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Kopfschuss-Mord in KölnKommt jetzt die ganze Wahrheit ans Licht?

Mai 2023: In diesem Durchgang am Mülheimer Böckling-Park wurde der Rocker erschossen.

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Mai 2023: In diesem Durchgang am Mülheimer Böckling-Park wurde der Rocker erschossen.

Der mutmaßliche Auftraggeber steht derzeit vor Gericht. Doch nun gab es eine vielleicht entscheidende Wendung.

Nun kommt wieder Bewegung in den Strafprozess um den hinterhältigen Auftragsmord an Hells-Angels-Rocker Eren Y. (35) im Bereich des Mülheimer Böcking-Parks im Mai 2023. Die Verhandlung verlief zuletzt schleppend, nachdem sich im April der mutmaßliche Todesschütze Marco C. (29) völlig überraschend an seinem Fluchtort Türkei den Behörden gestellt hatte. Nach drei Monaten in Auslieferungshaft verfügte ein Istanbuler Gericht: C. kann in die Bundesrepublik überstellt werden. Hier soll er als Zeuge im Prozess gegen den mutmaßlichen Auftraggeber Hami S. (38) aussagen.

Kölner Landgericht wartet seit Monaten auf die Auslieferung

Seit Wochen hatten die Prozessbeteiligten auf ein solches Signal von den türkischen Behörden gewartet. Opfer-Anwältin Funda Bicakoglu unkte bereits, sich eine Anwaltszulassung in der Türkei besorgen zu können – dann könnte sie womöglich Akteneinsicht in den Abschiebevorgang nehmen. Wann genau Marco C. überstellt werden soll, weiß der Vorsitzende Richter Martin Kümpel aber auch nicht. Auf entsprechende Nachfragen von Anwälten ernteten diese ein Schulterzucken. „Wenn ich genaueres weiß, werde ich es unverzüglich mitteilen“, sagte Richter Kümpel am Mittwoch.

Mai 2023: Die Polizei sicherte Spuren des Verbrechens am Böcking-Park. Daneben saßen Menschen im Brauhaus.

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Mai 2023: Die Polizei sicherte Spuren des Verbrechens am Böcking-Park. Daneben saßen Menschen im Brauhaus.

Marco C. – Spitzname: „Toblerone“ – ist als möglicher Auftragsmörder ein zentraler Zeuge im Verfahren. Über seinen Anwalt André Miegel hat er bereits angekündigt, sich umfassend äußern zu wollen. „Er möchte reinen Tisch machen – sein Anliegen ist es, dass endlich die ganze Wahrheit ans Licht kommt“, hatte der Anwalt auf Anfrage dieser Zeitung erklärt. Miegel ergänzte: „Wir werden uns gegen den falschen Vorwurf des Mordes verteidigen.“ Damit bestreitet C., der Todesschütze zu sein. In Frage kommt auch Rocker Emre U. (33) – der war nach der Tat ebenfalls in die Türkei geflüchtet.

Mutmaßlicher Schütze könnte den Angeklagten entlasten

Für den Angeklagten birgt der plötzlich aufgetauchte Zeuge die wahrscheinlich letzte Chance, einer Verurteilung wegen eines Auftragsmordes zu entgehen. Das Landgericht hatte den 38-Jährigen in erster Instanz zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Zwar bestätigte der Bundesgerichtshof die Entscheidung. Das Bundesverfassungsgericht hob das Urteil aber auf – weil das Gericht damals Emre U. – nicht als Zeugen hören wollte und damit den Grundsatz des fairen Verfahrens für den Angeklagten verletzt habe. Emre U. ist inzwischen wieder abgetaucht, dafür ist nun Marco C. da.

Den Ermittlungen zufolge wurde Eren Y. nach einem Besuch im Fitnessstudio von Marco C. und Emre U. abgefangen. Die Freundin des späteren Opfers sagte aus, die Stimmung sei zunächst entspannt gewesen, bevor aus heiterem Himmel Schüsse fielen. Die aktuelle Beweislage deutet auf Emre U. als Schützen hin, da Marco C. die Partnerin von Eren Y. laut deren Aussage noch mit dem Ruf „Lauf!“ gewarnt haben soll. Die Frau, die ebenfalls getroffen wurde und stark am Hals blutete, floh durch den Park. Ein Köbes aus einem nahegelegenen Brauhaus konnte die Blutung mit Stoffservietten stillen.

Kölner Rocker-Boss soll hinter dem Mordauftrag stecken

Im laufenden Prozess erklärte Hami S. über seine Anwälte Leonhard Mühlenfeld und Michael Diwo, dass sein Bruder Kamil S. – der frühere Präsident des Hells-Angels-Charters „Rhine Area“ – hinter dem Mordauftrag stecke. Als Grund nannte er Revierkonflikte sowie einen Brandanschlag auf einen gemeinsamen Friseursalon der Brüder in Meschenich. Hami S. gestand zwar eine Tatbeteiligung ein. Er habe bei der Logistik geholfen und vor und nach der Tat mit den Tätern telefoniert, die sein Bruder angeheuert habe. Er behauptete jedoch, nichts von der Tötungsabsicht gewusst zu haben.

„Ich ging von einem Beinschuss aus und hoffte, es würde dabei bleiben“, so die Aussage des Angeklagten. Hami S. erläuterte, dass diese Form der Bestrafung in Rockerkreisen nicht ungewöhnlich sei. Er gab außerdem zu, den Tätern nach der Tat bei ihrer Flucht geholfen zu haben, die sie über Griechenland bis in die Türkei führte. Zur Wahrheitsfindung soll Marco C. beitragen – sollte er endlich in Deutschland eintreffen. Die Wartezeit überbrückt das Gericht mit der Sichtung von Fotos und Urkunden aus der Akte. Weitere Prozesstermine wurden vorsorglich bis Ende September festgelegt.

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