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Tausende Jugendliche erwartetGen-Z-Demo am Heumarkt: Kölner Wirte räumen Stühle weg

Menschen stehen bei einer Demo dicht gedrängt auf dem Heumarkt.

Copyright: Rouven Otto

Auf dem Heumarkt finden häufig Demos (Archivfoto der Gesundheitsdemo Mitte Oktober) statt.

Tausende junge Leute wollen am Samstag (31. Oktober) am Heumarkt demonstrieren. Was Wirte und Polizei sagen.

Tische weg, Stühle rein: Am Heumarkt laufen die Vorbereitungen. 5000 Demonstrierende sind für Samstag angemeldet. Geert Dilien bleibt trotzdem gelassen, zumindest fast. „Ich mache mir viele Gedanken. Wir werden unsere Außengastronomie wegräumen“, verrät der Wirt des Gilden im Zims, als man ihn am Montag fragt.

Normalerweise bleiben Tische und Stühle draußen, nachts werden sie gesichert. Am Samstag aber nicht. Niemand soll darüber stolpern. Ab 14 Uhr strömen massenhaft junge Leute auf den Platz, und dann läuft nach Diliens Worten ohnehin kein normaler Betrieb mehr.

Steht Köln Ärger bevor? Polizei beruhigt

Hinter dem bundesweiten Protest steckt die Initiative „Gen Z regelt“. Über die Webseite der Initiative haben für Köln bis Montag mehr als 11.400 Menschen zugesagt. Das ist doppelt so viel wie angemeldet.

Die Gruppe erklärt sich nach eigener Darstellung solidarisch mit den Schülerprotesten in Frankreich, Belgien und Spanien. Steht Köln jetzt Ärger bevor?

Die Polizei winkt ab. Am Freitag teilte sie mit: „Nach aktuellem Stand liegen keine konkreten Hinweise darauf vor, dass es zu gewalttätigen Aktionen oder zu vergleichbaren Entwicklungen wie in Frankreich kommen wird.“ Vor der Veranstaltung wolle man mit den Anmeldern in Kooperationsgesprächen das Gespräch suchen.

Auch Dilien rechnet nicht mit Gewaltexzessen, wie es sie in Frankreich oder Italien gab. Sein Lokal verbarrikadieren? Hat er nicht vor. Stattdessen setzt er auf viele Polizisten vor Ort und richtet einen Wunsch an die Kölnerinnen und Kölner: Sie sollen „friedlich zu demonstrieren“.

03.11.2025 Köln. Geert Dilien ist Wirt im Gilden im Zims. Foto aktuell.

Copyright: Alexander Schwaiger

Geert Dilien ist Wirt im Gilden im Zims.

Ähnlich sieht es Raouf Khammassi, Wirt und Hotelbetreiber vom XII. Apostel. Dass die Demo aus dem Ruder läuft, glaubt er im Moment nicht. Seine Begründung: „Wir können Frankreich und Deutschland nicht vergleichen, das sind ganz andere Traditionen in der Protestkultur. Ich bin daher nicht übermäßig besorgt, dass die Protestierenden den gleichen Weg der Gewaltausschreitungen einschlagen werden. Protestieren ist ein gutes Recht in der Demokratie, aber es sollte nicht mehr sein als das.“

Einen genauen Plan hat er trotzdem längst im Kopf. „Wir werden unser leichtes Mobiliar wegräumen und reintragen, damit nicht die Gefahr besteht, damit herumzuwerfen. Die anderen sehr schweren Tische lassen wir stehen“, schildert Khammassi. Und falls es doch brenzlig wird? Dann zieht er die Reißleine: „Notfalls werden wir schließen.“

Auch über einen Security-Dienst hat er nachgedacht, die Idee am Ende aber gestrichen. „Wir wollen nicht provozieren. Und wenn es wirklich losgeht, können die auch nicht groß helfen.“ Im Ernstfall baue man auf die Polizei.

Dehoga fordert klare Ansagen für Kölner Gastro-Betriebe

Bei der Polizei laufen die Drähte heiß. Nach eigenen Angaben tauscht sie sich bei der Vorbereitung laufend mit weiteren Sicherheitsbehörden von Bund und Land aus. Außerdem habe man im Blick, wie die Gruppe öffentlich mobilisiert, auch wie viele sich auf der Webseite anmelden. Ein Sprecher der Kölner Polizei betont: „Bei Demonstrationen gehört es auch dazu, dass wir uns auch an betroffene Wirte und Händler wenden.“ In sogenannten „Stakeholder-Schreiben“ erfahren die Betroffenen dann etwa, wo gesperrt wird und wo der Verkehr ins Stocken gerät.

Christoph Becker, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Nordrhein (Dehoga), hatte bis Montagmittag noch nichts von den Behörden gehört. Seine Botschaft an die Stadt ist eindeutig: „Ich habe gegenüber der Stadt deutlich gemacht, dass die Unternehmen Planungssicherheit brauchen, auch für ihre Mitarbeiter und ihre Gäste.“ Droht zumindest die Gefahr von Vandalismus und gewalttätigen Auseinandersetzungen, sollte man nach Beckers Ansicht möglichst versuchen, die Demo aus der Innenstadt zu verlegen. Juristisch, räumt er ein, dürfte das aber sicher kein leichtes Vorhaben sein.

Dabei sind die Wirte am Heumarkt einiges gewohnt. Kundgebungen und Events gehören hier zum festen Programm. Jakob Isiklar, Geschäftsführer des Eiscafés Stella D'Oro, sieht das Demo-Treiben am Platz inzwischen als Alltag und deshalb ohne Panik. Von den Jugendprotesten am Samstag hat er bisher noch gar nichts mitbekommen. XII-Apostel-Wirt Khammassi kann den Demos sogar etwas abgewinnen: „Manchmal profitieren wir auch davon, wenn die Leute herkommen und danach etwas trinken. Aber Gewalt kennen wir hier nicht. Das wäre für uns eine Premiere und fremd.“

Ganz anders Geert Dilien vom Gilden im Zims. Ihn nerven die vielen Versammlungen am Heumarkt. „Es ist fast immer schlecht für das Geschäft. Viele Menschen, Reden – das stört die normalen Gäste. Und auch bei Großveranstaltungen mit lauter Musik ist es nachteilig für uns. Dann kommen noch Absperrungen hinzu“, klagt der Gastronom. Und er stellt eine Frage: „Warum müssen immer so viele Demos am Heumarkt sein? Ich finde es ungerecht und fände es besser, wenn es mehr auf die gesamte Stadt verteilt wäre.“ (red)