Kommentar Hände weg von einer Frauen-Quote im Kölner Karneval

Zwei jecke geben sich ein Bütjer in Köln auf dem Heumarkt.

Bützjer? Aber gemeinsam und ohne Druck, meint unser Autor. Unser Symbolfoto zeigt zwei Jecke bei der Sessionseröffnung 2017 in Köln.

Eine der ältesten Gesellschaften in Köln hat sich entschieden: Frauen dürfen ab sofort ordentliche Mitglieder im Verein werden. „Aber nicht um jeden Preis“, meint unser Autor. Ein Kommentar.

Köln. Eigentlich ist es ja skurril: Jedes Jahr ist es ein schönes Bild, wenn Kölns OB Henriette Reker neben Heinz-Günther Hunold auf dem Wagen der Roten Funken mitfährt. „Tut gar nicht weh“, würde dazu wohl auch der Präsident sagen. Einziges Problem: Wie bei manch anderen Vereinen auch, sind Frauen als ordentliche Mitglieder im Kölner Karneval nicht zugelassen. Deshalb ist den Roten Funken auch überhaupt kein Vorwurf zu machen.

Jetzt schreiben wir das Jahr 2021 – und knapp 200 Jahre nach Gründung lässt die Grosse von 1823 in einer historischen Abstimmung Frauen zu. Ein Schritt, der hoffentlich in beide Richtungen Signalwirkung hat. Denn auch im Kölner Karneval dürfte längst angekommen sein, dass sich die Gesellschaft gewandelt hat.

Allerdings sollte man den Wandel behutsam, nicht um jeden Preis und ohne Schaum vor dem Mund angehen. Denn es gibt bereits dem Festkomitee angeschlossene Frauen-Vereine. Allen voran haben die Colombinen sehr viel für die Gleichberechtigung im Kölner Karneval getan. Doch hat diese Rose auch ein paar Dornen: Männer sind in dieser Gesellschaft ebenfalls ausgeschlossen. Eigentlich doch auch ungerecht, oder?

Deshalb sollte jeder Verein für sich entscheiden, wie er mit den Geschlechtern umgeht. Nicht auf öffentlichen Druck hin agieren, sondern auf die jeweiligen Belange im Verein schauen. Die Grosse von 1823 hat das getan und für sich entschieden: „Ja, es wird Zeit.“ Eine überragende Lösung.

Präsident Joachim Zöller sagt dazu einen klugen Satz. „Frauen ja, aber eine Quote bitte nicht.“ Das bedeutet übersetzt: Kölsche Mädcher sollten bitte überall willkommen sein, wenn sie sich im jeweiligen Verein auch den Traditionen und dem Vereinsleben anpassen können. Das muss aber auch genauso für kölsche Junge gelten! Um es kurz zu machen: Wer eine Niete ist, sollte sich nicht anschließen. Das gilt für Männer und für Frauen gleichermaßen.

Deshalb gilt bei einer Diskussion um ein weibliches Dreigestirn: Frauen ja, bitte! Aber dann auch in einem fairen Wettbewerb. Die drei, die die Prinzipien des Kölner Karnevals am besten vertreten, sollen es am Ende auch werden. Um im Bild zu bleiben: Ist der Prinz nicht so gut, und die Prinzessin verkörpert die Figur besser  – dann muss es auch die Prinzessin werden. Gleiches Recht für alle! 

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