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Bluttat an Kölner BrauhausKopfschuss-Mord: Wichtiger Zeuge sitzt in der Türkei fest

Mai 2023: Die Polizei sicherte Spuren des Verbrechens im Böcking-Park. Daneben saßen Menschen im Brauhaus.

Copyright: Martina Goyert

Mai 2023: Die Polizei sicherte Spuren des Verbrechens im Böcking-Park. Daneben saßen Menschen im Brauhaus.

Der laufende Strafprozess vor dem Landgericht gegen den mutmaßlichen Auftraggeber gerät ins Stocken.

Der Strafprozess um den Kopfschuss-Mord am Hells-Angels-Rocker Eren Y. (35) im Bereich des Mülheimer Böcking-Parks wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Der Vorsitzende Richter Martin Kümpel sprach beim aktuellen Verhandlungstag von möglichen Terminen bis in den September. Dabei sollte das Verfahren gegen den mutmaßlichen Auftragsgeber Hami S. (37) längst abgeschlossen sein. Doch kurz vor Ende der Beweisaufnahme meldete sich ein flüchtiger Tatverdächtiger. Marco C. (29) hatte sich in Istanbul vor dem deutschen Generalkonsulat gestellt – und sitzt jetzt in der Türkei fest.

Kölner räumt lediglich Beihilfehandlungen ein

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Hami S. vor, Marco C. – Spitzname „Toblerone“ – und einen weiteren Bekannten mit dem Mord an dem verfeindeten Rocker Eren Y. beauftragt zu haben. Hami S. ist der Bruder von Kamil S., Präsident des früheren Hells-Angels-Charters „Rhine Area“. Nach dessen Auflösung soll es Streitigkeiten um eine Neugründung gegeben haben. Eren Y. wurde von den Brüdern verdächtigt, einen Brandanschlag auf deren Friseursalon in Meschenich verübt zu haben. Der eiskalte Mord am Böcking-Park im Mai 2023 musste daher als Vergeltungsaktion verstanden werden.

Der Angeklagte Hami S. mit seinem Verteidiger Leonhard Mühlenfeld beim Prozessauftakt im Landgericht Köln.

Copyright: Hendrik Pusch

Der Angeklagte Hami S. mit seinem Verteidiger Leonhard Mühlenfeld beim Prozessauftakt im Landgericht Köln.

Hami S. hatte im aktuellen Prozess über seine Verteidiger Leonhard Mühlenfeld und Michael Diwo zwar eine Beteiligung an dem Geschehen eingeräumt. Die Initiative sei aber von seinem Bruder ausgegangen. Er habe die Attentäter auch nicht selbst angeworben, ihnen nur bei Anreise und Flucht geholfen. Von einem geplanten Mord sei er aber nicht ausgegangen: „Ich rechnete mit einem Beinschuss und hoffte, dass es nicht mehr würde.“ Diese Art von Bestrafung sei in Rockerkreisen nicht unüblich gewesen, erklärte der Angeklagte. Die Anwälte sahen demnach lediglich Beihilfehandlungen.

Richter Martin Kümpel hatte bereits deutlich gemacht, die Version des bloßen Gehilfen nicht zu glauben. Ansonsten hätte er einen entsprechenden rechtlichen Hinweis erteilen müssen, der ein milderes Urteil erlauben würde. Hami S. droht damit weiterhin eine lebenslange Freiheitsstrafe als Auftragsgeber. Doch das Blatt könnte sich wenden, nachdem der verschollen geglaubte Marco C. sich gemeldet hatte. „Er möchte reinen Tisch machen – sein Anliegen ist es, dass endlich die ganze Wahrheit ans Licht kommt“, hatte sein Anwalt André Miegel auf Anfrage unserer Redaktion mitgeteilt.

Köln: Hells-Angel an Fitnessstudio abgepasst und erschossen

Konkret wird Marco C. vorgeworfen, das spätere Mordopfer, das er gut kannte, zusammen mit dem Rockerkollegen Emre „Chico“ U. (32) vor einem Fitnessstudio in Mülheim abgepasst und aus dem Nichts attackiert zu haben. Nach wenigen Metern eines gemeinsamen Spaziergangs wurde Y. in den Rücken und in den Kopf geschossen, er war sofort tot. Marco C. gilt neben Emre U. als dringend tatverdächtig – wer von den beiden geschossen hat, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Schwer verletzt wurde bei dem Geschehen auch die damalige Lebensgefährtin des Erschossenen.

Eine Kugel traf den Halsbereich der Frau, Blut schoss aus der Wunde. Panisch lief die 29-Jährige durch den Park hin zu einem Brauhaus. Der Köbes reagierte schnell, er stillte die Blutung mit einem improvisierten Druckverband aus Stoffservietten – und rettete der Frau so wahrscheinlich das Leben. Eine Not-Operation und ein Aufenthalt auf der Intensivstation folgten. Zwar konnte die Zeugin auch nicht sagen, wer auf sie und ihren Partner geschossen hat. „Lauf!“, soll ihr allerdings Marco C. nach den ersten Schüssen zugerufen haben. Zumindest ein Indiz, dass er nicht der Schütze war.

Köln: Tatverdächtiger  sitzt in der Türkei fest

Beide Tatverdächtige hatten sich nach dem Mord über Griechenland in die Türkei abgesetzt. Von Marco C. gab es seitdem kein Lebenszeichen mehr. „Ich glaube, er ist tot“, hatte dessen damalige Lebensgefährtin ausgesagt. Umso mehr erstaunte es, dass C. sich nach drei Jahren doch noch meldete und festnehmen ließ. Das Problem: Der Tatverdächtige sitzt nun seit Wochen in türkischer Haft und ist bisher nicht nach Deutschland ausgeliefert worden. „Nach meiner Kenntnis gibt es zu der Thematik nichts Neues“, erklärte Richter Kümpel beim aktuellen Verhandlungstag im Landgericht.

Prozessbeteiligte hatten bereits die Befürchtung ausgesprochen, dass die türkischen Behörden ein eigenes Gerichtsverfahren anstreben könnten – denn das Mordopfer war Türke. Sollte dem so sein, wäre der Tatverdächtige für die deutsche Justiz zunächst nicht greifbar. Mit den neuen Terminen hat sich Richter Kümpel nun zumindest etwas Zeit verschafft. Um die zu überbrücken, wurden zuletzt Schriftstücke verlesen. Ob Marco C. tatsächlich den Angeklagten Hami S. entlasten würde, ist offen. Sein Anwalt sagte nur: „Wir werden uns gegen den falschen Vorwurf des Mordes verteidigen.“

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