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Nach tödlicher Enten-AttackeKölner Tierschützerin schlägt Alarm: „Hass wächst“

Nach einem Vorfall am Theodor-Heuss-Weiher entfacht eine Tierschützerin eine wichtige Debatte: Werden Nil- und Kanadagänse in Köln zum Sündenbock gemacht?

Es war eine Szene, die niemanden kaltlässt: Dr. Ziah Taufig wollte eine Entenfamilie befreien, die auf dem Balkon seines Sohnes gebrütet hatte – doch kaum saßen Mutter und ihre acht Küken am Theodor-Heuss-Weiher am Eigelstein, stürzte sich eine Nilgans auf die Entenmama und drückte sie unter Wasser. Die Entenmutter starb. Die Küken wurden von der Tierrettung gerettet und in eine Pflegeeinrichtung gebracht.

Ein Drama, keine Frage. Aber: Claudia Scherping vom Verein „Schwäne Köln“ engagiert sich seit zehn Jahren für Wasservögel in der Stadt – und sie widerspricht vehement.

„Auch der Schwan tötet ein Entenküken oder eine Ente ertränkt fremde Entenküken“

„Ja, es passiert gelegentlich, dass eine Nilgans eine Ente tötet“, sagt sie. „Aber auch der Schwan tötet ein Entenküken oder eine Ente ertränkt fremde Entenküken. Momentan sind die Erpel in der Paarungszeit und stürzen sich zu mehreren auf Enten und verletzen oder ertränken diese und ihre Küken.“

Scherping kritisiert, dass Nil- und Kanadagänse einseitig als „Plage und Killer“ dargestellt würden – ein Bild, das sie für gefährlich hält: Das führe dazu, „dass der Hass auf die Gänse wächst und Menschen veranlasst, selbst aktiv zu werden, indem Gänse verletzt oder getötet werden.“

So habe sie am Freitag (8. Mai) am Stadtwaldweiher in Lindenthal zwei tote Nilgänse gefunden: eine Mutter und ein bereits größeres Jungtier. „Äußere Wunden waren nicht zu sehen. Der Kopf bei beiden Tieren war verdreht – daher vermute ich Genickbruch“, berichtet sie. Die übrigen Jungtiere der Familie seien verschwunden. Lediglich das Vatertier sie noch vor Ort – aber laut Scherping „sehr ängstlich“.

Die Tierschützerin geht davon aus, dass Menschen hinter der Tat stecken. Es wäre kein Einzelfall: Erst kürzlich berichtete EXPRESS.de über tödliche Hundebissattacken auf brütende Gänse.

Die Nilgans-Familie am Stadtwaldweiher in Lindenthal – Mutter und ein bereits größeres Jungtier wurden getötet.

Copyright: Claudia Scherping „Schwäne Köln“

Die Nilgans-Familie am Stadtwaldweiher in Lindenthal – Mutter und ein bereits größeres Jungtier wurden getötet.

Auch der konkrete Auslöser der Debatte – der Tod der Entenmutter – wirft für Scherping Fragen auf.

Sie bezweifelt, dass die Ente überhaupt zu diesem Gewässer gehörte: „Der Theodor-Heuss-Weiher ist ein sehr kleines Gewässer, in dem es kaum Rückzugsorte gibt und leider viel zu viel gefüttert wird. Eventuell war die Ente gar nicht dort heimisch, sondern gehörte in den Rhein, der gleich nebenan fließt.“

War der Vorfall am Theodor-Heuss-Weiher vermeidbar?

Dazu kommt: Entenretter Taufig habe die Ente aktiv an den Weiher geführt – ein Fehler, wie Scherping erklärt. „Oft kommt es zu Revierstreitigkeiten, weil Wasservögel einfach in ein fremdes Gewässer gesetzt werden. Wasservögel sind sehr territorial. Man hätte bei Experten um Rat fragen müssen.“

Im städtischen Bereich – sogenannten befriedeten Bereichen – werden Nil- und Kanadagänse aktuell nicht bejagt. Stattdessen setzt die Stadt Köln hier auf ein Gelegemanagement: Eier werden entnommen oder ausgetauscht, um die Population auf natürliche Weise zu regulieren – mit laut Scherping großem Erfolg.

Lediglich in den Randbereichen Kölns werden Gänse und auch Stockenten bejagt und geschossen.

Scherping stellt sich nicht blind vor die Gänse. Sie räumt ein, dass Nilgänse punktuell an kleineren Gewässern andere Wasservögel verdrängen können. „Aber eine wissenschaftlich belegte flächendeckende Verdrängung heimischer Arten ist nicht belegt“, betont sie.

Ihr Appell: differenzierter hinschauen, Experten fragen – und aufhören, die Gänse zum Feindbild zu stilisieren.

Weil sich offenbar Graffiti-Sprayer auf der Strecke befinden, wurde der Bahnverkehr am Hansaring unterbrochen. Das Symbolfoto zeigt die KVB-Haltestelle Geldernstraße/Parkgürtel.

Bereich Köln-Hansaring

Graffiti-Sprayer blockierten Bahnstrecke – Zugausfälle