Mit ihren Songs voller Seefahrer-Romantik feiern Santiano seit Jahren Charterfolge. Beim Konzert in der Kölner Lanxess-Arena wurde es aber auch politisch.
Klartext in der Lanxess-ArenaShantyrocker geben Vollgas gegen Trump

Copyright: Daniela Decker
Santiano (hier Frontmann Björn Both (r.) und Hans „Timsen“ Hinrichsen) begeisterte am Sonntagabend (12. April 2026) von der ersten Minute die über 8000 Fans in der Lanxess-Arena.
Aktualisiert:
Wenn durch die Lanxess-Arena eine steife Brise weht, dann ist Santiano zu Gast. Die Band aus dem hohen Norden riss am Sonntagabend (12. April 2026) gleich zu Beginn die über 8000 Fans von ihren Sitzen und überraschte mit klaren Bekenntnissen für Freiheit und Liebe in bewegten Zeiten.
Seit 15 Jahren ist Santiano ein Phänomen. In Köln zeigte die Band einmal mehr, dass sie viel mehr draufhat als nur Seefahrer-Romantik und mitreißende Shantys. Frontmann Björn Both und seine Kollegen stellten das mit ihrer aktuellen Tour „Da braut sich was zusammen“ eindrucksvoll unter Beweis.
Shantyrock-Stars Santiano begeistern Fans seit 15 Jahren
Gleich zu Beginn erinnerte die Band mit tiefen, rhythmischen Trommelschlägen eher an eine römische Galeere als an eine romantische Seefahrt. Untermalt wurde das Ganze mit Blitz, Donner und Nebelschwaden. „Wir machen uns Sorgen um die Demokratie hier bei uns, aber auch weltweit“, betonte der Sänger zur Begrüßung.
Mit den Songs ihres neuen Albums setzen die „Herren der Winde“ ein klares Bekenntnis und äußern deutlich wie nie ihre Haltung zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. „Unser Schiff steht für Zusammenhalt, Respekt, Anstand und eine Freiheit, die Verantwortung einschließt. Es liegt an uns, den Kurs zu ändern“, betonte Both und stimmte Songs wie „Frei wie der Wind“, „Keiner geht verloren“ oder „Gott muss ein Seemann sein“ an.
Die Shantyrocker lieferten eine Show, die laut, direkt und überraschend vielschichtig war. Dabei hat die Band einen perfekt geeichten Kompass für die richtige Stimmung des Publikums. Es geht um Sagen und Mythen aus dem Norden, die mit Pyroeffekten, Flammen und Lichtwechseln in Szene gesetzt werden.
Beim über zweistündigen Konzert durften auch die Fans ordentlich mitmachen. Bei „The Land of Green“ schunkelten alle wie bei der „Lachenden Kölnarena“. Und auch der Mitsingfaktor ist hoch. Davon überzeugte sich Höhner-Mitglied Jens Streifling persönlich. „Wir haben heute frei, daher freue ich mich, die Jungs wieder einmal zu begrüßen“, sagte der Musiker zu EXPRESS.de. „Sie machen einen richtig guten Job.“

Copyright: Daniela Decker
Bei einem Santiano-Konzert erlebt das Publikum sämtliche Naturgewalten wie Blitz, Donner und sogar Schnee.
Dass Santiano das ganze Konzert nah am Publikum ist, zeigte sich bei einem medizinischen Notfall. Ein älterer Herr hatte plötzlich Kreislaufprobleme. Sofort reagierte Bandmitglied Axel Stosberg und sorgte für eine Unterbrechung. Als der Daumen eines Sanitäters in die Höhe ging, sah man der Band die Erleichterung an. Mit einem „Alles Gute“ wurde der Besucher aus der Halle verabschiedet, ehe es weiter ging.
Nicht nur durch die Unterstützung von Meeresschutzorganisationen wie Sea Shepherd bezieht die Band Stellung. Mit ihren Songs transportiert sie politische Botschaften und setzt musikalische Zeichen für Freiheit. „Heute kann man vor nichts mehr davon segeln. Denn da, wo wir ankommen, werden wir vor den gleichen Herausforderungen stehen, denn alles wird an Land diskutiert und verhandelt“, betont Both.
Mit „Nie wieder Krieg“ wurde Santiano noch deutlicher: „Der Song richtet sich gegen alle kriegstreibenden Despoten, denn Krieg ist immer ein totales politisches Versagen im Vorfeld“, wie der Frontmann erklärte. „Damit meinen wir auch diesen orangefarbenen Pavian, diesen größenwahnsinnigen Despoten, der gerade komplett durchdreht und die ganze Welt in Brand setzt.“

Copyright: Daniela Decker
Santiano lieferte in der Lanxess-Arena eine Show ab, die laut, direkt und überraschend politisch war.
Genau mit dieser Mischung aus kraftvollem Sound, Emotionen und intensiver Bühnenpräsenz sorgte Santiano einmal mehr für eine mitreißende Atmosphäre. Gerade die politischen Aussagen trafen den Nerv des begeisterten Publikums und wurden mit lang anhaltendem Applaus belohnt.
Björn Both: „Unsere absolute Solidarität und unsere Unterstützung, sofern das mit unseren bescheidenen Mitteln überhaupt möglich ist, gilt all den Ländern und Nationen, die sich gegen solche unrechtmäßigen Angriffe zur Wehr setzen. Danke Köln, dass ihr uns zugehört habt.“

