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Historisches Kölner JubiläumIkea am Butz – hier startete mal der „Rote Baron“ seine Fliegerkarriere

Luftbild Ikea am Butzweiler Hof

Copyright: Google Earth

Auf dem ehemaligen Flughafen-Areal steht heute Ikea. 

Jeder kennt den Ikea in Ossendorf. Aber kaum jemand weiß: Hier wandelt man auf historischem Grund!

Luftfahrttechnisch war Köln schon mit Beginn der Fliegerei eine große Nummer. Alles nahm seinen Anfang dort, wo heute der Ikea in Ossendorf steht. Genau vor 100 Jahren startete dann auf dem Flughafen Butzweilerhof die zivile Kölner Luftfahrt. Mit Anekdoten, aufbereitet vom Heimatforscher Werner Müller, der ein Experte für Kölns Luftfahrtgeschichte ist, macht der EXPRESS zum Jubiläum „butzmunter“!

Die Geschichte des Butzweilerhof als technisch genutztes Gelände begann 1909 oder 1910. „Damals war das Areal noch ein reiner Bauernhof – der Butzweiler Hof. Aber die ersten Flugzeugkonstrukteure durften hier ihre Flugmaschinen ausprobieren“, erzählt Müller. Schon bald hätten die Kölner Bürger Kaiser Wilhelm II. gebeten, im Kölner Norden eine Fliegerstation zu errichten – so geschah es. Das Kriegsministerium entschied sich für das Areal des Butzweiler (Bauern-)Hofs (heute Ikea-Parkplatz), woraufhin auch der Name feststand: Butzweilerhof.

Der „Rote Baron“ begann in Köln seine Fliegerkarriere

Die Fliegerstation nahm am 1. April 1913 den Dienst auf – ein Jahr vor Beginn des Ersten Weltkrieges. Auf der Fliegerstation startete etwa der „Rote Baron“ Manfred von Richthofen seine Fliegerkarriere. Aber auch ein gewisser Leo Müller, Großvater von Werner Müller, leistete dort seinen Dienst als Flugzeugmotorenmechaniker ab.

Mit Ende des Krieges besetzten die siegreichen Briten die Fliegerstation – und sie zogen erst 1926 ab. Jetzt sollte in Köln die Stunde der zivilen deutschen Luftfahrt schlagen.

Der Flughafen Butzweilerhof

Copyright: Luftfahrtarchiv Köln

Wo heute Ikea steht, befand sich Kölns erster Flughafen.

Der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer hatte die Gründung des Flughafens Köln-Butzweilerhof zuvor durchgesetzt, er hatte die Förderung der Luftfahrt „auch in Zeiten wirtschaftlichen Niederganges “ als „dringendes Gebot“ gesehen. Die ehemalige militärische Fliegerstation wurde in einen zivilen Flughafen umgebaut.

Vom 13. bis zum 16. Mai 1926 erstreckten sich die offiziellen Eröffnungsfeierlichkeiten, bei denen Adenauer, der mit seiner Frau Auguste („Gussie“) und seinem Sohn Max erschienen war, eine Dornier „Komet“ der wenige Monate zuvor gegründeten Lufthansa bestieg und sich im offenen Cockpit sitzend fotografieren ließ.

Flugzeuge am Flughafen Butzweilerhof

Copyright: Luftfahrtarchiv Köln

Die Front des Flughafens Köln-Butzweilerhof mit zwei Junkers F13 („Elster“ und„Kleiber“) und einer Dornier Merkur B Komet III „Schakal“

Aufgrund der generellen rasanten Entwicklung der zivilen Luftfahrt aber auch wegen der geografischen Lage zwischen den europäischen Metropolen wurde der „Butz“ schnell zu einem Erfolgsunternehmen und entwickelte sich zum zweitgrößten deutschen Flughafen nach Berlin-Tempelhof. Von Köln ging es jetzt nach Amsterdam, Brüssel, Paris, Berlin oder Frankfurt oder auch Saarbrücken.

Sogenannte „Luftboys“ wie Hans Kündgen (1912 - 2008) begleiteten Weltstars wie Buster Keaton oder Pola Negri zu ihren Flugzeugen. „Solche Stars hatten Aufenthalt in Köln, weil die Flugzeuge zu der Zeit noch eine begrenzte Reichweite hatten und deshalb nicht nonstop die Strecke Paris- Berlin fliegen konnten“, weiß Müller.

Luftboys am Kölner Flughafen

Copyright: Luftfahrtarchiv Köln

Hans Kündgen (l.) war einer der Luftboys am Flughafen.

Wie Hans Kündgen erzählte, wurden die Ansagen im Restaurant bezüglich des nächsten Fluges mit einem Schild, das von den Luftboys durch das Restaurant getragen wurde, ausgerufen: „Der nächste Flug nach London beginnt in fünf Minuten.“

Es kam vor, dass die Küche den Fluggästen im Restaurant die Menüs erst spät servierte. Die Fluggäste baten dann darum, dass ihnen das Menü eingepackt wurde, um es mitzunehmen. Dann beruhigte Hans Kündgen die Gäste, bat sie in Ruhe zu Ende zu essen und informierte die Piloten, woraufhin der Abflug ein bisschen verschoben wurde. Mit Augenzwinkern erzählte Hans Kündgen auch folgende Episode: die Zollbeamten montierten die Innenverkleidung der Maschinen aus Paris im Passagierraum ab, um die dahinter versteckten Erotikmagazine aus Paris zu konfiszieren.

Innenaufnahme aus dem ersten Flughafen Butzweilerhof

Copyright: Luftfahrtarchiv Köln

Die Wege vom Einchecken bis zum Boarding waren 1926 noch sehr kurz.

Nebenbei fungierte der Butzweilerhof auch als Postverteilzentrum für Luftpost, wozu auch die transatlantische Luftpost aus den USA gehörte. Die damaligen Flugtage, an denen auch die Kunstflugmeister ihre Kurven am Himmel über Ossendorf drehten, waren Großereignisse mit Besucherzahlen zwischen 200.000 und 300.000 Menschen.

Schöne Geste: Die Flughafenbelegschaft organisierte jahrelang für Waisenkinder des Kinderheims in Sülz Nikolausfeiern mit Flugtickets für einen Rundflug über Köln.

Trotz der Erfolge: Es handelte sich bei der Anlage   nur um eine umgebaute Fliegerstation – also ein Provisorium. Deshalb wurde ab 1935 in der Nähe der elegante Neubau errichtet, von dem denkmalgeschützte Bereiche bis heute erhalten sind. Die Gebäude des ersten Kölner Flughafens jedoch wurden 1944 bei einem Bombenangriff fast alle vernichtet. Heute erinnert nichts mehr an die Anlage.

Melanie und ihre Schwester sitzen in Jacken und Decken verpackt auf Stühlen in einer Reihe von Menschen.

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