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Karnevals-KöpfeHut ab! Kölnerin staffiert Traditionskorps & Jecke aus

Hutmacherin Ute Flemming aus Köln-Ehrenfeld in ihrem Atelier.

Copyright: Olivia Gillner

Ute Flemming und ihre sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen die Köpfe der Karnevalsgesellschaften mit ihren Hüten zum Hingucker.

Ute Flemming leitet in Köln die letzte traditionelle Hutfabrik Deutschlands, auch Karnevalsgesellschaften tragen ihre handgemachten Kopfbedeckungen.

Das Rheinland ohne Karneval? Undenkbar. Karneval ohne Hüte, genauso undenkbar! Denn egal ob Prinzengarde, Rote Funken oder Damengarde: Ohne den richtigen Hut wirkt selbst die prächtigste Uniform einfach unvollständig. Genau hier kommt Ute Flemming ins Spiel. Sie ist die Chefin der letzten traditionellen Hutfabrik Deutschlands. Und sie weiß genau, warum Hüte mehr sind als „nur“ Kopfbedeckungen.

Ute Flemming ist mitten im Hutatelier ihres Vaters aufgewachsen und damit in einem Handwerk, das heute fast komplett verschwunden ist. Während andere Kinder nach der Schule auf den Spielplatz gingen, war Ute häufig zwischen Dampfmaschinen, Holzformen und Filzrohlingen unterwegs. Weiße Linien auf dem Boden markierten für sie schon als kleines Kind, wo für sie Schluss war. „Denn dahinter wurde es heiß, scharf und gefährlich. Jeder im Betrieb hatte ein Auge auf mich und es war immer jemand da, der aufpasste, dass ich die Regeln befolgte“, erinnert sich die Kölnerin.

Schon mit vier Jahren wollte Ute Flemming Funkemariechen werden

Schon im jungen Alter lernte sie die Materialien kennen, mit denen heutzutage kaum noch jemand arbeitet: Filz, Federn oder Kordeln. In den 1970er- und 1980er-Jahren war das Geschäft noch ein anderes. Pelz war angesagt, Modehäuser bestellten serienweise Hüte für Kaufhäuser wie Kaufhof oder Neckermann. „Damals produzierte der Betrieb über Monate hinweg dieselben Modelle, oft nur in wenigen Farben“, sagt sie. Dann wurde der Markt Mitte der 80er für billigere Produkte aus Fernost geöffnet. Masse war da für deutsche Unternehmen nicht mehr zu machen. Das Handwerk rückte dadurch wieder mehr in den Vordergrund: Modelle auf Kopf, Figur und Persönlichkeit abgestimmt.

Parallel zu ihrer Kindheit in der Hutfabrik spielte Karneval schon früh eine Rolle in Utes Leben. Mit gerade einmal vier Jahren setzte sie sich einen entsprechenden Hut auf und erklärte fest entschlossen: „Ich werde Funkemariechen.“ Woher dieser Wunsch kam, kann sie sich bis heute nicht genau erklären. Ihr Vater, gebürtiger Berliner, der kurz vor dem Mauerbau ins Rheinland gekommen war, hatte mit dem rheinischen Brauchtum zunächst wenig am Hut. „Doch ich blieb hartnäckig und bekam schließlich meinen Willen“, erzählt sie uns.

Mit sechs Jahren trat sie in ihren ersten Karnevalsverein ein und tanzte viele Jahre bei den Helligen Knäächte un Mägde. Bis in ihre Zwanziger war sie dort aktiv, fest im karnevalistischen Leben verankert. Nachdem Sie ihre Tanzschuhe an den Nagel gehangen hatte, wechselte sie die Perspektive – und trainierte danach eine Zeit lang selber Tanzgruppen.  Trotz ihrer Nähe zum Betrieb entschied sich Ute nach dem Abitur bewusst erstmal für einen anderen Weg als den ihres Vaters. Sie studierte Biologie und Sport. Während des Studiums half sie aber regelmäßig im Betrieb aus. Sie sprang bei Engpässen ein, fuhr Ware aus, arbeitete auf Messen oder unterstützte den Betrieb in den Ferien. „Irgendwann wurde mir und meinem Vater klar: Das ist mehr als reine Mithilfe.“ Deshalb entschied sie sich nach ihren beiden Diplomen für eine Lehre im Hutmacherhandwerk.

Obwohl sie von der Pike auf alles kannte, wollte sie die offizielle Ausbildung, sammelte neue, tiefere Eindrücke und Fertigkeiten. Rückblickend sagt sie, dass es richtig war, zuerst außerhalb des Betriebs Erfahrungen zu sammeln, bevor sie ihn 2013 – nach dem Tod ihres Vaters – alleine übernahm. Heute beliefert der Betrieb über 450 Karnevalsvereine. Darunter alle großen Kölner Traditionskorps, aber auch zahlreiche Vereine außerhalb der Stadt, etwa in Fulda, Mainz, Düsseldorf oder Linz in Österreich. Hinzu kommen internationale Aufträge, unter anderem für Veranstaltungen und Produktionen in Venedig.

„Köln vermarktet seinen Karneval sehr gut“, sagt Ute Flemming. „Aber außerhalb sind die Vereine oft größer und genauso traditionsbewusst.“ Ein Hut ist für sie dabei weit mehr als nur eine reine Kopfbedeckung. „Er verändert Haltung, Silhouette und Ausstrahlung. Viele Uniformen sind historische Parodien militärischer Vorbilder. Ohne Hut würde dieser Bezug fehlen.“ Der Hut mache sichtbar, wofür eine Figur stehe. Selbst im Straßenkarneval reiche manchmal schon ein kleines Hütchen, um in eine Rolle zu schlüpfen. „Der Hut entscheidet, wie eine Figur wirkt“, sagt sie.

Der Präsident der Blauen Funken Björn Griesemann brach alle Rekorde und verteilte beim Regimentsappell am 13. Januar 2026 stolze 289 Urkunden

Copyright: Decker

Der prächtige Kopfputz der Blauen Funken (hier Präsident Björn Griesemann beim Regimentsappell im Januar 2026) stammt auch aus dem Hause Flemming.

In der Werkstatt wird jeder Hut genäht, nichts wird geklebt. Kleber macht Hüte schwer, steif und kurzlebig. Genähte Hüte können angepasst, repariert und über Jahrzehnte weiterverwendet werden. Auch ein ungeübtes Auge erkennt schnell den Unterschied zwischen professionellem Handwerk und Massenware. Rund 2000 Hüte entstehen bei Ute Flemming jedes Jahr. Etwa ein Drittel des Umsatzes entfällt auf den Karneval, ein weiteres Drittel auf den Jagdbereich, der Rest auf Theater, Film und historische Arbeiten. Hüte aus der Werkstatt waren bereits in Produktionen wie „Fackeln im Sturm“ oder „Wild West“ zu sehen.

Die arbeitsintensivste Zeit beginnt für Ute Flemming und ihr Team im November – und endet erst nach Aschermittwoch. Zusätzlich stehen Jagdmessen und Sonderanfertigungen auf dem Kalender. Dennoch bleibt die Freude am Beruf. Privat besitzt Ute Flemming übrigens über 100 Hüte und rund 50 Karnevalskostüme. Da sie inzwischen von mehreren Gesellschaften geehrt wurde und regelmäßig Einladungen erhält, macht sie sich jedes Jahr neu Gedanken: Dasselbe Kostüm auf derselben Veranstaltung zweimal zu tragen, kommt für sie nicht infrage. Ihr persönlicher Favorit sind kleine Damen-Zylinder mit Federn, am liebsten in kräftigen Farben. „Karneval darf bunt sein – gerade im Winter“, sagt sie.

Hutmacher im Atelier

Copyright: Olivia Gillner

Ein Mitarbeiter im Hutatelier von Ute Flemming beginnt soeben mit der Herstellung eines neuen Hutes.

Besonders wichtig sind ihr die leisen Momente des Karnevals. Auftritte in Altenheimen, Charity-Veranstaltungen, Begegnungen abseits der großen Bühnen. Sie selbst ist bis heute karnevalistisch aktiv, u. a. bei den Chevaliers in Köln, einem Charity-Verein, in dem sie sich ehrenamtlich engagiert. Einer klassischen Damengesellschaft tritt sie bewusst nicht bei. Der Grund ist einfach: Sie beliefert alle und möchte keinen Interessenkonflikte. Ute Flemming führt den Betrieb in vierter Generation. Als Frau im traditionellen Handwerk musste sie sich behaupten, wurde geprüft, hinterfragt, unterschätzt. Doch sie setzte sich durch. Der Betrieb arbeitet europaweit, lagert hunderte Hüte und produziert nicht für die Stange, sondern für Menschen, Rollen und Geschichten. Und wenn in der Karnevalszeit wieder die Uniformen aus den Schränken geholt werden, dann weiß sie: Überall sitzen Hüte aus ihrer Werkstatt und machen jeden Auftritt komplett.

Am Rosenmontag könnten Jecke einen Regenschirm brauchen – es soll richtig ungemütlich werden.

Kölner Karnevals-Wetter

Rosenmontag wird richtig ungemütlich – DWD warnt