„Weihnachts-Engel“Bläck-Fööss-Urgesteine mit deutlichen Worten: „Der böse Geist ist noch immer da“

Tommy Engel und Erry Stoklosa stehen auf der Bühne.

Tommy Engel und Erry Stoklosa bei der Premiere der 18. Ausgabe des „Weihnachts-Engels“ am Freitagabend (24. November 2023).

Die 18. Ausgabe des „Weihnachts-Engels“ feierte die erste Premiere. Zum Start der Dinner-Show hat Tommy Engel zunächst seinen früheren Bläck-Fööss-Mitstreiter Erry Stoklosa an seiner Seite.

Mit viel kölschem Jeföhl und starken Statements für den Frieden feierte Tommy Engel am Freitagabend (24. November 2023) die erste Premiere der 18. Ausgabe des „Weihnachts-Engels“. Zur „ersten Halbzeit“ der Dinner-Show hatte die „Stimme Kölns“ Bläck Fööss-Urgestein Erry Stoklosa (76) an seiner Seite.

„Es ist schön, wenn man auf die Bühne kommt und man das Gefühl hat, dass die Leute sich freuen. Das Gute daran – wir freuen uns auch“, sagte Engel (73) zum Start. In den ersten fünf Shows wird das Fööss-Urgestein an Tommys Seite sein, ehe ab dem 8. Dezember Kölschrocker Peter Brings (59) übernimmt.

„Weihnachts-Engel“: Erry Stoklosa dabei, dann übernimmt Peter Brings

„Wir standen bei den Fööss fast 25 Jahre gemeinsam auf der Bühne. Bis heute ist er mir ein guter Freund geblieben und das wird sich auch nicht ändern“, kündigte Engel seinen alten Freund an. Trotz der langen gemeinsamen Zeit stehen die Songs nicht im Mittelpunkt der Show: „Nur das Fööss-Repertoire abzuklappern wäre ja einfach. Wir sind heute luxuriöser unterwegs“, sagte Engel lächelnd.

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Dennoch kam die Zeit nicht zu kurz. Mit dem „Rheinhotel“ erinnerten die beiden an die Geburtsstätte der Band und konnten es selbst kaum fassen, dass sie 60 Jahre danach immer noch zusammen auf der Bühne stehen. Während Stoklosa mit „Hillije Naach“ an die Weihnachtszeit der 50er Jahre erinnerte, sang Engel den Fööss-Klassiker „Schöne Bescherung“.

Für Gänsehaut sorgte Stoklosa, als er stimmgewaltig, aber dennoch gefühlvoll die Nummer „Schön dat et die Liebe gibt“ sang. „Wenn man sich umschaut oder die Nachrichten hört, hat man nicht gerade das Gefühl, dass die Liebe unterwegs ist. Aber egal was noch passieren wird, wir werden die Hoffnung nicht aufgeben“, betonte Erry.

Als Tommy sein weihnachtliches Chanson („Ich lass’ dich nicht stehen“) vor dem nicht gerade schönen Weihnachtsbaum zum Besten gab, blieb kein Auge trocken. Und auch als Erry „Met d´r Harley op Jöck“ sang und Tommy anstatt mit seiner Harley mit dem Solex-Moped auf die Bühne rollte, waren den beiden die Lacher sicher.

Für weitere Glanzmomente sorgt die Engel-Band mit einem Medley von Albert Hammond und Engel und Stoklosa, als sie den Hit von Wolfgang Niedecken „Für ne Moment“ anstimmten.

Als die zwei Kölner Kult-Sänger aus „Ebony and Ivory“ plötzlich „Tom und Erry“ machten und damit den Hit von Paul McCartney und Stevie Wonder und sich selbst auf die Schippe nahmen, hielt es keinen mehr auf den Stühlen. Noch eine Schippe legten die beiden drauf, als sie Blaumann und Bauhelm anzogen und von den „Profis vun der Eierquell“ berichteten.

„Wir wollen damit die Jugend wieder zum Handwerk bringen. Die Kids wollen ja keinen Hammer mehr in die Hand nehmen, sondern lieber studieren“, lachte Engel und sang von Balkonen, die schonmal runterfallen, wenn Mieter mit den Türen knallen.

Einen besonderen Wunsch erfüllte Erry seinem Freund, als sie gemeinsam „Du bist die Stadt“ anstimmten. „Als plötzlich der ganze Saal für uns aufstand, oh Mann, die Gänsehaut werden wir so schnell nicht vergessen“, waren sich die beiden nach der Show einig.

Mit seiner traditionellen Weihnachtsgeschichte ging Engel im schönsten Kölsch mal witzig, mal nachdenklich, mal aufrüttelnd auf das aktuelle Geschehen in der Welt ein und erhielt dafür immer wieder Zwischenapplaus: „Der böse Geist der vergangenen Weihnacht ist auch in diesem Jahr noch derselbe. Es ist immer noch Krieg in der Ukraine, der neue Krieg im Nahen Osten, Naturkatastrophen in immer kürzeren Abständen, das Leben wird teurer, aber das Geld knapper.“

Und weiter: „Der Ton auf der Straße wird rauer und in der Politik streitet man sich lieber, anstatt zu betonen, dass wir mehrheitlich denken. Wenn 25 Prozent menschenfeindliche Parolen krakeelen, dann wird es Zeit, dass wir, die restlichen 75 Prozent, denen klarmachen, dass wir die Mehrheit sind.“

Tommy Engel: „Möchte mal nicht an Krieg, Elend und Zerstörung denken“

Fußball und die Deutsche Bahn waren auch Thema. „Lasst uns positiv bleiben, auch bei unserem FC – auch wenn es schwerfällt.“ Positiv zu denken, falle bei der Bahn besonders schwer. „Neulich habe ich im Zug auf meinem Laptop einen 90-minütigen Film geschaut auf einer Fahrt, die eigentlich 45 Minuten dauert. Was die Bahn Fahrplan nennt, nenne ich unverbindliche Abfahrtsempfehlung mit Gleisvorschlag.“

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Ebenfalls thematisierte Engel die weihnachtliche Konsumflut bereits im Oktober: „Ab Oktober sind die Supermärkte nicht nur voll mit Spekulatius, sondern du hörst auch überall ‚Last Christmas‘ in der Dauerschleife. Es geht auch anders: Auf dem Weihnachtsmarkt haben 20 Kinder mit Blockflöten Weihnachtslieder gespielt. Nach zehn Minuten sagte eine ältere Frau zu mir: ‚Schade, dass so etwas nicht im Fernsehen läuft.‘ Ich antwortete: ‚Gefällt ihnen das so gut?‘ Sie: ‚Nee, aber da könnte ich abschalten.‘ Ist das nicht traurig?“

Engels Schlusswort: „Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich möchte drei Tage mal nicht an den ganzen Wahnsinn denken, der da draußen tobt. Nicht an Krieg, Elend und Zerstörung. Verdammt noch mal: Weihnachten ist doch das Fest der Liebe und der Menschlichkeit. Es sind eigentlich die einfachsten Regeln, die in der heutigen Zeit scheinbar so schwer zu leben sind. Behandele andere so, wie du auch behandelt werden möchtest. In diesem Sinne: Schalom, Salam, Friede sei mit euch.“