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Kölsche Legenden und NewcomerJecke Sitzung läuft völlig aus dem Ruder

Marita Köllner singt zusammen mit Volker Weininger.

So ausgelassen geht es bei der jährlichen Sitzung der Löstigen Tasmanier zu. Marita Köllner schnappte sich das Krätzchen von Volker Weininger, der dafür ihre Perücke bekam.

Aktualisiert

Die Löstigen Tasmanier haben ihre jährliche Brauhaus-Sitzung gefeiert. Dabei gab es Top-Karnevalisten und spannende Newcomer auf der Bühne. Eine kölsche Legende erhielt den Preis für das Lebenswerk.

Sie feiern Karneval anarchisch, urkölsch und herrlich ursprünglich. Wenn die Löstigen Tasmanier ihre jährliche Sitzung abhalten, dann entwickelt sich der Abend ganz anders als bei den traditionellen Formaten und alles läuft schon mal aus dem Ruder.

Als am Montagabend (19. Januar 2026) die Rabaue zum großen Finale auf die Bühne kamen, mussten die ihren Sessionssong „Wer einmol he in Kölle wor“ immer weiterspielen. Denn die Tasmanier quetschten sich mit dazu und stimmten freudetrunken lauthals mit ein.

Löstige Tasmanier: Rekord-Spendensumme von 15.000 Euro

Seit 15 Jahren treffen sich die Spitzen-Karnevalisten, die sich als Tasmanier zusammengetan haben, um am eigentlich auftrittsfreien Montag zu feiern und dabei Gutes zu tun, indem Spenden gesammelt werden. Alle Künstlerinnen und Künstler waren im Brauhaus Sion ohne Gage dabei.

Am Ende stand die Rekord-Spendensumme von 15.000 Euro. In diesem Jahr wurden 5000 Euro an den Senioren-Fahrdienst Friedhofsmobil gespendet, der alten Menschen hilft, zum Grab der Angehörigen zu kommen. Ebenfalls 5000 Euro erhielt der Verein „Wir für Pänz“, der 1000 schwerstkranke und behinderte Kinder begleitet.

Volker Weininger, tasmanischer Alkoholtester, eröffnete das bunte Programm. Während des Vortrags wurden ihm neben reichlich Kölsch auch noch etliche Schnäpse von seinen Kollegen serviert.

„Noch zwei davon und ich muss morgen zum Optiker“, lallte der „Sitzungspräsident“ in gewohnter Manier. „Ich könnte allein mit meinem Atem die ganze Uniklinik desinfizieren.“

Horst Müller und Markus Wallpott Arm in Arm im Brauhaus.

Löstige Tasmanier unter sich. Literat Horst Müller (l.) und Präsident Markus Wallpott hatten ihren Spaß beim ausgelassenen Abend.

Die Tasmanier geben auch dem Nachwuchs die Chance, sich vor den hochrangigen Gästen zu zeigen. „Der löstige Präsident“ Markus Wallpott und „der riesige Literat“ Horst Müller hatten ein tolles Programm erstellt. Andreas Konrad agierte als Ein-Mann-Kapelle.

Fabian Rangol, Hans-Süper-Preisträger von 2024, meisterte die Aufgabe, direkt nach Weininger in die Bütt zu gehen. „Man sagt, der Karneval hat ein Problem mit Nachwuchskünstlern. Ich bin sehr froh, dass ich euer Problem sein durfte“, sagte das Rednertalent nach seinem überzeugenden Auftritt.

Die Gäste im Brauhaus Sion bei der Polonaise.

Als Marita Köllner zur Polonaise aufrief, gab es im Brauhaus Sion kein Halten mehr und alle machten mit.

Höhepunkt des Abends war die Verleihung des bronzenen Beutelteufels für ein Lebenswerk. Seit Vereinsgründung wurden schon Marie-Luise Nikuta, „Tröötemann“ Karl-Heinz Jansen, Hans Süper und Bubi Brühl geehrt. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an Marita Köllner, die ihr 60. Bühnenjubiläum feiert.

„Sie ist ganz normal, ohne Allüren. Eine echte Kölsche, immer natürlich geblieben und hat immer ein offenes Ohr und ein Herz für Spökes“, sagte das tasmanische Sprachrohr Volker Marx in seiner Laudatio. Die Sängerin hörte gerührt zu und rief ihr Motto in den Saal: „Karneval ist nicht nur Bum-Bum-Musik und höher, schneller, weiter. Wir sind Kölle, wir sind Tradition.“

Marita Köllner zeigt ihre Auszeichnung.

Marita Köllner wurde für ihr Lebenswerk und ihr 60. Bühnenjubiläum mit dem Beutelteufel ausgezeichnet.

Besonders freute sich Köllner, als sie Prinz Niklas I. mit Bauer Clemens in der Menge entdeckte. „Als Niklas noch ganz klein war, stand er bei einer RTL-Sitzung auf einem Tisch und hat mit mir gesungen. Jetzt bin ich dein Fan“, sagte die Frohnatur und stimmte „Bei uns in Kölle“ an.

Erry Stoklosa, Micky Brühl und Bubi Brühl singen zusammen.

Auf der Bühne präsentierten Erry Stoklosa, Micky Brühl und Bubi Brühl (v.l.) große Hits der Paveier und der Bläck Fööss.

Die 67-Jährige kletterte wie gewohnt auf die Tische und sorgte mit ihrem Sessionskracher „Weisste wat, mir maache Polonaise“ für Ausnahmezustand im Brauhaus.

Köllner schnappte sich Weiningers Krätzchen und setzte dem Redner dafür ihre rote Perücke auf. „Hier sitzt die Crème de la Crème des Fastelovends. Und dann solch eine Stimmung“, freute sich die Jubilarin.

Tom Gerhardt als Hausmeister Krause auf der Bühne.

Tom Gerhardt, der auch Mitglied der Löstigen Tasmanier ist, schlüpfte in die Rolle des Hausmeister Krause.

Mit dem Newcomer-Duo Stadtjeföhl und den drei Jungs von Favorit zeigten zwei Gruppen, dass die neue Karnevalsgeneration schon bereit für weitere Auftritte ist. Zwischendurch schlüpfte der tasmanische Tompteur Tom Gerhardt in seine Paraderolle als Hausmeister Krause.

„Ich bin Hausmeister, ich lebe vom Staub. Staub warst du und Staub wirst du werden. Und wenn du fein gelebt hast, wirst du Feinstaub“, sinnierte er. Im Publikum saß auch sein Schulfreund Konrad Kopper, mit dem er vor 40 Jahren die ersten Schritte auf der Bühne unternommen hat. 

Alexander Barth mit den Rabaue auf der Bühne.

Die Rabaue mit Frontmann Alexander Barth spielten das Finale bei den Löstigen Tasmaniern.

Unter dem Begriff Michel & die Pensionisten erlebte das Publikum drei echte Köln-Legenden. Micky Brühl, Bubi Brühl und Erry Stoklosa hauten einen Paveier- und Bläck-Fööss-Hit nach dem anderen raus. Zu dem Zeitpunkt hing das Programm schon über eine Stunde hinter dem Zeitplan zurück.

Die Rabaue, die aktuell ihr 25. Jubiläum feiern, setzten dem ausgelassenen Abend schließlich die Krone auf. Ihre kölsche Partyversion des Mallorca-Hits „Baila Baila“ wurde auch von den Traditionalisten im Saal begeistert mitgesungen.