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Friseur, Erfinder, UnternehmerDieser Kölner ballert Ideen raus „wie eine Schrotflinte“

Der Kölner Elmar Heilf (38) ist Friseurmeister – und noch viel mehr.

Copyright: Alexander Schwaiger

Der Kölner Elmar Heilf (38) ist Friseurmeister – und noch viel mehr.

Während andere Friseure nur Haare schneiden, will sich Promi-Barbier  Elmar Heilf (38) nebenbei ein kleines Imperium aufbauen.

Wer einen der begehrten Termine bei Friseurmeister Elmar Heilf (38) im Sülzer Salon „Locke & Schnörres“ ergattert, bekommt oft mehr als nur einen Haarschnitt. Der Kunde wird nicht selten zum Resonanzboden eines neuen Geistesblitzes. Denn Heilf, einer der bekanntesten Barbiere der Stadt, ist im Herzen ein Erfinder und Projektentwickler. Sein Kopf sprudelt nur so über vor Ideen: Er schreibt Kinderbücher, entwickelt Gastronomieformate und hat jüngst mit Freunden ein Start-up für Nussecken zum Erfolg geführt. Der Friseursalon ist dabei sein liebstes Konferenzzimmer.

Köln: Nach der Meisterschule einen Barbershop nur für Männer eröffnet

Seine Heimat Hallenberg-Liesen am östlichen Ausläufer des Rothaargebirges habe ihn extrem eingeengt, sagt Heilf rückblickend. „Haus, Kind, Katze und einmal im Jahr nach Mallorca“, vor einem solchen Leben habe er Angst gehabt, sagt der 38-Jährige. Auch das dort praktizierte Schützenwesen sagte ihm nicht zu. Nach seiner Lehre zum Friseur – „ich brauchte einen Praktikumsplatz und habe einfach weitergemacht“ – habe er daher schnell das Weite gesucht. Heilf trampt durch Frankreich und Spanien, absolviert danach die Meisterschule, landet erst in Dortmund und letztlich in Köln.

Im Jahr 2015 macht Heilf sich selbstständig und eröffnet den „Gentlemen Barber Clubs“ in der Kyffhäuserstraße, ein Salon nur für Männer. „Das war damals kaum verbreitet“, sagt der Friseurmeister, „Männer wurden in gemischten Salons oft stiefmütterlich betreut – bei der Frau wirkt die Farbe ein, dann zack, schnell noch ein Herrenschnitt.“ „Der letzte Rückzugsort für Männer“ lautet der Werbeslogan. Bier zur freien Verfügung im Kühlschrank, Ledersofas zum Chillen auch ohne aktuellen Termin. „Wer Fleisch mitbringt, kann hinten im Hof auch grillen“, heißt es zur Eröffnung.

„Ich schneide bestimmt auch nicht besser Haare als andere Friseure“, sagt Elmar Heilf ehrlich. Doch das Konzept des Ladens wird zum Selbstläufer, auch Promis werden aufmerksam. Rapper Eko Fresh, Comedian Faisal Kawusi und Fußball-Weltmeister Lukas Podolski zählen schnell zu den Stammkunden. Im Salon sei die Idee zum Lied „Liebe deine Stadt“ entstanden, das Podolski mit Cat Ballou und Mo-Torres eingespielt hat. „Ein Mitarbeiter hat zu Lukas gesagt: ‚Mach doch mal einen Song über die Stadt‘“, erzählt Heilf. Das habe gezeigt: Der Friseursalon funktioniert wunderbar als Ideenschmiede.

Köln: Teilzeit ermöglicht ihm neue kreative Projekte

Heilf verkauft seinen ersten Laden und macht in Sülz mit seinem früheren Mitarbeiter Adil „Chico“ Arslan einen neuen Salon auf. Der Name „Locke und Schnörres“ ergibt sich durch Chicos Wuschelkopf und Elmars Schnäuzer fast von allein. Einen Wendepunkt bringt ein neues Teilzeitmodell – eine Woche bei höherem Pensum arbeiten, die nächste Woche frei: „Ich hatte auf einmal viel Zeit für neue Ideen.“ In zwei Stammkunden, denen er ständig davon berichtet, findet Heilf Geschäftspartner. Er gründet die Agentur „Lass ma‘ Freunde sein“ – und geht schnell ein richtiges Herzensprojekt an.

Mit „Kevin und die Drecksters“ über einen Neunjährigen mit ADHS veröffentlicht Heilf mit speziellem Konzept ein Kinderbuch, „das ich als Kind garantiert zu Ende gelesen hätte“. Bei dem 38-Jährigen wurde selbst ADHS und eine Form des Autismus diagnostiziert. „Das ist einerseits supercool, weil ich so kreativ bin, aber andererseits fickt das dein Leben auch komplett“, sagt Heilf. Für ihn heißt das: Ideen, die in seinem Kopf sind, müssen raus. „Das ist so ein bisschen wie mit einer Schrotflinte – Elmar ballert einfach drauflos“, so beschreibt es Kunde Thomas Deloy, Marketingleiter bei Gaffel.

Köln: Ein Nussecken-Deal soll den ganz großen Erfolg bringen

Da verwundert es nicht, dass im Brauhaus Gaffel am Dom ganz neu auch Nussecken von „Tante Tobis Backwaren“ als Dessert auf der Karte stehen. Die backt ein Freund von Heilf nach Familienrezept. „Die Dinger sind so lecker, da habe ich ganz großes Potenzial drin gesehen“, erzählt der Friseur, der sofort ein Marketingkonzept entwickelt und bei Unternehmern vorstellig wird. Mit „Bakerman“ aus Gronau in Westfalen sei nun ein großes Backwarenunternehmen in das Start-up eingestiegen, berichtet Heilf. Das Kölner „Nussecken-Team“ hofft nun auf eine deutschlandweite Erfolgsgeschichte.

In ein paar Jahren will sich Elmar Heilf aus dem Friseurgeschäft, das ihm sein großes Netzwerk beschert hat, zurückziehen – auch, weil ihn Arthrose in der Schulter plagt. Er hofft, mit spätestens 45 Jahren so weit abgesichert zu sein, dass er eine Familie gründen kann: „Da will und muss ich mich komplett drauf konzentrieren.“ Eher nebenbei will er dann eine Art Ideenagentur betreiben: Konzepte für Gastronomien – gerade entwickelt er eine spezielle Käse- und Weinkarte für ein Sülzer Lokal – oder TV-Shows müssen raus aus seinem Kopf. Denn Elmar Heilf bleibt der Friseur mit den 1000 Ideen.

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