Millionen-Streit am Rhein-Energie-Stadion! Die Stadtbahn-Sonderhaltestelle soll für bis zu 30 Millionen Euro abgerissen und neu gebaut werden. Der Plan kommt nicht bei allen gut an.
Millionen-ProjektGroß-Umbau am Kölner Stadion – jetzt gibt es heftigen Widerstand

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Die Bedarfshaltestelle am Rhein-Energie-Stadion. Die Anlage soll neu gebaut werden.

Bei FC-Heimspielen oder Großveranstaltungen im Kölner Rhein-Energie-Stadion kommt die Sonderhaltestelle zum Einsatz. Diese Haltestelle soll jetzt komplett neu gebaut werden.
Die Bezirksvertretung Lindenthal hat dafür bereits grünes Licht gegeben. Eine finale Entscheidung im Rat steht noch aus. Doch nicht alle sind begeistert.
KVB prüft sieben Varianten – und hat einen klaren Favoriten
Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) wollen die Haltestelle fit machen für die Zukunft: Mit sogenannten Langzügen – 90 Meter lange Stadtbahnen statt der bisherigen 60 Meter – soll die Kapazität auf der Ost-West-Achse drastisch erhöht werden. Die aktuelle Anlage kann diese Züge allerdings nicht aufnehmen.
In einer umfangreichen Variantenuntersuchung hat die KVB sieben Umbauoptionen durchleuchtet. Das Ergebnis ist eindeutig: Die einfachste Lösung – eine Verlängerung des bestehenden Bahnsteigs – scheidet aus. Eine Erweiterung nach Osten würde in das angrenzende Landschaftsschutzgebiet eingreifen und ist laut KVB „voraussichtlich nicht genehmigungsfähig“.
Eine Verlängerung nach Westen hingegen würde das beliebte Park-and-Ride-Parkhaus zerstören und die reguläre Linie-1-Haltestelle gefährden.
Die KVB-Empfehlung: Ein komplett neuer, zweiter Bahnsteig soll nördlich der bestehenden Gleise entstehen. Gleich mehrere Varianten sehen diesen Ansatz vor – sie unterscheiden sich vor allem darin, wie Fahrgäste den neuen Bahnsteig sicher und barrierefrei erreichen sollen: über Brücken, Rampen oder Aufzüge.

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Hier halten Sonderzüge der KVB bei Veranstaltungen im Stadion.
Die KVB empfiehlt, diese Varianten im Rahmen der Vorplanung vertieft zu untersuchen, um dann die Vorzugsvariante zu ermitteln. Die Kosten? Je nach Variante zwischen rund 17,7 und 30,4 Millionen Euro.
Das Rechnungsprüfungsamt hat zwar keine Einwände gegen die Fortführung der Maßnahme gefunden, weist aber darauf hin, dass unklar ist, ob die aktuelle Haushaltsverfügung 2025/2026 ausreichend berücksichtigt wurde.
Bürger empört: „Überdimensioniert und viel zu teuer!“
Doch Anwohner aus dem Kölner Westen laufen Sturm gegen das Projekt. In einem gemeinsamen Positionspapier machen die Bürgerinteressensgemeinschaften BIG Weiden e.V. und BIG Junkersdorf e.V. sowie der Bürgerverein Köln-Müngersdorf und die Interessengemeinschaft Braunsfelder Bürger*innen ihrem Ärger Luft.
Ihr Vorwurf: Die bestehende Haltestelle würde prima funktionieren – und ein Millioneninvestment für gelegentliche Spieltage sei schlicht nicht verhältnismäßig.

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Anwohner aus dem Kölner Westen laufen Sturm gegen das Neubau-Projekt.
„Engpässe entstehen allenfalls durch fehlende Fahrzeuge und Personal, nicht durch die Anlage als solche“, heißt es in dem Papier, das EXPRESS.de vorliegt. Ein umfassender Neubau würde „diese funktionalen Vorteile ohne erkennbaren Mehrwert beseitigen.“
Auch die Kapazitätserhöhung von 60 Prozent halten die Bürgergruppen für maßlos übertrieben. Sie fordern stattdessen ein ganzheitliches Verkehrskonzept, das auch S-Bahn, Bus und Regionalverkehr einbezieht: „Ein tragfähiges Konzept darf sich nicht auf die KVB und die Stadtbahn-Linie 1 beschränken.“ Die S-Bahn-Haltestelle Köln-Müngersdorf biete bereits heute Potenzial – künftig sogar mit drei statt zwei S-Bahn-Linien.
Der Alternativ-Vorschlag: Sanieren statt abreißen
Die Bürgergruppen plädieren für eine deutlich schlankere Lösung: das bestehende Gleiskreuz erhalten, die Anlage barrierefrei umbauen und weiterhin 60-Meter-Sonderzüge einsetzen.
„Angesichts der angespannten Haushaltslage bei Stadt und KVB ist fraglich, wie ein derart überdimensioniertes Projekt finanziert werden soll“, warnen die Initiatoren. „Ein kostspieliger Neubau der gesamten Haltestelle unter dem Deckmantel der Kapazitätserweiterung auf der Ost-West-Achse ist abzulehnen.“
Wie es weitergeht, bleibt spannend. Die KVB will nun zunächst die vier verbliebenen Varianten vertieft prüfen – und erst dann entscheiden, welcher Weg zum Zuge kommt.
