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Kölns rücksichtslose RaserIrrsinn in Raderthal: Mit 203 km/h in der 50er-Zone

Mobiler Blitzer in der Innenstadt von Köln (Archivbild): 451.735 Geschwindigkeitsverstöße wurden 2025 von der Stadt Köln erfasst.

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Mobiler Blitzer in der Innenstadt von Köln (Archivbild): 451.735 Geschwindigkeitsverstöße wurden 2025 von der Stadt Köln erfasst.

451.735 Mal haben Kölns Blitzer im Jahr 2025 ausgelöst. Eine Datenauswertung zeigt nun, wo vor allem gerast wird, wer erwischt wird – und was die Zahlen über Kölns Straßen noch verraten.

Fast eine halbe Million Mal haben Blitzer in Köln im Jahr 2025 ausgelöst. Das geht aus den Rohdaten der städtischen Geschwindigkeitsüberwachung hervor, die öffentlich zugänglich sind.

Unsere Redaktion hat den Datensatz ausgewertet – und stieß dabei auf Zahlen, die aufhorchen lassen.

Da ist der Fahrer, der am Raderthalgürtel mit 203 km/h in einer 50er-Zone geblitzt wurde. Oder der Sattelzug mit Gefahrgut, der durch ein Wohngebiet preschte. Die Zahlen geben einen Einblick in die Rücksichtslosigkeit vieler Fahrer.

Erfasst sind in diesem Datensatz ausschließlich Fälle, die vom städtischen Ordnungs- und Verkehrsdienst dokumentiert wurden. Polizeiliche Kontrollen fehlen – die tatsächliche Zahl der Verstöße auf Kölns Straßen ist also noch deutlich höher.

Wenn Kölner Straßen zur Rennstrecke werden

  1. Fast eine halbe Million Verstöße in einem Jahr. 451.735 Geschwindigkeitsverstöße wurden 2025 von der Stadt Köln erfasst – das entspricht 1.238 Verstößen pro Tag, rund 52 pro Stunde.
  2. Schnellster Raser: 203 km/h in der 50er-Zone. Den traurigen Rekord des Jahres hält ein Fahrzeug mit Düsseldorfer Kennzeichen: Im April wurde es am Raderthalgürtel mit 203 km/h gemessen – bei erlaubten 50 km/h. Das ist eine Überschreitung von satten 146 km/h. Bei einer Überschreitung von mehr als 70 km/h innerorts drohen laut Bußgeldkatalog 3.000 Euro Bußgeld, drei Monate Fahrverbot und drei Punkte in Flensburg – sowie bei strafrechtlicher Relevanz eine Anzeige wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, die zu Führerscheinentzug und sogar Freiheitsstrafe führen kann.
  3. Kölns aktivster Blitzer: Bundesstraße 55a – täglich 186 Raser. Der meistauslösende Blitzer der Stadt steht an der B55a Höhe Ausfahrt Frankfurter Straße: 25.419 Verstöße im Jahr, im Schnitt 186 pro Tag. An einem einzigen Tag löste er 788 Mal aus. Die maximale Überschreitung dort: +105 km/h bei erlaubten 80 km/h.
  4. Nachts wird am schlimmsten gerast. Jeder sechste Verstoß in Köln – 16,6 Prozent – fällt in die Nachtstunden zwischen 22 und 5 Uhr. Tagsüber sind zwar deutlich mehr Raser unterwegs, doch nachts fahren sie gefährlicher: Die durchschnittliche Überschreitung liegt dort mit +10,6 km/h merklich höher als in den Tagesstunden (+9,5 km/h).
  5. Über die Hälfte der Raser sind keine Kölner. 51,5 Prozent aller geblitzten Fahrzeuge tragen kein Kölner Kennzeichen. Die häufigsten auswärtigen Temposünder kommen aus dem Rhein-Erft-Kreis (BM-, 32.093 Fälle), dem Rheinisch-Bergischen Kreis (GL-, 25.708) und dem Rhein-Sieg-Kreis (SU-, 16.640). Darunter fallen auch Fahrzeuge von Autovermietungen.
  6. Innere Kanalstraße: Kölns teuerste Straße – über 37.000 Verstöße. Gleich mehrere Blitzer auf der Inneren Kanalstraße in der Neustadt/Nord registrierten zusammen weit über 37.000 Verstöße im Jahr 2025. Die Straße ist damit eine der meistüberwachten in ganz Köln.
  7. Fast 14 Mal täglich: Fahrzeuge mit über 100 km/h in der Stadt. 5.096 Mal wurde 2025 innerhalb des Stadtgebiets ein Fahrzeug mit mindestens 100 km/h geblitzt – auf Straßen, auf denen höchstens 80 km/h erlaubt sind. Das sind im Schnitt knapp 14 solcher Geschwindigkeitsüberschreitungen pro Tag.
  8. Oktober, der rasanteste Monat. Die meisten absoluten Verstöße gab es im Oktober (43.092). Januar und Februar waren mit Abstand die ruhigsten Monate (je rund 25.000 Verstöße).
  9. 199 Mal mehr als 50 km/h zu schnell – mit drastischen Konsequenzen. In 199 Fällen überschritten Fahrer die erlaubte Höchstgeschwindigkeit um mehr als 50 km/h. Das ist die kritische Schwelle, ab der auch Fahranfänger in der Probezeit sofort mit dem Entzug des Führerscheins rechnen müssen. Die drohende Strafe: 800 Euro Bußgeld, drei Monate Fahrverbot, drei Punkte – und in besonders krassen Fällen ein Strafverfahren wegen Gefährdung des Straßenverkehrs.
  10. Sattelzug mit Gefahrgut raste durch Wohngebiet. Gleich dreimal wurde 2025 ein Sattelzug mit kennzeichnungspflichtigen Gefahrgütern beim Rasen erwischt – darunter einer mit 47 km/h in der 30er-Zone der Vitalisstraße in Bickendorf. Was genau transportiert wurde, verraten die Daten nicht. Für Anwohner dürfte die Vorstellung eines rasenden Gefahrguttransporters durch ihre Straße trotzdem wenig beruhigend sein.

Wer in Köln zu schnell fährt, muss damit rechnen, erwischt zu werden – und zwar überall. Das betont die Stadt selbst unmissverständlich auf ihrer Website.

So überwacht Köln seine Straßen

Der städtische Ordnungs- und Verkehrsdienst überwacht die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeiten laut eigenen Angaben derzeit mit sechs Radarwagen, drei Stativen und 13 semistationären Anlagen – verteilt auf mehr als 2.400 Messstellen im gesamten Stadtgebiet. Hinzu kommen über 50 fest installierte stationäre Blitzer, darunter auf der Zoobrücke, der Severinsbrücke, der Inneren Kanalstraße und der Stadtautobahn B55a. 

Die Standorte werden dabei nicht zufällig gewählt. Laut Stadt konzentriert sich die Überwachung auf sogenannte Gefahrenstellen: Unfallhäufungsstellen, Strecken in der Nähe von Schulen, Kitas, Spielplätzen, Krankenhäusern und Seniorenheimen – also überall dort, wo besonders schutzbedürftige Menschen unterwegs sind. Dabei müsse man, so die Stadt, nicht erst auf schwere Unfälle warten: Kontrolliert werden darf bereits im Vorfeld an Stellen, an denen eine erhöhte Unfallgefahr anzunehmen ist.

Bürgerinnen und Bürger können übrigens selbst mitbestimmen, wo geblitzt wird: Die Stadt bittet ausdrücklich darum, Gefahrenpunkte zu melden. Der Verkehrsdienst prüft dann, ob dort künftig Kontrollen stattfinden können.

Lastwagen stehen vor dem Eingangstor zum Blumengroßmarkt in Köln-Riehl. Der wird jetzt vermehrt von Lkw angesteuert. Die Aufnahme wurde am 11. März 2026 um 16.15 Uhr aufgenommen.

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