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Dramatische MinutenRiss-Haus in Köln: Hausbesitzer holte alle Mieter persönlich raus

Hausbesitzer Celal Esen

Copyright: Arton Krasniqi

Hausbesitzer Celal Esen ist besorgt um seine Mieter und das Haus.

Die Risse sind beängstigend. Jetzt wird deutlich: Die Mieter des beschädigten Hauses in der Thumbstraße in Kalk können nach Prognose des Hausbesitzers für Monate nicht nach Hause zurückkehren.

Zahlreiche Mieter aus zwei Wohnhäusern an der Thumbstraße in Kalk sind aus ihrem gewohnten Alltag rausgerissen worden.

Nach Feststellung eklatanter, bedrohlicher Risse im Mauerwerk und in Wohnungen des Hauses Thumbstraße 79 wurde das fünfstöckige Gebäude (Baujahr 1905) evakuiert. Auch die Mieter des Nachbarhauses mussten ihre Wohnungen vorsorglich verlassen. Zusammengenommen verbrachten rund 25 Menschen die Nacht auf Freitag in provisorischen Unterkünften, bei Freunden oder Angehörigen oder in Hotels.

Hausbesitzer klingelte Mieter aus ihren Wohnungen

Die Schäden dürften im Zusammenhang mit einer benachbarten Baustelle auf dem Eckgrundstück stehen. Dort entsteht durch eine Frechener Baufirma ein neuer Wohnkomplex, für den in den vergangenen Wochen eine Baugrube ausgehoben worden ist.

Celal Esen, Besitzer des Schadenshauses, berichtete gestern vor Ort von einem gravierenden Vorgang: „Mein Schwager wohnt im Haus, er hat am Donnerstagmittag Risse in Küche und Flur entdeckt, wir reden jeweils von einem Spalt von fünf Zentimetern Breite. Er hat mich alarmiert, ich bin hierhergefahren und habe angesichts der Risse sofort alle Bewohner gebeten, ihre Wohnungen zu verlassen. Alle haben sich dann erstmal vor dem Haus versammelt.“ Die Feuerwehr wurde verständigt, die die Maßnahmen unterstützte, auch das Kölner Bauamt wurde informiert.

Timo (36), ein Bewohner des Nachbarhauses, schilderte gegenüber EXPRESS.de: „Am Donnerstagabend gegen halb sechs klingelte es an der Haustür, meine Frau und ich sollten raus. Die Feuerwehr hatte eine Unterkunft an der Brühler Straße in Rodenkirchen zur Verfügung gestellt.“

Timo und seine Frau konnten die Nacht bei einem Freund in der Nachbarschaft verbringen. Freitagmittag verfolgte Timo die Beratungen von Mitarbeitern des Bauaufsichtsamtes und Statikern vor Ort mit sorgenvoller Miene, denn das Paar hatte seine drei Katzen in der Wohnung zurücklassen müssen: „Es war uns nicht gelungen, die Tiere einzufangen. Die waren natürlich vollkommen verstört, wegen des ungewohnten Lärms und der Hektik.“

Wohnhaus in der Thumbstraße in Kalk mit Rissen

Copyright: Arton Krasniqi

Klaffende Risse im Haus Thumbstraße 79: Hier darf niemand mehr bleiben.

Im Laufe des gestrigen Nachmittags gab es dann zumindest für das Nachbarhaus Entwarnung, Timo und die Nachbarn durften zurück in ihre Wohnungen, wo auch die Katzen wohlbehalten aufgefunden wurden.

Die Bewohner des beschädigten Hauses stehen dagegen vor einer schweren Zeit. Ihr Vermieter Celal Esen rechnet damit, dass sie für die Dauer von mehreren Monaten nicht nach Hause können.

„Ich hoffe, dass sie am Montag nach entsprechender Sicherung des Gebäudes einmal in ihre Wohnungen dürfen, um möglichst alles Wichtige und Nötige mitzunehmen.“ Es bestehe zwar keine Einsturzgefahr, „aber es ist nicht ungefährlich, da reinzugehen.“

Anwohner und Mitarbeiter von städtischen Ämtern stehen um eine Baugrube.

Copyright: Arton Krasniqi

Anwohner Timo (vorne) und seine Frau kamen in der Nacht zu Freitag bei einem Freund in der Nachbarschaft unter.

Die Betreiber der Baustelle, zu denen er einen guten Draht habe, hätten für seine Mieter schnell eine Unterkunft in einem Hotel in Deutz organisiert. „Es tut mir leid für meine Mieter, die jetzt in großer Ungewissheit sind.“

Die Stadt Köln teilte zur Situation und zu möglichen Ursachen der Risse mit: „Durch den Zustand der Abfangung in der benachbarten Baugrube haben sich vermutlich die Risse zu den beiden benachbarten Bestandswohngebäuden ergeben. Nach Prüfung (Einschau) der örtlichen Situation ergab sich für den Statiker des Bauaufsichtsamtes der hinreichende Gefahrenverdacht einer akuten mangelnden Standsicherheit der beiden Wohngebäude. Die Räumung der Gebäude war daher leider unumgänglich. Die weiteren Arbeiten in der benachbarten Baustelle wurden ebenfalls untersagt.“

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