Aykut Ö. (38) droht vor dem Landgericht die Sicherungsverwahrung. Auch, weil seine Noch-Ehefrau ausgepackt hat.
Sie war seine RockerbrautKnallharte Abrechnung mit Kölner Bandidos-Boss

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Aykut Ö. und seine Ehefrau mit Anwälten beim damaligen Betrugsprozess im Jahr 2020 im Kölner Landgericht.
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Machtbesessen. Egoistisch. Gewalttätig. Mit diesen Worten beschrieb Mandy Ö. (Name geändert) in Saal 112 des Kölner Landgerichts ihren Ehemann Aykut Ö. (39), der einige Meter entfernt auf der Anklagebank saß. Die 43-Jährige befindet sich nach der Trennung im Zeugenschutzprogramm, hat bei den Behörden ausgepackt – nun droht dem einstigen Bandidos-Boss die Sicherungsverwahrung. Zwei Attentate habe ihr Mann in Auftrag gegeben, „das weiß ich zu 100 Prozent“, sagte sie entschlossen. Die Aussage im Zeugenstand – sie glich einer Abrechnung der einstigen „Rockerbraut“.
Bewaffnete Polizisten schützen Zeugen im Gericht
Bewaffnete und vermummte Polizisten begleiteten die Zeugin an diesem Mittwochmorgen in den Hochsicherheitstrakt des Landgerichts, die Gefährdungslage schien hoch. Zuschauer wurden vor dem Saal noch einmal gesondert durchsucht, mussten ihre Schuhe ausziehen. Ihre Ausweise wurden zur Feststellung der Identität kopiert. „Allen Personen, die Zutritt zum Sitzungssaal haben, ist das Mitführen von Waffen und anderen gefährlichen Werkzeugen untersagt“, hieß es in einer richterlichen Anordnung, die am Saal aushing – dabei gilt das im Landgericht ohnehin so.
Kennengelernt habe sie den damaligen Rockerboss Aykut Ö. im Jahr 2012, berichtete die Zeugin. Sie habe damals „im Rotlichtmilieu“ in der Schweiz gearbeitet. 2017 kamen die gemeinsamen Zwillinge zur Welt, drei Jahre später ein weiteres Kind. Man habe im Rheinauhafen gelebt, später in einer Villa in Marbella. Das zu einer Zeit, als ihr Ehemann aus dem offenen Vollzug der JVA Euskirchen nach Spanien geflohen war. Das Familienleben beschrieb sie so: „Ich war tagsüber zu Hause und habe mich um die Kinder gekümmert, er war tagsüber weg.“ Am Wochenende habe Aykut Ö. „Party gemacht“.
Zeugin berichtet von Morddrohungen nach Trennung
Im November 2024 habe sie sich von ihrem Noch-Ehemann getrennt, sagte Mandy Ö. auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Sibylle Grassmann. „Irgendwann kann man nicht mehr, das war für mich der richtige Zeitpunkt“, so die Zeugin. Danach sei sie von Aykut Ö. mit dem Tod bedroht worden. Sie habe ihre Handynummer gewechselt, später einen Peilsender an ihrem Auto entdeckt. Daraufhin sei sie zur Polizei gegangen. In einer langen Vernehmung schilderte sie den Beamten, ihr Mann sei für „die Sache auf der Zoobrücke“ 2018 und die Schüsse auf das Café Jokers in Kalk 2019 verantwortlich.
Auf der Zoobrücke hatten Mitglieder der Bandidos ein vermeintliches Mitglied der damals extrem verfeindeten Hells Angels mit dem Auto verfolgt und durch Schüsse schwer verletzt. Die Schüsse in Kalk – mit einer Maschinenpistole wurde auf das Café geschossen, verletzt wurde niemand – folgten zeitlich unmittelbar nach einem Streit von Aykut Ö. mit einem „Höllenengel“ – die Männer prügelten und beschossen sich bei einem zufälligen Treffen beim Steuerberater. Dass Aykut Ö. hinter den Anschlägen stecken könnte, war den Ermittlern klar. Nur fehlten Indizien – bis zur Aussage seiner Ex.
Zeugin stand wegen Scheinbeziehung vor Gericht
Mandy Ö. erklärte, ihr Ehemann habe ihr von seinen Auftragstaten berichtet und sich damit auch gebrüstet. Sie habe mehrfach auch neben ihm gesessen, als er entsprechende Absprachen am Telefon getroffen habe. Er habe sich rächen wollen. Was Mandy Ö. nicht mehr wusste: Der Anschlag auf das Café geschah nur wenige Stunden nach der Schießerei beim Steuerberater. Laut den Ermittlern hatte sich Aykut Ö. direkt nach Holland begeben, um ein Alibi zu haben. Die Zeugin meinte aber, ihr Mann habe ihr Tage vorher in Köln von der Planung berichtet – ein ganz offensichtlicher Widerspruch.
Die Verteidiger hatten die Aussagen von Mandy Ö. bereits im Vorfeld als falsche Beschuldigungen bezeichnet. Sie wollen einen Freispruch für Aykut Ö. erreichen. Mandy Ö. ist juristisch kein unbeschriebenes Blatt. Im Jahr 2020 wurde sie zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. So führte sie laut Urteil in Absprache mit Aykut Ö. eine Scheinbeziehung zu einem Schweizer Geschäftsmann und nahm diesen aus – nachdem sie ihm vorgelogen hatte, ihre Zwillinge seien von ihm. Am Ende muss das Kölner Landgericht entscheiden, wie glaubhaft die Zeugin wirklich ist. Der Prozess wird fortgesetzt.
