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Der unsichtbare BeziehungskillerWarum deine eigenen Gedanken deine Liebe zerstören

Copyright: Louisa Noack / image generator pro

Zwischen Nähe und Distanz: Während sie in Gedanken versinkt, zieht er sich zurück – ein Sinnbild dafür, wie Sorgen und Grübeleien Beziehungen leise auseinanderdriften lassen.

Hier wird’s heiß und ehrlich: Du wirst nicht betrogen, ihr streitet kaum und trotzdem kippt eure Beziehung? Dann könnte der größte Feind längst eingezogen sein. In deinen Kopf. 

Er ist leise. Unsichtbar. Und brutal effektiv. Nicht der Ex, nicht der Alltag, nicht fehlende Leidenschaft – sondern deine eigenen Gedanken können eine Beziehung langsam zersetzen. Zweifel, Sorgen, Grübeleien. Sie kommen oft harmlos daher, wirken aber wie ein schleichendes Gift. Der Autor Martin Wehrle beschreibt einen Mechanismus, der vielen Paaren zum Verhängnis wird: Wer Angst hat, verlassen zu werden, beginnt zu klammern. Und genau dieses Klammern erzeugt Druck. Der Partner fühlt sich eingeengt und geht auf Distanz.

Das Ergebnis: Genau das, was man verzweifelt verhindern wollte, tritt ein. Eine klassische selbsterfüllende Prophezeiung.

Noch perfider wird es, wenn Sorgen nicht erkannt werden. Dann werden sie ausgelagert. Plötzlich ist der andere „komisch“, „distanziert“ oder „nicht mehr wie früher“. In Wahrheit ist es oft die eigene Angst, die durch die Beziehung spricht.

Der Psychiater Carl Gustav Jung nannte das den „Schatten“: Seiten an uns selbst, die wir nicht sehen wollen, tauchen beim Partner wieder auf. Beziehungen werden so zu einem Spiegel und manchmal zeigt er Dinge, die wir lieber übersehen würden. Die bittere Wahrheit: Viele sabotieren ihr Liebesglück, obwohl eigentlich alles gut läuft.

Der Grund liegt tief im Gehirn. Es will uns schützen, scannt permanent nach Gefahren, und zwar auch dann, wenn gar keine da sind. Ein kleiner Zweifel wird zur großen Bedrohung. Ein Gedanke wird zur vermeintlichen Wahrheit. Doch genau hier liegt der Ausweg. In der Psychologie spricht man von „Defusion“: Abstand zu den eigenen Gedanken gewinnen. Nur weil du etwas denkst, heißt das nicht, dass es stimmt.

Copyright: André Heeger

Martin Wehrle erklärt, warum Sorgen in Beziehungen oft mehr zerstören als offene Konflikte – und wie wir lernen können, unsere Gedanken nicht alles bestimmen zu lassen.

Oder einfacher gesagt: Nicht jeder Gedanke verdient es, geglaubt zu werden. Wer es schafft, diese innere Lautstärke runterzudrehen, verändert oft die komplette Beziehung. Gelassenheit wirkt anziehend. Vertrauen entspannt. Nähe entsteht wieder dort, wo vorher Druck war.

Wehrle bringt es auf ein starkes Bild: Ein Vogel bleibt nur sitzen, wenn man die Hand offen hält. Wer fest zugreift, vertreibt ihn. Und manchmal beginnt die Rettung der Beziehung mit einer überraschend kleinen Frage: Was war heute schön zwischen uns? Ein kurzer Moment. Ein Lächeln. Ein Satz. Klingt unspektakulär, kann aber der Anfang sein, den Fokus neu zu setzen. Weg von Angst. Hin zu dem, was wirklich da ist.

Du brauchst Unterstützung, hast Fragen zu deiner Beziehung oder steckst gerade fest? Dann melde dich bei mir. ich arbeite als Paartherapeutin in eigener Praxis und er Kölner Innenstadt. Mehr Infos und Kontaktmöglichkeiten findest du unter: www.kommwirreden.de

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FAQ - Martin Wehrle im Interview

Warum zerstören Sorgen Beziehungen so stark?

Weil sie Verhalten verändern. Wer Angst hat, reagiert oft mit Kontrolle, Rückzug oder Klammern – und genau das belastet die Beziehung.

Was ist eine selbsterfüllende Prophezeiung in Beziehungen?

Man verhält sich aufgrund einer Angst so, dass genau das eintritt, wovor man sich fürchtet – zum Beispiel durch Klammern oder Misstrauen.

Warum projizieren wir unsere Ängste auf den Partner?

Weil es leichter ist, sie im Außen zu sehen, als sich selbst damit auseinanderzusetzen. Beziehungen wirken dabei wie ein Spiegel.

Was bedeutet „Defusion“ konkret?

Gedanken nicht sofort als Wahrheit sehen, sondern prüfen: Gibt es echte Hinweise – oder ist es nur eine Befürchtung?

Was kann ich konkret tun, wenn ich viel grüble?

Den Fokus bewusst umlenken. Zum Beispiel jeden Tag einen positiven Moment in der Beziehung festhalten. Das stärkt die Wahrnehmung für das, was gut läuft.

Copyright: MOSAIK Verlag

Das neue Buch von Martin Wehrle. In „Wer wärst du ohne deine Sorgen?“ zeigt er, wie Grübelschleifen entstehen, warum sie uns im Alltag und in Beziehungen blockieren – und wie wir Schritt für Schritt mehr Gelassenheit entwickeln können.

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Therapeutische Einschätzung

Sorgen in Beziehungen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern oft ein Hinweis auf innere Unsicherheit oder alte Erfahrungen.

Gerade Verlustangst entsteht selten im Hier und Jetzt, sondern hat oft eine Geschichte. Wer das versteht, kann anfangen, anders damit umzugehen. Der entscheidende Punkt ist: Gefühle ernst nehmen, aber nicht automatisch nach ihnen handeln.

Viele Menschen reagieren direkt auf ihre Angst. Sie klammern, kontrollieren oder ziehen sich zurück. Doch genau das verstärkt die Dynamik, die sie eigentlich vermeiden wollen.

Der gesündere Weg liegt dazwischen: wahrnehmen, benennen, einordnen. Ein Satz kann dabei schon viel verändern: „Ich merke gerade, dass ich Angst habe – aber ich weiß nicht, ob sie wirklich mit dir zu tun hat.“ Das schafft Nähe statt Druck.

Und genau darum geht es am Ende: nicht darum, keine Sorgen mehr zu haben, sondern zu lernen, dass sie nicht die Regie übernehmen.

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