Was kommt gut an? Was darf's sein? Statt einer Marktanalyse geht ein Kölner Gastronom den direkten Weg. Er hat gut sichtbar ein Voting eröffnet.
Kölner Lokal dichtGastronom lässt abstimmen, was er jetzt machen soll

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Zwischen einer Merzenich-Bäckerei und einer ehemaligen Spielhalle befindet sich das „Fragezeichen-Restaurant“.

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Die Idee hat Pfiff und man sieht: Es kommt gut an. Alle paar Minuten bleiben Passanten, manchmal in Grüppchen, vor dem Ladenlokal mit dem schwarz verhangenen Schaufenster stehen und zücken ihr Handy. Sie können darüber abstimmen, was für eine Gastronomie in den Laden an der Venloer Straße einziehen soll.
In Ehrenfeld, wo die Klage „Ach nö, schon wieder ein Dönerladen!“ verbreitet ist, ist der überraschende „Demokratievorstoß“ ganz erfrischend.
Kölner Lokal: Code scannen und abstimmen
Noch am Dienstag hatte an der Adresse ein Fischrestaurant („Istanbul Fisch & Steakhaus“) die Kundschaft begrüßt, am Mittwoch war dann Schluss. Das schlauchartige Lokal mit dem vielen frischen Fisch in der Auslage war nicht ganz so gut ans Laufen gekommen, auch wenn der Betreiber am Konzept noch geschraubt hatte.
Schon am späten Mittwochabend hatte der Chef die neue Devise gut sichtbar ausgewiesen: „Was soll hierher kommen? Scanne den Code und entscheide mit!“ steht auf einem großen Banner. Eine zufällig vorbeikommende junge Frau, ehemals Gast im Lokal, äußerte erst ihr Bedauern („Ich mochte euer Fisch-Sandwich so sehr!“) und wollte dann gleich abstimmen – am liebsten für ein Fischlokal...
Das aber steht nicht zur Debatte: Wer den Code gescannt hat, dem erscheint auf dem Bildschirm („Tippen, um abzustimmen“) die Auswahl zwischen hausgemachter Pizza, hausgemachter Pasta, hausgemachten Fried Chicken oder „vegane Köstlichkeiten.“ Überschrieben ist die Wahl mit der Frage: „Welches Konzept bereichert Ihre Nachbarschaft?“
Auch Lesley (21) und Louis (22), die vor einem Jahr nach Köln gezogen sind, haben ihr Voting abgegeben – sie für Pasta, er für Hähnchen. „Als ich das sah, dachte ich: Wow, was ist denn hier los? Das ist echt ein Eyecatcher. Dass man seine Umgebung mitbestimmen kann, das zieht!“, meint Louis.

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Lesley und Louis haben auch abgestimmt.
Lesley hat den Eindruck, dass es genug Pizza- und Dönerläden gibt, aber einen speziellen Pastaladen noch nicht, deshalb gab sie ihre Stimme den Nudeln.
Louis ergänzt: „Ich komme aus einer Kleinstadt im Sauerland. Das ist natürlich kein Vergleich mit hier – du hast die ganze Bandbreite der Kulinarik auf der Venloer Straße, es wird wohl Jahre dauern, bis wir das alles mal probiert haben.“ Und sie sind gespannt, was im Haus Venloer Straße 342 das Rennen macht.
Mehr Dönerläden, mehr Ketten oder lieber etwas Individuelles: Was wünscht ihr euch in Köln? Was fehlt hier noch?
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