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Eine Millionenstadt im WandelImmer mehr Kölner sterben – Zahl der Kinder sinkt

Köln hat sich innerhalb der letzten Jahre ganz schön verändert (Archivbild).

Copyright: IMAGO/Vitalii Kliuiev

Köln hat sich innerhalb der letzten Jahre ganz schön verändert (Archivbild).

Eine Millionenstadt im Wandel: Wie sehr hat sich Köln innerhalb von zwölf Jahren verändert?

Wie verändert sich eine Millionenstadt innerhalb von zwölf Jahren – demografisch, sozial, in ihrer Mobilität?

Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln erfasst die Entwicklungen am Rhein seit Jahren genau: Köln wächst, altert, wird internationaler – und fährt mehr Auto denn je. Die Auswertung des Statistischen Datenkatalogs für die Jahre 2012 bis 2024 zeigt, welche Entwicklungen die Stadt prägen – und welche Weichen heute gestellt werden müssen.

Köln im Wandel: So hat sich die Stadt in zwölf Jahren verändert

  1. Köln wächst – aber nicht durch Geburten: Die Einwohnerzahl stieg von 1.044.555 (2012) auf 1.097.519 (2024). Allerdings nicht durch Geburten. Nach dem Geburtenhoch von 11.810 im Jahr 2016 fielen die Zahlen auf nur noch 9.145 im Jahr 2024 – ein Rückgang von mehr als 22 Prozent in acht Jahren. Seit 2022 sterben in Köln mehr Menschen als geboren werden – 2024 standen 9.145 Geburten 10.485 Sterbefällen gegenüber. Dass die Stadt dennoch wächst, liegt ausschließlich am Zuzug. Ohne Zuwanderung würde Köln schrumpfen.
  2. Fast jede zweite Person hat Migrationshintergrund: Der Anteil stieg von 35,1 Prozent (2012) auf 42,7 Prozent (2024). Gleichzeitig wuchs der Anteil von Personen ohne deutschen Pass von 17,3 Prozent auf 21,2 Prozent. Köln ist in zwölf Jahren erheblich internationaler geworden – und auch bunter als Deutschland insgesamt. Bundesweit hatte knapp jede dritte Person einen Migrationshintergrund.
  3. Die Stadt wird älter: Das Durchschnittsalter stieg von 41,9 Jahren (2012) auf 42,5 Jahre (2024). Kein einziges Jahr verlief gegenläufig. Köln ist als Großstadt aber deutlich jünger als der Bundesdurchschnitt – typisch für urbane Zentren mit hoher Zuwanderung und Studierendenanteil. In Deutschland betrug das Durchschnittsalter 45 Jahre.
  4. Rekordhoch bei Hochbetagten: Die Zahl der über 80-Jährigen wuchs von 46.426 auf 64.348 – ein Plus von fast 39 Prozent in zwölf Jahren. Diese Entwicklung stellt Pflege, Gesundheitsversorgung und städtische Infrastruktur vor wachsende Herausforderungen.
  5. Immer weniger Kleinkinder in der Stadt: Die Zahl der unter 3-Jährigen sank von 33.797 (2016) auf nur noch 27.444 (2024) – ein Rückgang von rund 19 Prozent.
  6. Köln ist die Stadt der Singles: Mehr als die Hälfte aller Haushalte – 51,9 Prozent im Jahr 2024 – sind Einpersonenhaushalte. Der Single-Anteil lag in Köln damit deutlich über dem nationalen Schnitt (42 Prozent) – typisch für junge, urbane Metropolen. Bereits 2012 lag die Quote über 50 Prozent, seitdem steigt sie kontinuierlich. Eine Entwicklung mit weitreichenden Folgen für den Wohnungsmarkt.
  7. Familienhaushalte werden seltener: Der Anteil von Haushalten mit Kindern sank demgegenüber von 18,2 Prozent (2012) auf 17,9 Prozent (2024). Zusammen mit dem Geburtenrückgang ergibt sich ein klares Bild: Köln wird urbaner, kinderärmer – und strukturell älter.
  8. Arbeitslosenquote bleibt vergleichsweise hoch: Die Arbeitslosenquote lag 2012 bei 9,0 Prozent und 2024 bei 8,8 Prozent. Dazwischen: ein kurzer Tiefpunkt von 7,4 Prozent (2018/2019) – und der Corona-Schock 2020 mit 9,4 Prozent. Trotz Konjunkturphasen ist Köln strukturell eine Stadt mit vergleichsweise hoher Arbeitslosigkeit geblieben: 2024 lag sie in der Stadt fast doppelt so hoch wie der nationale Durchschnitt (5,9 Prozent).
  9. E-Auto-Boom – von der Randnotiz zur Massenerscheinung: 310 zugelassene Elektrofahrzeuge im Jahr 2012 – 20.280 im Jahr 2024. Ein Anstieg um mehr als 6400 Prozent, Tendenz steigend. Allein zwischen 2022 und 2024 verdoppelte sich die Zahl nahezu. Die E-Wende hat in Köln messbar Fahrt aufgenommen.
  10. Diesel stirbt – leise, aber konsequent: Vom Höchststand 2017 mit 159.592 Diesel-KFZ sank die Zahl auf 112.595 im Jahr 2024 – ein Rückgang von 30 Prozent in sieben Jahren. Die Fahrverbot-Debatten der vergangenen Jahre hinterlassen sichtbare Spuren in der Zulassungsstatistik.
  11. Benziner im Rückzug: Bis 2019 stiegen Benziner-Zulassungen auf 328.532 – seitdem fallen sie kontinuierlich. 2024: 299.347. Der Verbrenner verliert, auch wenn er noch dominiert.
  12. Mehr Autos als je zuvor – trotz Klimawende: Die Anzahl der Pkw je 1000 Einwohner stieg von 353 (2012) auf 371 (2024). Im Deutschland-Vergleich fährt Köln aber deutlich weniger Auto: Im Bundesschnitt sind es rund 590 Autos je 1000 Einwohner. Die Gesamtzahl der zugelassenen Pkw in Köln wuchs von 436.145 auf 496 526 – es gibt also fast eine halbe Million Autos in der Stadt. Trotz E-Boom, Radwegen und ÖPNV-Ausbau: Köln fährt mehr Auto denn je.

So ist die Lage in den Stadtteilen

Köln altert – aber nicht überall gleich: Das Durchschnittsalter der Kölnerinnen und Kölner lag 2024 bei 42,5 Jahren. Doch zwischen den Stadtteilen klaffte eine Lücke von durchschnittlich fast zwölf Jahren: Gremberghoven ist mit einem Schnitt von 37,1 Jahren der jüngste Stadtteil der Stadt, Riehl mit 48,7 Jahren der älteste – dort ist zudem jede achte Person über 80 Jahre alt. Ähnlich hoch ist der Anteil der Hochbetagten in Rodenkirchen (10,7 Prozent) und Pesch (10,2 Prozent). In Kalk oder Ostheim liegt das Durchschnittsalter unter 40 Jahren.

Auch in Sachen Herkunft sieht die Lage in den Stadtteilen unterschiedlich aus: Stadtweit hat knapp jede fünfte Person (21,2 Prozent) keinen deutschen Pass. In einzelnen Stadtteilen ist das Bild jedoch deutlich extremer: In Finkenberg besitzt fast jeder Zweite (48,6 Prozent) keine deutsche Staatsangehörigkeit, wenn man den Migrationshintergrund hinzunimmt, liegt dieser Wert bei 86,9 Prozent – fast neun von zehn Menschen. Ähnliches gilt für Chorweiler (40,1 Prozent Nichtdeutsche, 82,1 Prozent mit Migrationshintergrund). Das andere Extrem: Klettenberg (9,4 Prozent) und Hahnwald (10,6 Prozent) – wohlhabende Wohnviertel im Süden der Stadt, in denen Nichtdeutsche deutlich in der Minderheit sind.

Single-Hochburgen und Familien-Inseln: Mehr als die Hälfte aller Kölner Haushalte (51,9 Prozent) sind Einpersonenhaushalte – in der Altstadt/Nord sind es sogar 71,6 Prozent, in der Altstadt/Süd 70,6 Prozent, in der Neustadt/Süd 68,6 Prozent. Die innerstädtischen Viertel sind Hochburgen des Singlelebens. Familien zieht es an den Rand: In Widdersdorf ist mehr als jeder dritte Haushalt (35,2 Prozent) ein Familienhaushalt mit Kindern – mehr als doppelt so viel wie im Kölner Schnitt (17,9 Prozent). Entsprechend wächst die Bevölkerung an eben diesen Rändern: Elsdorf legte zwischen 2016 und 2024 um 33,7 Prozent zu, Fühlingen um 20,9 Prozent, Ossendorf um 18,4 Prozent. Innenstadtnahe oder ältere Wohnviertel verlieren dagegen in puncto Bevölkerungswachstum: Blumenberg schrumpfte um 7,8 Prozent, Müngersdorf und Bilderstöckchen um je rund 5 Prozent.

Herausforderungen für Köln

Weniger Geburten, mehr Sterbefälle, eine rasant alternde Bevölkerung und eine Arbeitslosenquote, die seit zwölf Jahren hartnäckig über dem Bundesdurchschnitt verharrt: Die Daten zeichnen das Bild einer Stadt unter Druck. Gleichzeitig wird Köln internationaler, sie ist jünger als der Rest Deutschlands – und ist auf Zuwanderung angewiesen wie nie zuvor. Fast jede zweite Person hat heute einen Migrationshintergrund. Ohne diese Menschen würde Köln schrumpfen.

Die Politik steht dabei vor massiven Herausforderungen. Es braucht mehr Pflegeplätze, mehr bezahlbaren Wohnraum, eine attraktive Familienpolitik – und all das bei einer Haushaltslage, die wenig Spielraum lässt. Hinzu kommt die Verkehrswende: Noch nie gab es so viele Autos in Köln wie heute, und immer mehr von ihnen fahren elektrisch – und brauchen Lademöglichkeiten in der Stadt. Die Daten der vergangenen zwölf Jahre zeigen deutlich: Es ist bereits viel passiert – doch es gibt noch viel zu tun. 

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