiken zeigen: Unfälle mit E-Scootern haben in den vergangenen Jahren zugenommen, nicht nur in Köln, sondern deutschlandweit. Die Debatte um die Roller – sie wird uns weiter beschäftigen.

Weil sich offenbar Graffiti-Sprayer auf der Strecke befinden, wurde der Bahnverkehr am Hansaring unterbrochen. Das Symbolfoto zeigt die KVB-Haltestelle Geldernstraße/Parkgürtel.

Bereich Köln-Hansaring

Graffiti-Sprayer blockierten Bahnstrecke – Zugausfälle