„Sündenböcke gesucht“ Kölner Arzt Doc Esser: Was für ihn am Lockdown keinen Sinn macht

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Der Kölner Arzt Doc Esser moderiert beim WDR das Gesundheits-Magazin (Bild von 2018).

Köln – Der Lungenfacharzt und TV-Gesundheitsexperte Heinz-Wilhelm Esser hält die neuen Lockdown-Maßnahmen in bestimmten Wirtschaftsbereichen für mehr als fragwürdig.

Doc Esser erklärt im EXPRESS-Interview, welche neuen Corona-Restriktionen aus seiner Sicht falsch sind und auf welche Einschränkungen wir uns als Gesellschaft dringend weiterhin einstellen müssen.

Köln: Doc Esser sieht neuen Lockdown „sehr kritisch“

„Ich sehe die neuen Einschränkungen sehr, sehr kritisch. Ich habe das Gefühl, dass Sündenböcke gesucht und letztendlich ganze Branchen zu Grabe getragen werden“, erklärt Doc Esser gegenüber EXPRESS.

Gerade die Gastronomie-und Veranstaltungsbranche hätte in den letzten Wochen sowieso schon viele finanzielle Tiefschläge erlitten, obwohl sie mit kreativen Hygienekonzepten alles gegeben habe. „Diese Branchen haben trotz aller Widrigkeiten versucht, uns ein schönes Privatleben zu ermöglichen. Und jetzt werden genau diese Einrichtungen geschlossen“, kritisiert der Lungenfacharzt.

Doc Esser glaubt nicht an erhöhtes Infektionsrisiko in Gastronomie und Theatern

Durch seine eigenen Bühnenauftritte mit Kabarettist René Steinberg habe er ständig mit diversen Theatern zu tun gehabt.

„Ich kann sagen, dass die Theater, die ich bespielen durfte, tolle Hygienekonzepte hatten. Dadurch wurde das Risiko einer Infektionsübertragung gesenkt und deswegen sind Theater zum Beispiel auch keine Hotspots“, so Doc Esser. Dies würden die aktuellen Zahlen und das Wissen über Infektionsquellen widerspiegeln. 

„Wir stecken uns selten oder gar nicht in der Gastronomie oder beim Theater-Besuch an, weil diese Branchen sehr hart kontrolliert und zum Beispiel Maskenpflicht und andere Hygieneregeln strikt eingehalten werden“, so Doc Essers Einschätzung.

Doc Esser: „Die meisten Patienten stecken sich zu Hause an“

Problematisch sei nun, dass sich durch die Schließungen Treffen ins Private verlagern würden. „Die meisten Patienten stecken sich zu Hause, im familiären Umfeld und bei privaten Feiern an. Da fallen irgendwann die Hemmungen. Das sind die Infektionsherde und nicht die Orte, die unsere Freizeitgestaltung schön machen“, da ist sich Doc Esser sicher.

Allerdings: Laut Angaben der Bundesregierung ist bei etwa 75 Prozent der Infektionen aktuell nicht mehr nachzuvollziehen, wo sich die Menschen angesteckt haben.

Außerdem sieht Doc Esser die Schließung von Sportvereinen und Schwimmbädern kritisch. „Ich kenne keine einzige Übertragung, die im Wasser stattgefunden haben soll. Zusätzlich haben viele Vereine Hygienekonzepte für kritische Bereiche wie Eingang und Umkleiden entworfen. Deswegen halte ich dieses Schließungen für Schwachsinn. Die Menschen sollen weiterhin Sport treiben. Denn Sport stärkt das Immunsystem“, betont Lungenfacharzt Esser.

Doc Esser kritisiert Sport-Verbote: „Was bleibt uns denn noch?“

Vor wenigen Wochen, war Doc Essers deutliche Feststellung im EXPRESS-Interview: „Wir fressen und sitzen uns zu Tode.“

„Durch solche Maßnahmen wird diese Situation noch unterstützt. Was bleibt uns denn noch? Vielleicht noch Rad fahren und Joggen durch den Wald“, kritisiert Esser.

Eine Ausnahme stellen jedoch zum Beispiel Fitnessstudios für Doc Esser dar. Zumindest kleine Studios, in denen viele Menschen auf engem Raum trainieren, seien aktuell problematisch. Auch von Kontakt-Sportarten wie zum Beispiel Boxen rät der Mediziner ab. „Diese direkten sportlichen Kontakte auf engem Raum vorerst wegzulassen, das ist in der akuten Situation vorerst sinnvoll.“

Doc Esser: „Wir gehen schweren Zeiten entgegen“

Als leitender Lungenfacharzt eines Großversorger-Krankenhauses in Remscheid bekommt der Kölner gerade aber auch die aktuell bedenkliche Lage im Krankenhaus mit.

„Wir haben steigende Zahlen und gehen schweren Zeiten entgegen. Für das Pflegepersonal ist es jetzt schon anstrengender, als wir es im März/April erlebt haben, weil wir gerade eine viel höhere Anzahl an Patienten versorgen, die stationär und sogar intensivmedizinisch behandelt werden müssen“, so Esser.

Lungenfacharzt Esser kritisiert politische Entscheidung

„Doch ich kann für meinen Teil sagen, dass viele Patienten größtenteils Urlaubsrückkehrer waren oder sich auf einer Familienfeier angesteckt haben, bei der AHA-Regeln nicht eigehalten wurden“, erklärt Esser. Auch Mitglieder von Großfamilien, die auf engem Raum zusammenleben, würden sich häufiger anstecken und daher häufiger zu seinen Patienten. „Es hat sich bisher kein Hinweis darauf ergeben, dass sich die die steigenden Zahlen der Neuinfektionen durch Restaurant- oder Theaterbesuche erklären lassen“, gibt Doc Esser deutlich zu bedenken.

Doc Esser: „Ich glaube, das war ein Knieschuss“

Über die politische Entscheidung zum neuen Lockdown sagt Doc Esser: „Ich glaube, das war ein Knieschuss und die Politik hätte lieber an die Vernunft der Bürger appellieren sollen, zum Beispiel dahingehend, Familienfeiern so klein wie möglich zu halten und Abstand zu halten, anstatt ganze Branchen zu bestrafen“, so der Kölner Arzt.

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