Abo

Ein Leben für den 911erKölner Porsche-Urgestein sagt Tschö – fährt er auch einen?

911er waren seine Welt: Jürgen Schillmeier im Porsche-Köln-Zentrum.

Copyright: Michael Bause

911er waren seine Welt: Jürgen Schillmeier im Porsche-Köln-Zentrum.  

Jürgen Schillmeier ist ein Kölner Porsche-Urgestein – kaum einer kennt die 911er-Modelle besser als er. Jetzt sagt er Tschö!

Köln-Ehrenfeld, Fröbelstraße 15, geräuschlos gleitet ein junger Mann im Porsche Cayenne in das eisgraue Sportwagen-(T)Raumschiff. Ein 911er, am Steuer ein vornehmer Herr mit einem Lächeln im Gesicht, kurvt röhrend hinaus.

Laut trifft leise, Verbrenner trifft Electric, alt trifft jung – die automobile Zeitenwende im Porsche-Zentrum Köln ist spürbar. Einer, der fast ein halbes Jahrhundert lang Porsche prägte und lebte, sagt jetzt Tschö!

„Ich habe es damals noch vermieden, zu sagen: Ich arbeite bei Porsche“

Jürgen Schillmeier war erst 15 Jahre alt, als er in der Ehrenfelder Niederlassung von VW und Audi anfing, die schon damals Porsche beherbergte. Das war im Jahr 1978, als noch ein gewisser John van Nes Ziegler Oberbürgermeister von Köln war, die Stange Kölsch 80 Pfennig kostete und das Ende der Straßenbahn auf der Schildergasse und die Errichtung der Fußgängerzone eingeläutet wurde.

„Ich habe es damals noch vermieden, zu sagen: Ich arbeite bei Porsche. Sofort kamen immer wieder Fragen wie: Ach ja? Und fährst du auch einen? Das war nicht mein Ding. Ich wollte nie im Mittelpunkt stehen.“

Doch der Job als Mechaniker an den Traumwagen, die man wegen des jungen Alters noch führerscheinlos nie fahren durfte, hatte auch seinen ganz eigenen Reiz. „Das war schon ein tolles Gefühl, bei Probefahrten dabei sein zu können. Der Sound, die Geschwindigkeit – und im Auto durfte man damals sogar rauchen. Und wenn dich dann noch jemand darin gesehen und erkannt hat, war das klasse. Damals waren Porsche, die um die 60.000 Mark kosteten, noch sehr selten. Heute dagegen sieht man sie im Kölner Straßenverkehr häufiger. Zum Glück!“

An die Atmosphäre und die Stimmung in der Werkstatt des seit 1924 in Köln existierenden Autohauses Fleischhauer, im Dunstkreis von legendären 911ern, 924ern, 944ern oder 928ern, erinnert sich Schillmeier besonders gern.

Schillmeier trifft in der Werkstatt alte Kollegen und einen ganz besonderen 911er: Eine Rennmaschine in grüner Sonderlackierung mit Autogrammen von Porsche-Legende Walter Röhrl.

Copyright: Michael Bause

Schillmeier trifft in der Werkstatt alte Kollegen und einen ganz besonderen 911er: Eine Rennmaschine in grüner Sonderlackierung mit Autogrammen von Porsche-Legende Walter Röhrl.

„Besonders Spaß hat es mir immer gemacht, an den luftgekühlten Porsche zu schrauben. Ein schönes Erlebnis war auch, als Porsche im Jahr 1991 auf Sizilien den neuen 968er präsentierte – und ich dabei sein durfte.“ Schillmeier weiter: „Ja, wir waren alle autoverrückt. Und ich bin es heute noch. Wenn man den Motor dieses Sportwagens anwirft, spürt man die ungeheure Kraft der Maschine. Das ist schon etwas Besonderes.“

Er fuhr weit über 1000 Porsche – zwar meistens nur vom Parkplatz in die Werkstatt zur Hebebühne, aber immerhin. Kam er nicht mal in Versuchung, endlich einen eigenen Elfer zu besitzen? Wie so viele?

„Warum denken, wenn man träumen kann?“ – das steht provozierend in großen Lettern auf einer stimmungsvollen Fotowand im Eingangsbereich des Porsche-Zentrums vor einem 911er – zum Preis von 253.574 Euro.

„Ich fuhr Käfer, Golf, später Smart und jetzt Fahrrad oder Roller“

„Ich habe nie daran gedacht. Ein eigener Porsche war für mich finanziell nie erreichbar. Ich fuhr Käfer, Golf, später Smart und jetzt Fahrrad oder Roller. Derzeit habe ich kein Auto, und es fehlt mir auch nicht.“

Der Kölner aus Pesch lief all die Jahre so zuverlässig wie der Sechszylinder-Boxermotor in den Karossen. Krank sei er nie gewesen. Urlaub machte er maximal zwei Wochen am Stück. Schillmeier, der 1991 von der Werkstatt in die kaufmännische Abteilung wechselte, bilanziert: „Ich habe 572 Monate immer pünktlich mein Gehalt bekommen. In guten sowie auch in schlechten Zeiten. Das macht mich doch sehr glücklich.“

Was bleibt, wenn er jetzt die Showräume mit den vertrauten Wagen und Kollegen betritt, sind „neben dem Gefühl, nach Hause zu kommen“, jede Menge schöne Erinnerungen. Etwa diese: „Ein Kunde kaufte bei uns einen Koffer, er wollte in Urlaub fliegen. Als mein Kollege anmerkte, dass dieser Koffer für das Handgepäck aber zu groß sei, meinte er: Lass das mal meine Sorge sein, das Flugzeug gehört mir.“

Jürgen Schillmeier, seit wenigen Tagen Rentner, steht zwischen den glänzenden Sportwagen. Insgesamt war der gelernte Mechaniker 47,67 Jahre für Porsche tätig.

Copyright: Michael Bause

Jürgen Schillmeier, seit wenigen Tagen Rentner, steht zwischen den glänzenden Sportwagen. Insgesamt war der gelernte Mechaniker 47,67 Jahre für Porsche tätig.

Herzlich verabschiedeten ihn Chefs und Kollegen vor wenigen Tagen mit Geschenken, einer Urkunde vom Autohaus Fleischhauer und einem Essen im Brauhaus.

Und wie geht’s jetzt bei dem 63-Jährigen weiter? „Ich fühle mich frei und gelöst. Freiheit und Freizeit sind durch nichts zu ersetzen. Ich lebe in den Tag hinein.“ Und dann röhrt wieder der Motor eines 911er auf. Schillmeiers Augen strahlen.

Köln, Wiege des Motorenbaus und Zünder der Porsche-Clubs

Köln kann als „Autostadt“ Deutschlands auf eine rasante Historie zurückblicken: Nicolaus August Otto und Eugen Langen gründeten 1864 in Köln die weltweit erste Firma, die sich ausschließlich mit der Entwicklung und dem Bau von Verbrennungsmotoren beschäftigte.

Danach prägten Ikonen wie August Horch (gründete 1899 „Horch & Cie“ in Ehrenfeld, später „Audi“) und Ettore Bugatti (ab 1907 bei der Deutz AG tätig, KVB-Haltestelle Ettore-Bugatti-Straße in Porz) die Szene.

Bereits 1927 siedelte sich Citroën in Poll an, 1930 legten in Niehl Henry Ford und OB Konrad Adenauer den Grundstein für die Ford-Werke. Köln wurde so zum Zentrum für Automobilhersteller und Zulieferer und ist bis heute bedeutender Standort für u.a. Toyota, Renault, Dacia und Volvo.

Bereits in den Anfängen der 50er Jahre trafen sich Porsche-Fahrer im legendären Altstadt-Restaurant „Em Krützche“. 1953 gründete sich der „Porsche Club Köln e.V.“ und ist damit offiziell der viertälteste Porsche-Club der Welt. Bereits im Mai 1953 organisierte der Club als erste Porschevereinigung überhaupt ein Rennen auf der Südschleife des Nürburgrings. Heute stehen u.a. gemeinsame Touren ins In- und Ausland, Fahrsicherheitstrainings, Weihnachtsfeiern und Golfturniere auf dem Programm.

Neben Köln gibt es noch u.a. die „Porschefreunde PLZ 5“ für den Raum Köln-Bonn-Aachen und den „Porsche Club Rheinland“.

Der Beschuldigte mit seinem Verteidiger Ingo Linemann beim Prozessauftakt im Landgericht
Brutale Attacke in Köln
Arglose Reinigungskraft fast zu Tode gewürgt